@farooq
Es kommt schon auf den Grundcharakter und die Selbstsicherheit des Pferdes an.
Junges, unsicheres, rangniederes Pferd mit unsicherem Menschen klappt wohl eher nicht.
ABER älteres, erfahrenes, gutmütiges Pferd mit unsicherem Menschen klappt schon.
Es kommt also doch auf die "individuelle Anpaarung" an!
Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Diskutiere Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten im Pferdeflüsterer Forum im Bereich Pferde; @farooq Es kommt schon auf den Grundcharakter und die Selbstsicherheit des Pferdes an. Junges, unsicheres, rangniederes Pferd mit unsicherem Menschen klappt wohl eher nicht. ABER ...
- 29.12.2011, 10:09 #21Wanderreiter
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
- 29.12.2011, 11:14 #22Schroedemann
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Man merkt, dass du Araber hast. Genauso ist es und bei dieser Rasse noch weit mehr als bei anderen Rassen. Vertrauen ist übrigens nie eine Einbahnstraße, sondern immer einen gegenseitiger Prozess. Wenn ich meinem Pferd nicht über den Weg traue, dann traut es mir auch nicht und umgekehrt. Mir ist es sogar wichtiger, meinem Pferd zu vertrauen. Der Rest kommt dann sowieso von alleine. Vertrauen kommt, wenn man sich sehr viel mit dem Pferd beschäftigt, es kennenlernt, seine Grenzen respektiert, mit ihm gemeinsam viel erlebt.
Wir haben bei uns im Stall einige Parellifanatiker - die dauernd von Dominanz labern (das Wort hasse ich). Natürlich üben sie auch das Verladen. Bis zum Abwinken. Komischerweise aber sind es ihre Pferde, die im Ernstfall immer Stunden brauchen, um einzusteigen. Ich dagegen kann nicht üben, da ich keinen Hänger habe. Mein Pferd hat auch sichtlich Unbehagen vor Hängern. Wenn es fahren muss, schnorchelt sie, die Augen rollen, der Schweif ist hochgestellt und sie geht an der Hand in der Passage auf den Hänger zu. Und hat trotzdem eine Verladezeit von maximal 30 Sekunden. Warum? Vermutlich, weil das Pferd gelernt hat, sich im Gelände alles, was es ängstigt, anzugucken und zu beschnüffeln. Danach gibt es ein Leckerli. Das Pferd hat offensichtlich gelernt, dass es hinter mir hergehen kann und den Säbelzahntiger überlebt. Also geht es auch hinter mir her in den bösen Hänger.
Wenn die Chemie stimmt, stellen sich Fragen wie Dominanz, Führung, Respekt etc... überhaupt nicht. Das ist eh ein veralteter Kram, denn Pferdeherden funktionieren ganz anders (als die Parelllis meinen).
natürlich. Aber was anderes besagt ja der Ausdruck, dass die Chemie stimmen muss, auch nicht. Es muss passen. Wenn die Chemie nicht stimmt, kann man es vergessen (zumindest bei Arabern;, einer der Gründe, warum die allermeisten FN-RL mit Arabern nicht zurechtkommen. Die Chemie stimmt einfach nicht.)Es kommt also doch auf die "individuelle Anpaarung" an
- 29.12.2011, 11:20 #23Farooq
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
dankebutton drück! super schroedi, ganz genau so meinte ich das!
ich finde diese modeausdrücke wie: respekt, dominanz und all den kram auch zum teil bischen zu verallgemeinert.
ich sitze auch stunden lang und beobachte nur meine pferde/pony/herde. ist wirklich erstaunlich, was man da alles lernen kann. vom nichtstun!
wuwei, heisst dieser ausdruck bei den gelehrten asiaten. wuwei= nichtstun! und gerade darin liegt des pudels kern begraben. sehen, verstehen , fühlen, beobachten. denn nicht jedes pferd ist gleich und nicht alle herden funktioniern immer gleich. meine meinung.
also, mal einfach "nichtstun" und lernen dabei! manchmal ist eben weniger mehr.
grüssle. uli
- 29.12.2011, 12:39 #24Schroedemann
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Irgendjemand - ich glaube, es ist Mark Rashid, aber ich kann es nicht beschwören - hat mal geschrieben, dass die Dominanzanhänger in Wahrheit ängstliche Leute sind, die durch markiges Dominanzgeblubber ihre Angst übertünchen wollen.
Das funktioniert allerdings nicht. Die Tiere können nämlich hinter die Maske sehen.
- 29.12.2011, 14:40 #25Osaka
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
@ faroog
Respekt:
Einfaches Beispiel. Pferd scharrt beim Putzen andauernd mit dem Huf. Läßt man das Tier gewähren wird es sich das nicht abgewöhnen und sich auf Dauer noch seine Hufe kaputt machen. Deswegen sollte man dem Pferd das verbieten. Das hat auch was mit Erziehung zu tun. Dafür muss das Pferd natürlich auch Respekt haben. Ansonsten kann man dieses Fehlverhalten dem Pferd leider nicht abgewöhnen.
Angst:
Wenn man selber keine Angst hat, geht man z.B. im Gelände mit gutem Beispiel voran. Und das Pferd lernt dann, dass es auch keine Angst haben muss und vertraut sich Dir in dem Augenblick an. Pferde sind Fluchttiere und ihre Angst ist instinktiv und überlebenswichtig. Deswegen ist es von Vorteil einen selbstsicheren, ruhigen und gutmütigen Charakter zu haben. Denn man kann seine eigenen Ängste auch auf das Pferd übertragen. So ist das gemeint.
- 29.12.2011, 15:25 #26Farooq
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
@ osi: ich weiss, was du mit respekt und angst meintest osi! grins...ich habe etz schon seit über 30ig jahren pferde, oder damit zu tun.....
auch beispiel: ich bin ein hosenschisser vor dem herren! wie kommts dann, dass meine pferde auch keine ungeschliffenen rauhbolde sind?? grübel...kannst mir das erklären? weil.....das wahnsinnige super-ego-auftreten lege ich da auch nicht an den tag! komisch ha!? und meinen alten hanno-mix z.b. , man glaubts kaum..lol..., den hab ich selbst zugeritten und auch nun 25ig jahre im gelände halten und regulieren können. der ist mir nie durchgegangen oder ich bin auch nieee gefallen von dem. sowas meint ich damit!
und: auch keines meiner pferde scharrt, schubbert sich ungebeten an mir, drängt mich übern hauffen oder oder oder? wie kann dass dann kommen. ich muss meine pferde in dem sinn nicht erziehen, weil ich ihnen so ein verhalten erst garnicht anerziehe! so schauts nämlich meistens aus , die realität.
der mensch erzieht schon auch viel dem pferde an, denn, in der natur scharrt kein pferd aus langeweile oder ungeduld, warum auch?? es muss ja nicht auf futter oder beschäftigung warten! lach....
nur mal als kleiner denkanstoß !
aber ichhab schon verstanden, was du mit deiner aussage meinst osi! dont panik.
gruss. uli
- 29.12.2011, 15:31 #27Osaka
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Ne, "wahnsinnig super Ego" muss man ja auch nicht auftreten. Pferde spüren sowieso wie es hinter der Fassade aussieht.
Aber das Du im täglichen Umgang Angst vor Deinen Pferden hast, kannste mir auch nicht erzählen.
Dann wäre jeder tägliche Umgang ja eine Horrorvorstellung.
Wenn Deine Pferde nicht rempeln und schubsen, dann haben sie doch auch Respekt vor Dir.
Die Leitstute muss in der Regel ja auch selten ihre Macht unter Beweis stellen. Sie ist ruhig und gelassen. In der Ruhe liegt die Kraft, oder?
- 29.12.2011, 15:52 #28Farooq
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
frag mal die leute, de mich kennen, ob ich ein angsthase bin! die bestätigen dirs! ja wirklich, ich bin net grad sehr gesegnet mit "mutigkeit". naja is nun aber auch nicht so, dass ich vor jedem windhaut zusammebreche! grins.....
ich weiss net, meine pferde versuchen so schmarrn erst garnicht, oder halt nur miiiiniii.....die wissen wohl, dass ich ein nervliches wrack bin, die gutesten!
uli
- 29.12.2011, 16:37 #29Osaka
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Osaka ist da schon hartnäckiger. Sie ist sehr verfessen und hat einen Dickschädel. In der Herde gehört sie auch schon zu den mutigsten und steht immer am dichtesten an der Leitstute dran. Wenn die Leitstute sie wegjagen will macht sie einen kleinen Schritt zur Seite und das wars und sie muss immer wieder ermahnt werden von ihr. Das geht dann so lange bis die Leitstute keine Lust mehr hat und Osaka dann Kopf an Kopf mitfressen darf.-)
Alle anderen Pferde, die ich hatte, mussten höchstens 3 Mal in der Herde ermahnt werden und haben es nicht wieder gemacht und respektvollen Abstand gehalten. Andere ehemalige Pferde von mir hatten sogar panische Angst vor der Leitstute und sind sogar schon durch Zäune gejagt worden. Aber nicht Osaka.Trotzdem ist sie überall immer sehr beliebt in der Herde und es kommt nie zu ernsthaften Situationen, wo man Ansgt haben muss.
Osaka muss man aber manchmal schon 10 Mal was sagen wegen dem eilig in die Box kommen wollen und fressen. Dann ist es wieder für 2 Wochen gut und sie probiert es wieder aus.-)
Sowas hartnäckiges hab ich auch noch bei keinem anderen Pferd erlebt. Aber wenn Osaka einen guten Tag hat überrascht sie einen dafür doppelt gut.-) Ich sag nur Stuten.
- 29.12.2011, 18:05 #30Schroedemann
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Mein Pferd rempelt und schubst auch nicht. Da sie allerdings Cholerikerin ist - ich sag ja: aussehen von Mutter Theresa, Charakter von Bellatrix Lestrange - giftet sie, wenn ihr was nicht passt. Und sie kann sich auch schon mal im Ton vergreifen und schnappen. (Das tut der Freundschaft keinen Abbruch). Natürlich lasse ich mir das nicht gefallen. Dann gibt´s einen Anraunzer und wenn´s schlimm ist, auch schon mal einen "Schlag ins Genick". Dann ist auch wieder gut und wir herzen uns wieder. Respekt hat das Pferd sicherlich vor mir, wenn sie nicht gerade ihre Wutanfälle bekommt, aber ich habe ja auch Respekt vor meinem Pferd. Oder besser: ich begegne ihm mit Respekt. (was mit Angst nichts zu tun hat, eher mit gegenseitiger Achtung.).
Aber ich kehre nicht dauernd die (angebliche) Chefin heraus. Das habe ich nicht nötig. Ich glaube, das ist wie bei uns Menschen am Arbeitsplatz. Wenn ein "Chef" dauernd den Chef herauskehren muss, ist es nicht weither mit der Autorität. Denn dann hätte er das nicht nötig.
Ich habe es auch schon erlebt, dass mein Pferd - nicht das Jetzige - die Führung übernommen hat.
Ich ritt einmal mit meinem verstorbenen Araber aus und kam an einen tiefen, v-förmigen Graben. Wenn ich den sehr schönen Waldweg weiter gehen wollte, mussten wir den durchqueren. Unten in dem V lagen runde Holzstangen.
Jedenfalls guckte ich von oben sehr bedenklich in das V rein und schauderte. In meinem Kopf spielte sich ein Film ab wie: Pferd tritt auf die Stangen, die rollen weg, Sehnenschaden, Beinbruch, tot.
Oh ne... Ich wollte meinem Pferd gerade sagen: "ne, das machen wir jetzt mal nicht. Wir gehen einen Umweg", da nahm er entschlossen das Schicksal in seine Hufe. "Wie lang willst du hier noch in die Gegend stieren?" schien er zu sagen und zack stiefelte er durch den Graben.
In dem Augenblick war er der Führer und ich die kleine Wichtelfrau, die sich ihm anvertraute.
Ich fand das eine sehr schöne Erfahrung. Ich konnte mich auf mein Pferd verlassen.
Von daher: Respekt natürlich, aber wie die Chemie, wie das Vertrauen muss sie beidseitig sein.
Ich glaube nicht daran, dass man Pferde "beherrschen" kann. Wenn man das versucht, scheitert man. Die Viecher sind immerhin ungefähr nilpferdgroß und könnten einen in ein paar Sekunden umbringen. Netterweise tun sie es nicht. Seitdem ich mir das klar gemacht habe und es aufgegeben habe, mein Pferd zu beherrschen, habe ich überhaupt keine Probleme mehr.
Aber, wie gesagt, ich gebe zu, dass meine Erfahrung einseitig ist. Ich reite nicht umsonst ausschließlich Araber, weil die einfach am besten auf meine Philosophie reagieren. Das geht bei mir so weit, dass ich im Augenblick der Krise im Sattel alles loslasse. Zügel weg, Beine weg, leichter Sitz. Bei Arabern funktioniert das bestens. Das "Durchsetzen und Chef herauskehren" geht bei dieser Rasse zumindest schief.
- 29.12.2011, 19:36 #31Nessi
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Aber Chef sein und bestimmtes Auftreten ist ja nicht gleich despotenhaftes Verhalten.
Wenn ich mit meinem Pony umgehe, bin ich immer lieb und nett und mir wurde auch schon gesagt, der sei ein bisschen verhädschelt *lach* Aber: macht er irgendwas, das mir nicht passt, dann wird er sofort und ohne Umschweife zurechtgewiesen. Das weiß er und deswegen bin ich in den Momenten, in denen ich ihm den Hals kraule oder den Po runterrutsche nicht weniger Chef als wenn ich ihn anraunze..
Weil ich da konsequent bin, macht er eigentlich auch nie irgendwas, es kommt also sehr selten vor, dass ich als seine Chefin auftreten muss, er zweifelt da nichts an. Er darf gern seinen Charakter zeigen, das soll er auch (!), sonst würde ja irgendwas nicht stimmen, aber er soll sich dabei an die Regeln halten.
Fighty ist toll mit ängstlichen Leuten. Allerdings nur solange jemand dabei ist, der die Führung übernimmt. Der trägt jeden Angsthasen durch den Wald, wenn ich mit einem anderen Pferd mitgehe. Würde ich die zwei allein losschicken würde das vermutlich nichts werden...
Der MÖCHTE geführt werden und legt einem die Führung in die Hände. Bei so einem Pferd muss ich so oder so in die Chefrolle schlüpfen und die habe ich immer. Das heißt ja nicht dass ich das Pferd ständig unterdrücke oder anschnauze sondern lediglich, dass ich in unserem gemeinsamen Beianander die Entscheidungen treffe und Pferd sich drauf verlassen kann, dass meine Entscheidungen sicher für ihn sind... und ich sie im Zweifelsfalle auch durchsetze.
- 29.12.2011, 20:08 #32Osaka
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Ja genau das verwechseln dann einige. Respekt bedeutet ja auch nur das man so akzeptiert wird wie man ist. Einige verstecken ihre Angst hinter dem dominanten Verhalten. Und das merken Pferde dann sofort. Man kann so sein wie man ist. Und darf sich eben nur nicht alles gefallen lassen. Bei einigen Pferden muss man die Grenzen auch nur einmal im Leben bei einer Sache aufzeigen und es wird nie wieder in Frage gestellt.Einige Pferde fragen öfter mal nach.Vielleicht ist Konsequenz ja auch das bessere Wort.
- 30.12.2011, 09:53 #33Farooq
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
hallo nessi,
aber gerade deine eigenen worte, wie du schreibst: dein pony möchte geführt werden, würde ich mit dem worte umschreiben:
vertrauen!
ja, er vertraut dir halt dann darin, dass dus schon richten wirst. ist doch prima!
gruss. uli
- 30.12.2011, 12:40 #34Schroedemann
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Vertrauen ist auch das bessere Wort. Aber für mich ist es auch wichtig, dass ich meinem Pferd vertrauen kann. Mein Pferd ist es nämlich, das draußen auf seinen Beinen laufen muss und aufpassen muss, nicht hinzuknallen. Je nach Bodenverhältnissen - jetzt z.B. wo es durch den Regen seifig rutschig ist, muss mein Pferd es richten. Wenn wir einen glatten Abhang heruntergehen, dann vertraue ich meinem Pferd, dass es jetzt vielleicht mal gerade nicht scheut - meine Stute ist leider die Scheuerin vom Dienst, das guckigste Pferd auf dem Planeten - weil wir sonst hinknallen würden.
Wenn ich meiner Stute sage: "komm jetzt, die flatternde Plastiktüte im Busch ist kein Monster", und sie dann schnorchelnd daran vorbeigeht, bzw. sie beschnüffelt, hat sie sicher Vertrauen in mich. Das ist auch wichtig. Aber sehr oft vertraue ich auch meinem Pferd. Weil es manche Dinge - wie ist der Boden - einfach besser weiß. Wie gesagt,das Beispiel mit meinem Pferd vor dem V-förmigen Graben hat mich gelehrt, dass man sich aus seinem Pferd anvertrauen können muss.
Natürlich muss man konsequent sein. Immerhin müssen die Tiere ja eine Fremdsprache - menschlich - lernen. Wenn ich einmal das sage und einmal was anderes, kann es nicht lernen zu erkennen, was es denn nun bitte soll.
Aber mit dem Wort Führung habe ich darum Probleme, weil es mir zu einseitig ist. Das Pferd soll sich meiner Führung anvertrauen, klar, aber ich möchte mich bitte auch durchaus seiner Führung anvertrauen. In der Halle spielt so was keine Rolle, aber draußen, finde ich, findet gegenseitige Führung, gegenseitiges Vertrauen statt. Arbeitsteilung halt.
Ich mag keine Sklaven. Wir haben bei uns im Stall da ein schönes Beispiel für. (hatten ein Beispiel). Eine Besitzerin arbeitete sehr viel und sehr konsequent mit ihrem Pferd. Das Pferd war auch unglaublich gehorsam. Parelli-Level 3, glaub ich. Es wackelte nicht mal mit dem Ohr, wenn die Besitzerin es nicht wollte. Im Vergleich dazu ist mein Pferd ein verzogenes, disziplinloses Biest. Allerdings...das Pferd wirkte immer freudlos. Und wenn die Eigentümerin kam, konnte man meinen: es kotzt gleicht. Das Pferd tat alles, was sie wollte, aber ohne Glanz in den Augen. Es war eigentlich immer schlecht gelaunt.
Dann verliebte sich die Besitzerin. Seitdem hat sie viel weniger Zeit für ihr Pferd. Sie ist immer noch sehr pflichtbewusst, aber arbeitet nicht mehr soviel mit dem Tier. Meist reitet sie aus und ist dann durch die Tür. Sie hat jetzt auch eine RB, die mit dem Pferd Unterricht nimmt.
Das Pferd ist nun nicht mehr das besterzogene Pferd im Landkreis. Es sagt deutlich: "Du kannst mich mal!", wenn ihm etwas nicht passt. Und seitdem die Rb da ist, traut es sich sogar, nach Leckerlis zu betteln - was früher undenkbar war. Aber das Pferd guckt ganz anders. Viel fröhlicher und gut gelaunt. Und man hat sogar den Eindruck, dass es sein Frauchen mag.
- 30.12.2011, 13:02 #35Farooq
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
hey schroedi,
darum sagte ich ja in meinem satz:
GEGENSEITIGES vertrauen , ist wichtiger als gegenseitiges verstehen! zwinker!
aber: wir meinen schon dass gleiche, denke ich!
gruss. uli
- 01.01.2012, 12:58 #36Schroedemann
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Na ja, man kann einander nur vertrauen, wenn man einander auch versteht, denk ich mal.
Ich bin einmal mit einer ängstlichen Anfängerin ausgeritten. Sie ritt ihren braven Tinker. Sie war wirklich sehr ängstlich und natürlich auch sehr unerfahren im Gelände. Wenn er auch nur mit dem Ohr zuckte, dann meinte sie schon, dass er bestimmt gleich durchgehen würde. Nichts lag ihm ferner, aber sie verstand einfach nicht, seine Körpersprache zu deuten. Bzw. sie interpretierte jede Regung des Pferdes als Angstreaktion und Vorbereitung zum Durchgehen.
Das ist Jahre her. Das Pferd ist recht gut ausgebildet, die Reiterin jetzt auch. Sie kennt nun ihr Pferd und seine Reaktionen und daher vertraut sie ihm nun auch. Und ist - zumindest auf diesem Pferd - auch nicht mehr ängstlich. Verstehen und Vertrauen sind zwei Seiten derselben Münze. Als ich meine Stute neu bekam, musste ich lernen, sie zu verstehen, ihre Reaktionen einzuschätzen, um ihr dann auch vertrauen zu können. Am Anfang unserer Beziehung habe ich, glaub ich, eher mir vertraut als ihr. Denn ich kannte sie ja nicht. Das erste Jahr war denn eigentlich nichts anderes als ein gegenseitiges Kennenlernen.
Ich hatte und habe nie die Illusion gehabt, das Pferd beherrschen zu können. Das Pferd kann noch so kunstvoll geritten sein, beherrschen kann man es nie. Frau v. Grunsven auf ihrem Salinero kann da ein Lied von singen, denk ich mal. Das (arme) Tier ging Grand Prix, aber zur Siegerehrung musste sie zu Fuß gehen. Gegenseitiges Vertrauen war da vermutlich gen Null.
Wie gesagt, ich hatte mal ein Schlüsselerlebnis, als ich mistete und von vier neugierigen und lästigen Gäulen umgeben war. Ich dachte plötzlich: die könnten mich jetzt innerhalb einer Sekunde umbringen.
Sie taten es nicht, aber das war für mich eine wichtige Erfahrung. Gegen ultragehorsame Pferde a la Parelli etc...habe ich ein Vorurteil. Mir ist ein etwas verzogenes und undiszipliniertes Pferd lieber als so ein untergebener Sklave. Ich hab´s lieber, wenn ein Pferd mir freiwillig folgt, weil es mir vertraut und mich vielleicht sogar ganz gern hat, auch wenn es mit den Ohren wackelt und manchmal einen eigenen Kopp hat, als diese Gehorsamsroboter. Wehe, wenn bei denen dann doch mal die Sicherung durchbrennt.....Spartakus lässt grüßen!
- 04.01.2012, 19:15 #37Nessi
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
Man muss vermutlich einfach ein gesundes Mittelmaß finden, das dazu noch auf den Pferdetyp abgestimmt ist, den man vor sich hat. Ich schrieb ja auch, dass das Pferd Charakter zeigen soll und auch darf. Mein kleiner kann mit den Ohren wackeln so viel er will :-)
Ich habe ein sehr rangniedriges Pferd. Für mich ist Konsequenz ein Mittel um Sicherheit zu geben, das Pferd muss mich einschätzen können - es hat nichts mit Unterdrückung zu tun, auch wenn Pferd natürlich nicht tun und lassen darf was es will. Ein zu vorsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten des Besitzers kann da kontraproduktiv sein...
Klar kann man das auch Vertrauen nennen und ich würde zustimmen.
Aber "Vertrauen" klingt oftmals (je nach Kontext) zu sehr nach etwas magischem, etwas, das einfach so geschieht, einfach weil man lieb und nett zu seinem Pferd ist. Nach Wendypferdeträumen. Lieb und nett sein reicht halt in den meisten Fällen nicht aus, man muss sich schon als "würdig" erweisen. Dazu gehören für mich auch klare Grenzen. Deswegen finde ich den Begriff einfach etwas schwammig - im Grunde meinen hier aber wohl alle das gleiche?
Ich vertraue meinem Pferd, durch und durch, und habe auf ihm keine Sorge. Und natürlich passt der bei Ausritten allein auf seine Füße auf... ist selbstständig solange, bis ich die Führung übernehme, soll sie dann aber auch ohne murren abgeben und tut das auch...
Ich finde es einfach auch aus Sicherheitsgründen wichtig, mit meinem Pferd im Vorfeld abgeklärt zu haben, dass die wichtigen Entscheidungen mir obliegen. Das ist auch eine Art von Gehorsamkeit und die finde ich wichtig. Aber eben eine Art von Gehorsamkeit die aus Vertrauen wächst - und dieses Vertrauen, so wie ich es definiere, wiederrum hat sein Ursprung in konsequentem Umgang. Konsequent in dem Sinne, dass man in seinem Verhalten für das Pferd verständlich und lesbar bleibt, Grenzen absteckt und es fair behandelt.
Und worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus? keine Ahnung mehr *lol*
- 04.01.2012, 19:51 #38Osaka
AW: Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
@ Nessi
Ja. Und Verhaltensregeln lernen Pferde auch eben nicht von alleine. Für einige scheint es selbstverständlich zu sein, dass das Pferd weiß das es z.B. still stehen muss. Fohlen wissen das z.B. aber noch nicht und müssen das erst lernen.
Sicherlich treten Konsequenz oder Respekt bei älteren, erzogenen Pferden etwas in den Hintergrund und das Vertrauen gewinnt die Oberhand nach und nach. Indem man viel lobt z.B..
Ein gegenseitiger Respekt, und das hat nichts mit Angst zu tun, sollte aber in einer Pferde- und Menschbeziehung auch vorhanden sein. Das ist doch dann auch die Grundvorraussetzung für das Vertrauen.
Vertrauen - Körpersprache - Merkmale richtig deuten
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