Rai-Reiten

Diskutiere Rai-Reiten im sonstige Reitweisen Forum im Bereich Reiten; Also auf diese Erklärung bin ich auch sehr gespannt. Man sieht und erlebt ja oft die irrwitzigsten Sachen unter dem Deckmäntelchen Dominanzübungen. Muss man dominant ...

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  1. #101
    Muggi

    AW: Rai-Reiten

    Also auf diese Erklärung bin ich auch sehr gespannt.
    Man sieht und erlebt ja oft die irrwitzigsten Sachen unter dem Deckmäntelchen Dominanzübungen.
    Muss man dominant sein- ist es eine Leitstute nein die ist präsent,
    gibt Sicherheit und führt...
    Vielleicht wär gute Bodenarbeit eine Lösung?
    Naja das sieht wohl jeder anders- was auch jedermanns Recht ist.

    Traberliche Grüße vom Muggi


  2. #102
    Lasiddhartha

    AW: Rai-Reiten

    Hallo PA,

    zum Rai-Sitz: Es gibt da auch unterschiedliche Sitzweisen. Wenn man Fred Rai beobachtet, so ist sein Körper fast auf einer geraden Linie (kuck mal bei YouTube). In leichter Schräglage nach hinten zwar, aber in sich gerade. Ich sehe aber viele Rai-Reiter, die im Stuhlsitz sitzen. Und das ist dann nicht schön, und soll eigentlich auch nicht so sein. Der Bügel sollte eigentlich, so wie beim Westernreiten auch, ziemlich lang sein. Ich habe aber auch meine Probleme damit, weil ich dann die Spannung in den Fersen nicht halten kann. Aber ich reite ja nicht mehr Rai.

    Zu den Dominanzübungen:
    1. Da gibt es einmal die Dominanzvolten, sowohl vom Boden aus, als auch im Sattel. Man führt/ reitet das Pferd auf enge Volten, mehrere pro Richtung, dann Richtungswechsel. Nicht nur schlurfen lassen, sondern drauf achten, dass das Tier die Beine überkreuzt, also richtig ausweicht. Wie ich schon erwähnte, soll das dem Pferd signalisieren, dass es dem ranghöheren Menschen auszweichen hat.

    2. Die Dominanzübungen, auch möglich in Kombination mit den Volten:
    Da nehme ich mir jetzt gleich mal eine Kopie zur Hilfe, die ich mir aus einem der Rai-Bücher (dürfte "Werde zum Leittier deines Pferdes", ein Bodenarbeitsbuch, gewesen sein) rauskopiert habe:
    Ein rangniedrigeres Tier wünscht sich Geborgenheit und Sicherheit vom ranghöheren Tier. Ihm wird es auch freiwillig folgen. Wir als Menschen wollen dem Pferd genau jenes vermitteln, gleichzeitig aber das Pferd in die Schranken weisen, wenn es versucht, sich "aufzulehnen". Die Übung besteht aus mehreren Teilen:
    a) Fred Rai schreibt, dass man das Pferd, das man in dieser Übung am halblangen Zügel/ Strick hinter sich führt, gar nicht beachten soll. Das tut ein Leittier auch nicht. Mit dem Pferd soll man ruhig auch Volten gehen, weil es dann dem Menschen auch gegen seinen Willen folgen muss. (Er redet in dem Fall allerdings von Voltendurchmessern von 4 m.) Die Volten dienen auch der Konzentration des Pferdes.
    b) Drohgebärde: Laut Fred Rai ist die einzige Drohgebärde, die der Mensch überzeugend genug nachmachen kann, das Drohen mit der Hinterhand (im Menschenfall der Rücken und die Schultern). Aus diesem Grund sollte man sich während der Übung auch keinesfalls umdrehen (ich weiß, das ist schwer, wenn man ein rebellisches Tier hinter sich hat), weil man sonst den Trumpf "gefährliche Hinterhand" verliert und sich mit dem Pferd auf eine Stufe - Zähne gegen Zähne - stellt.
    Wenn ich ein paar Volten geführt habe, führe ich das Pferd ein Stück gerade Strecke und richte es gerade. Dann bleibe ich stehen; je besser das Pferd reagiert, desto abrupter kann man das machen. Das Pferd sollte dann auch sofort stehen bleiben; wenn es weiter rennt, in dich rein, hat es keinen Respekt oder ist zumindest unkonzentriert. Das sollte man nicht durchgehen lassen, weil es ja auch gefährlich ist, sich von einer halben Tonne überrennen zu lassen.
    Die eigentlich Drohgebärde: Die Zügel/ den Strick nehme ich so kurz, dass das Pferd mit dem Kopf hinter meinem Rücken ist. Dazu darf man sich auch Zeit nehmen, denn es dient dazu, dass das Pferd sich in der "Gefahrenzone" befindet und damit die Übung ernst nimmt. Ich gehe dann forschen Schrittes nach hinten und fordere das Pferd damit auf, mir auszuweichen. Tut es das, muss ich mit den Zügeln sofort nachgeben, also mir die Zügel aus der Hand ziehen lassen, damit das Tier nicht mit Festhalten der Zügel bestraft wird.
    Falls das Zurücktreten nichts fruchtet, wird der Ungehorsam mit dem "Ausschlagen der Hinterbeine" bestraft. Der Mensch ahmt das nach durch ein (Zitat) "plötzliches Zucken [der] Schultern bei gleichzeitigem Zurückreißen [der] abgewinkelten Arme und energischem Zurückwerfen [des] Kopfes". Je schlechter das Pferd reagiert, desto heftiger muss die Bewegung sein. Später sollte man das alles wieder reduzieren. Sowohl die Intensität der Bewegungen als auch die Häufigkeit der Übung an sich.
    Dieses Zucken soll dem Pferd das Zucken der Kruppe durch die ausschlagenden Hinterbeine signalisieren und dadurch den Reflex des Ausweichens auslösen.
    Es kann sein, dass das Pferd erstmal seinen Kopf hochreißt, um die empfindlichen Zähne in Sicherheit zu bringen. Ziel sollte aber sein, dass es nach hinten ausweicht, also rückwärts geht.
    Ich habe manchmal die Drohung noch wahr gemacht, indem ich wirklich ausgetreten habe. Das sollte man natürlich möglichst sanft machen, da man ja seinem Pferd nicht ernsthaft weh tun will und selbst ein leichter Tritt gegen's Bein schon ganz schön unangenehm ist, wie wir ja selber wissen. Das Austreten ist eigentlich auch nicht Teil der Übung, aber bei meinem Pony effektiv. Das Pferd lernt dadurch schnell, dass es besser zurückweicht.

    Wenn das Pferd dann soweit ist, dass es bereitwillig zurückweicht, wenn der Mensch rückwärts tritt und folglich gar keine Drohgebärde mehr nötig ist, dann hat man erreicht, was man wollte. Das Pferd bleibt freiwillig hinter seinem Menschen, fühlt sich geborgen und rempelt den Menschen nicht an oder bedroht ihn gar. Die Übung klingt jetzt vermutlich ziemlich brutal, aber man imitiert, wenn man es recht bedenkt, ja nur die Umgehensweise der Pferdeherde miteinander, die ja auch gerne mal ruppig ist. Und sobald das Pferd kapiert, dass ein Nichtausweichen geahndet wird, so wie das Pferde eben tun, und entsprechend reagiert, lässt man die Drohgebärde und veranlasst das Pferd nur noch zum Rückwärtstreten. Die Übung bis zum Rückwärtstreten kommt jedes Mal in der Dominanzübung vor. Das "Kruppezucken" ist optional.

    Unsere hat manchmal immer noch Ausraster, wo ihr etwas nicht passt und sie das dann überdeutlich zeigt - junge Ponystute eben. Aber die vielen Spaziergänge in Kombination mit diesen Übungen haben dafür gesorgt, dass sie erstens beim Führen brav hinter uns bleibt (ganz am Anfang war das schwierig) und zweitens sich auch in Angstsituationen hinter uns "versteckt" und wir sie dann daran vorbei führen können.
    Die Dominanz am Boden ist bei uns auch besser gegeben als im Sattel. Im Sattel versucht sie immer wieder mal, ihren Willen durchzusetzen, z.B. wenn sie bei einem Ausritt am liebsten zum Stall zurückwill. Führt man sie am Strick vom Boden aus, geht das astrein. Und wenn ich in einer für sie Angst auslösenden Situation zu unsicher bin, steige ich ab, führe sie, und der "Kaas ist gegessen", wie man bei uns sagt. Da fühlt sich sich spürbar sicherer, hinter dem Menschen.

    So funktionieren also die Dominanzübungen. Mensch, ich habe mal wieder einen Roman geschrieben. Aber wenigstens seid ihr jetzt im Bilde, wie das gedacht ist, und könnt es gegebenfalls ausprobieren. Klingt jetzt ganz schön kompliziert, aber wenn man das live ankuckt, ist es gar nicht so schwer zu verstehen. Ich musste halt viel drumrum schreiben, um die Zusammenhänge zu erläutern.
    Bei uns hat das gut funktioniert. Irgendwie muss man einem dominanten, selbstbewussten Tier ja beikommen. Wir und sie haben in der bisherigen gemeinsamen Zeit eine Menge gelernt, und die Dominanzübungen haben sicher auch ihren Teil zur sicheren Zusammenarbeit beigetragen.

    Ob man das dann letzten Endes als Dominanz bezeichnet, oder vielmehr davon redet, dass man sich Respekt verschafft (auch zur eigenen Sicherheit) und dem Tier Geborgenheit und ein sicheres Gefühl vermittelt, ist wohl Geschmackssache.

    Und ja, unser Pony arbeitet immer noch bereitwillig und gerne mit uns zusammen, trotz der etwas rabiat anmutenden Übungen ;) Und ganz hat sie ihre Frechheit auch nicht verloren.

  3. #103
    PAweide

    AW: Rai-Reiten

    Danke für die ausgiebige Antwort
    Dieses Zeigen des Rückens als Drohgebärde ...ist für uns nichts Neues, wird besonders im Umgang mit unserer sehr dominanten 800kg Kaltblutstute oft angewandt, mit Erfolg.
    Das zeigt mir, das nicht die eigentliche RAI- Ausbildung unseres Kleinen schuld an seinem allgemeinen Verhalten ist, sondern wohl eher der Umgang seiner Vorbesitzer mit ihm oder deren Interpretation von Dominanz. Wir haben auch schon den Kommentar gehört, er würde sich wie das Pferd eines Säufers verhalten.
    Aber wir machen ja langsam Fortschritte, das unkontrollierte zur Seite Ausweichen wird mit jedem Tag weniger, insgesamt ist er viel umgänglicher, lässt sich jetzt auch am ganzen Körper voller Genuss kraulen...

  4. #104
    Lasiddhartha

    AW: Rai-Reiten

    Wer weiß, was er vorher erlebt hat, das kann einem das Pferd ja gar nicht sagen.

    Was meinen die mit dem Pferd eines Säufers?

    Irgendwie ist es ja auch schön, wenn man seinem Tier die Fortschritte ansieht, auch wenn die Ausgangssituation nicht so prickelnd war. Dann erst recht. Unsere ist eigentlich eine von Grund auf recht gut erzogene und an viele Dinge bereits gewöhnte Stute, aber sie und wir lernen trotzdem noch eine ganze Menge voneinander, und da ist es immer wieder interessant, mit dem Ausbildungsstand der Vergangenheit zu vergleichen und Bilanz zu ziehen.

  5. #105
    PAweide

    AW: Rai-Reiten

    Zitat Zitat von Lasiddhartha Beitrag anzeigen
    Wer weiß, was er vorher erlebt hat, das kann einem das Pferd ja gar nicht sagen.

    Was meinen die mit dem Pferd eines Säufers?

    Irgendwie ist es ja auch schön, wenn man seinem Tier die Fortschritte ansieht, auch wenn die Ausgangssituation nicht so prickelnd war. Dann erst recht. Unsere ist eigentlich eine von Grund auf recht gut erzogene und an viele Dinge bereits gewöhnte Stute, aber sie und wir lernen trotzdem noch eine ganze Menge voneinander, und da ist es immer wieder interessant, mit dem Ausbildungsstand der Vergangenheit zu vergleichen und Bilanz zu ziehen.
    Mit "mit Pferd eines Säufers " meinten die wohl , das ein ständig Betrunkener Mensch doch irgendwie dazu neigt äußerst unberechenbar zu sein , und auch inkonsequent.

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