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Anfänger-Reitunterricht

Diskutiere Anfänger-Reitunterricht im Allgemein Forum; Angeregt durch einen Steckbrief stelle ich mir die Frage, wie Anfängerunterricht heute noch aussehen kann und darf. Schulpferde, die mehrere...

  1. Delora

    Delora Inaktiver Nutzer

    Angeregt durch einen Steckbrief stelle ich mir die Frage, wie Anfängerunterricht heute noch aussehen kann und darf.

    Schulpferde, die mehrere Stunden oder gar täglich Anfänger ertragen müssen, sind angeblich sehr schnell verritten.

    Nur wenige Stunden in der Woche oder sogar nur einmal in der Woche wäre für das Pferd ideal, aber bei nur einmal wöchentlich Reiten lernt der Reitschüler es angeblich auch niemals, kommt also nie vorwärts.

    Dann noch die Frage der Finanzierung. Eine Reitstunde muss sich für denjenigen rentieren, der sie gibt. Wenn (wie bei den meisten Anfängern) kein Pferd beim Schüler vorhanden ist, muss vom Reitlehrer eines gestellt werden. Bei einmal wöchentlich macht es nur rote Zahlen, bei 10 Mal wöchentlich könnte es schon besser aussehen, aber wirtschaftlich wird es wohl eher darüber hinaus.

    Nur ein Schulpferd allein ist auch meist schwierig, denn:
    Ein Reitschüler sollte auf unterschiedlichen Pferden reiten lernen, um es richtig zu lernen. Zudem kann es auch immer mal ausfallen oder man möchte mehr als einem Schüler das Reiten beibringen.
    Ein Pferd sollte aber wiederum nicht ständig wechselnde Reiter haben müssen.

    Also ideal für das Pferd wäre mit Sicherheit: Nur fortgeschrittene Reiter, am besten einen festen Reiter als Bezugsperson und vielleicht noch einen korrigierenden Bereiter oder guten Reiter zusätzlich, der die Schwächen des Hauptreiters korrigiert und kompensiert.

    Ideal für den Reitschüler wären verschiedene, brave Pferde, die ihm mehrmals die Woche zur Verfügung stehen würden und dazu ein Reitlehrer, der ihn anleitet und ein guter Reiter (oder eben der Reitlehrer selbst), der das Pferd dazwischen immer wieder Korrekturreitet.

    Wenn ich diese beiden Ideale verbinde, ist Reitunterricht in diesem Rahmen wohl kaum noch finanzierbar.
    Angenommen der Schüler reitet mehrmals die Woche, immer andere Pferde, die ansonsten vom guten Reiter geritten und korrigiert werden, so dass kein Pferd mehr als einmal die Woche unter dem Schüler gehen muss. Dann wäre das pro Reitanfänger ein Kontingent von mindestens 3-4 Pferden, die für ihn gehalten werden müssten.

    Eine Ideale Gruppenreitstunde besteht aus maximal 3-4 Reitern, am besten ist jedoch Einzelunterricht oder Zweiergruppen. Mit dem Beritt der anderen Pferde, die an den Tagen nicht unter dem Schüler gehen, dürfte man pro Tag vielleicht zwei Anfängerstunden abhalten können. Gehen wir hier vom Ideal aus, hat man zwei bis vier Schüler am Tag.

    Also hat man zwei bis vier Anfänger am Tag, das sind dann bei 6 Tagen Unterricht 12-24 Reitstunden. Da jedes Pferd nur ein- oder zweimal in der Woche unter einem Anfänger laufen soll, müsste ein Kontingent von etwa 12-24 anfängertauglichen Schulpferden, die finanziert, geritten und versorgt werden müssen, bereitstehen. Schon sind wir nicht mehr beim Einmannbetrieb, aber die Einnahmen würden selbst bei 50 Euro pro Reitstunde nicht hoch genug sein. Da jeder Schüler 3-4 Mal die Woche reitet, sind es insgesamt nur 6 Anfänger, die aber im Monat 650 Euro bezahlen müssen. Für jeden Anfänger sehr teuer, aber insgesamt wären es nur Einnahmen von 3.900 Euro für täglichen mehrstündingen Korrekturberitt, Reitunterricht, Pferdeversorgung, Versicherungen, Ausrüstung etc. Davon kann ich weder 12 noch 24 Schulpferde finanzieren.

    Nehme ich jetzt die Anzahl der typischen Teenager und Kinder, die mit dem Reiten anfangen wollen, dann frage ich mich, wie viele Reiterhöfe es wohl geben muss, damit diese in den Genuss von gutem Reitunterricht kommen wollen, wobei die Anzahl der Fläche, die Ausbildung der Reitlehrer, das Pferdematierial auch irgendwo begrenzt ist und nicht beliebig zur Verfügung gestellt werden kann.

    Wie kann man also den Reitern eine gute Basis als Anfänger bieten, ohne pleite zu gehen oder Pferde auszubeuten?

    Ist es verwerflich und moralisch fragwürdig, wenn man auf einem normalen Reiterhof reiten gelernt hat, auf dem es eben nicht perfekt war? Kann man den Kindern vorwerfen, wenn sie nicht so viel Geld für ein Hobby ausgeben können und wollen und sie daher den normalen Schulbetrieb nehmen müssen?

    Ist es so viel besser, autodaktisch auf Nachbars Pony sich alles selbst beizubringen, nur weil das Pony nicht Tag für Tag im Kreis durch die Halle geschrubbt wird?

    Ich bin grade moralisch etwas überfragt. Meine Nichte ist jetzt 5 und würde bald gerne Reiten lernen, aber ich kann ihr beim besten Willen nicht raten, wie oder wo.
     
  2. Lorelai

    Lorelai Chaos-Trulla

    Ich finde es nicht verwerflich, auf so normalen Höfen zu lernen. So hat wohl fast jeder von uns irgendwann mal angefangen. Solange die schulpferde einigermaßen gut gehalten werden und gut versorgt und gepflegt werden, finde ich persönlich das schon okay.
    Der Verein, in dem ich gelernt habe, ist so ein ganz normaler, wie man ihn sich vorstellt. Gruppenstunden auf schulpferdem, die brav ihre kreise ziehen. Bei Anfängern ausgebunden, bei den fortgeschrittenen nicht, Turnier mit schuli möglich usw.

    So für den Anfang und den Feinschliff finde ich das ganz okay.

    Wirklich reiten gelernt hab ich auf Nachbars Pony, denke ich. Wir sind da stundenlang täglich durch Wald und wiese geritten, allein davon wird der Sitz schon so, dass es für pferd und Reiter bequem wird. Weil wenn man da 5 Stunden am Stück drauf hockt jeden tag, gewöhnt man sich krampfiges sitzen zb sehr schnell ab.
    Und das ist nicht deswegen besser zum lernen, weil Nachbars Pony nicht stundenlang geschrubbt wird, sondern weil man alleine (!) für sich mit dem Pferd einfach machen und wursteln kann. Man merkt dann ja, was funktioniert und was eben nicht, ohne dass man versucht, sich an irgendwelche Anweisungen oder ideale zu halten.
    Ich wusste zb ewig nicht, dass ein Pferd am zügel gehen soll, oder den Kopf runter nehmen oder so Zeugs. Das war uns völlig unwichtig, wir hatten da nie davon gehört. Wir haben nur gelenkt und gebremst und sind oben geblieben. Sozusagen. Da reitet man anders.
    Zügelunabhängig war auch wichtig, wollten wir doch essen und trinken können auf dem Pferd. Oder Hausaufgaben machen, wenns sein musste.
    Und hat man was falsch gemacht, dann hat das liebe Pony einen halt ins nächste Gebüsch befördert. Die waren da nicht so zimperlich mit uns wie ein rl es hätte sein können. ;)

    War ne schöne zeit. Und hätte ich Kinder, ich würde wollen, dass auch die genau so reiten lernen können.
     
    Kigali, Lafayette und Josy gefällt das.
  3. Charda

    Charda Profi Vollpfosten

    Ich hab ja nicht viele Kinder. Aber die die ich hab, kommen gerne. Auch Erwachsene Fühlen sich gut aufgehoben und generell muss ich mehr Leuten absagen als "werben"

    Für mich ist wichtig, dass sich beide Parteien wohl fühlen. Die Pferde was davon haben und locker gehen und die Schüler ein Gefühl bekommen. Klar, geht das nicht von heute auf morgen. Das braucht feeling, Zeit und Geduld.

    Am Liebsten ist es mir bei Kindern immernoch ohne Sattel mit Pad zu lernen. An der Longe, versteht sich und danach einfach noch ein wenig Spaß haben am Freien Reiten.

    Der Person entsprechend arbeiten. Nicht dem Kopf entsprechend von mir. Nicht jeder wird der Spitzen Reiter. Manche wollen nur Spaß und Freude am Pferd und mit dem Pferd. Da muss man die Menschen einfach abholen. Man kann vlt auch nur eine Zeit begleiten und muss danach so fair sein, und den Weg vlt auch wieder trennen. :bahnhof:

    Immer so lange wie es etwas nutzt und man behilflich sein kann. Ich versuche meine "Kommandos" in Bildern verständlich zu sagen ohne dabei durch die Blume zu sein. Denn das bin ich nicht. Bei mir kann durchaus der Satz fallen: Absatz tief. Weil das einfacher um zu setzen ist als: Bein aus der Hüfte fallen lassen und weich mit dem Absatz federn.

    Ich vermische meinen Alten RL mit meinem Stil. Denke ich. Und das kommt glaube ich nicht schlecht an. Man braucht einfach ein wenig eigenes Gefühl und Gefühl dafür, wie die Menschen Ticken.
    Beispiel meine Reitschülerin C. Erwachsene Frau. Körperlegasteniker :lol: Sie hat einfach nicht im gefühl was ihr Körper tut. Also muss ich ihr Dinge anders erklären. Will ich, dass sie den inneren Gesäßknochen mehr Belastet muss ich sie austricksen in dem ich zum Beispiel sage, sie soll über die Innere Schulter nach hinten schauen usw.

    Anderes Beispiel S. S hat eine unglaublich hohe Körperspannung. Ihr nutzt es nix, wenn ich sag: Sitz locker. Sie ist locker für sich. Aber viel zu Angespannt, wenn ich ihr aber erklär sie soll beim reiten an ihren Sommerurlaub und den Cocktail denken, gehts gleich besser.

    Die Kids brauchen Bilder im Kopf. K braucht mich zum Abgucken usw usw. Jeden da abholen wo ers braucht. Einzel bis max zweier Unterricht. Lieber zwei mal ne halbe Std in der Woche als in der Abteilung ne Ganze usw.
     
    Alean und Barrie gefällt das.
  4. Butterblume :))

    Butterblume :)) Inserent

    Ich glaube tatsächlich es ist am besten privat reiten zu lernen.
    Dh praktisch eine RB zu haben als Anfänger und damit Unterricht zu nehmen (was natürlich wahnsinnig schwer zu finden ist). Oder eben Nachbars Pony. Oder eine halbwegs vernünftige Reitschule.

    Ich schildere mal kurz wie das bei uns ist.
    Die Schulpferde Stehen nachts in der Box und Tags von 8-14 Uhr auf einem Paddock in der Herde. Um 14 Uhr geht es rein zum fressen, zwischen 14.30 und 15 Uhr kommen die Schüler. Vormittags gibt es erwachsenen stunden und einzelstunden.
    Die Schulpferde haben individuell angepasst Sättel und Trensen und sind in Privatbesitz (also kein Verein ).
    Die meisten gehen 2 mal am Tag einige auch 3 mal (meistens einmal morgens und zweimal nachmittags dann).
    Korrekturreiten und Ausbilden tun die Mitatbeiter.
    Pferde die zu alt/zu krank wurden, aber noch schmerzfrei Leben konnten wurden noch nie geschlachtet oder unwissentlich weiterverkauft. Einer wurde weiterverkauft, ist aber im Stall geblieben (und wird das auh den Rest seines Lebens) und die anderen sind/waren Rentner bis an ihr Ende.
    Die Gruppenreitstunde (5 Reiter) kostet dabei aber auch 25€.
    Ich finde das ist ein guter Kompromiss so. Klar haben die Pferde auch ständig wechselnd Reiter. Aber ich denke für Schulpferde ist das ein guter Kompromiss so.
    Ich habe dort auch viel mitgenommen an reiterlichem können und dieser Stall war auch der Grund wieso meine Mutter mich da hat anfangen lassen. Weil ihr die Haltung etc der Pferde wichtig war. Und viele Mütter meiner Reitschüler achten auch auf so etwas und legen dann auch lieber etwas mehr hin für den Unterricht.
     
     
  5. ManicPreacher

    ManicPreacher Gelebte Chaostheorie

    Irgendwie hinkt deine Rechnung.
    Kennst du einen Betrieb der sich wirklich nur über Schulpferdunterricht finanziert?

    Ich nicht....

    Klassisch wird doch im Reitverein gelernt.
    Das heisst es findet Unterricht für Private Reiter statt, für Schüler auf Schulpferden, es sind Privatpferde eingestellt.
    Diese ganzen Ponyhöfe wie Junkern Beel finanzieren sich als Handelsställe mit.
     
  6. Lorelai

    Lorelai Chaos-Trulla

    Hier gibt's so einen. Nur schulpferde, keine einsteller, kein sonstwas. Nur Reitunterricht auf diesen schulpferden. Plus die Möglichkeit, kleine ponys auszuleihen, so dass die Eltern ihre Kinder damit ne Stunde durch die pampa führen können, oder sich mal n Pferd für nen Ausritt auszuleihen und sowas.

    Aber sonst machen die nix weiter. Läuft aber auch nicht so gut der laden, glaub ich.
     
  7. Schogetta

    Schogetta Bekanntes Mitglied

    Das hört sich jetzt an, als ob Du und Charda Reitlehrerinnen seid.
    Ich gebe auch immer mal wieder Anfängern Reitunterricht und wollte eigentlich letztes Jahr mal den Trainerassistenten Reiten machen, leider kam rechtzeitig ein Bänderriß dazwischen.
    Diese Jahr fande ich keinen passenden Kurs.
    Mich würde aber mal interessieren, wie ihr das wo macht. Gibt es da irgendwo schon ein Thema?
    Äh, da war jemand schneller. Mit "DU" meinte ich Butterblume :mx10:
     
  8. Delora

    Delora Inaktiver Nutzer

    Naja, die Rechnung so ist ja auch eine fiktive. Wenn man wirklich den Anspruch hat, dass das Pferd auf dem Betrieb nur einmal die Woche höchstens unter einem Anfänger geht, weil es sonst vor die Hunde geht und auch dann nicht einfach stur in der Bahn im Gruppenunterricht, sondern pferdefreundlichem Einzel- oder Doppelunterricht gehen soll, der Reitschüler aber auch bitte mehrmals die Woche kommen soll, weil er das Reiten sonst nicht lernt, dann weiß ich nicht, wie man das umsetzen soll.

    Also wenn ich diese Ansprüche hätte und eben einen einzigen Reitschüler hätte, der dreimal die Woche oder sogar viermal kommen möchte, ich aber nicht will, dass mein Pferd öfter als einmal in der Woche unter einem Anfänger geht und aber im Gleichzug möchte, dass der Reitschüler drei- bis viermal die Woche reitet, um Fortschritte zu machen, dann müsste ich nach der Rechnung diesem Anfänger schon vier Pferde die Woche zur Verfügung stellen. Das KANN niemals klappen, oder? Wie soll man das finanzieren?
     
  9. Butterblume :))

    Butterblume :)) Inserent

    Jein. Als ich noch Schülerin war (also in der schule) habe ich das Aushilfsmäßig gemacht. Sprich: wenn einer krank ist, kinderkurse in dem ferien, volti am Wochenende usw.
    Seit September ist jedoch eine rl ausgefallen und bis Ersatz da ist mache ich das regelmäßig.
    Oh und was den Trainerassistenten betrifft: spar dir das!
    Ich hab den mit 16 gemacht weil ich der Trainer C schon früher machen wollte. Hat sich dann irgendwie aber nicht mehr ergeben mit Abi etc und mittlerweile hab ich kein Interesse mehr daran... Ich will einen anderen Schein :biggrin:

    Edit: ich werde privat weiter unterrichten. Eine Schülerin hat jetzt ein Pferd und ich soll ihr dann einzelstunden auf dem geben. Es ergeben sich schon Sachen so....
     
  10. Schogetta

    Schogetta Bekanntes Mitglied

    Naja, ich habe mal vor Jahren das damalige DLA IV gemacht, damit ich beim Volti (meine Tochter war dabei) mal aushelfen darf. War damals Pflicht. Vor 6 Jahren ist unsere Volti-Trainerin gegangen wurden und seit da machen das meine Tochter und ich. Letztes Jahr haben wir nach dem LA4 und Trainerassistenten Voltigieren den Trainer C gemacht. Hat sich also doch gelohnt, der erste Schritt :astrein:
     
Thema: Anfänger-Reitunterricht