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Der Lieschen Müller-Plauderthread

Diskutiere Der Lieschen Müller-Plauderthread im Allgemein Forum; Ich beziehe mich jetzt nochmal auf das Ausgangspost. Diese Art Pferde kenne ich zu gut. Ich hatte auch schon einige dieser Sorte unter dem...

  1. Melli130

    Melli130 Fuchsfurminator

    Ich beziehe mich jetzt nochmal auf das Ausgangspost.
    Diese Art Pferde kenne ich zu gut. Ich hatte auch schon einige dieser Sorte unter dem Hintern.
    Bei meinem eigenen (mittlerweile Rentner) lag das Rennen an meiner Hand, die nicht weich genug mitging. Lag also nur an mir, er wurde ein wunderbares, tolles Reitpferd, als ich lernte, ihn richtig und sanft zu "bedienen".
    Seit er in Rente ist, reite ich eine hoch im Blut stehende Stute mit, mehrmals die Woche, seit 4 Jahren. Ein paar Beiträge zu unseren Problemen findet man sicher.
    Sie ist erst mit 10 angeritten und dann von mir weitergebildet worden. Ich reite zwar schon von Kindesbein an, diese Stute ist aber die erste, die ich wirklich ernsthaft selber weiter ausbilden durfte.
    Wir haben wirklich viele Höhen und Tiefen hinter uns. Sie ist ähnlich wie du das Pferd im Ausgangspost beschreibst. Sie rannte mir allerdings zwischendurch richtig unter dem Hintern weg. Und was tat ich? Regte mich auf und wurde auch wieder unfeiner in der Hand. Solche Pferde begünstigen es ja leider sehr, handlastiger zu reiten, wenn sie ihren Spleen bekommen.
    Lange haben wir mal mehr mal weniger gute Phasen gehabt. Dann wechselte ich die RL. Meine alte ist auch super, hat mir mit meinem mega weiter geholfen. Aber unsere andere RL legt Wert auf andere Sachen. Von Anfang an erkannte sie folgende Probleme bei uns:
    1. Pferd findet was, um sich aufzuregen
    2. Ich rege mich auf, innerlich, manchmal auch äußerlich
    3. Pferd merkt meine Aufregung und regt sich noch mehr auf
    4. Pferd wird vorne fest
    5. Durch das mehr auf der Hand und das schneller werden komme ich auf die Oberschenkel und meine Hand wird härter
    6. Pferd macht sich richtig fest und der "Marsch" geht los

    Ich habe noch heute das Problem, dass ich bei so richtig starken Pferden falsch zum Sitzen komme und dann fest in der Hand werde.
    Aber es wird deutlich besser.
    Was uns allerdings am meisten geholfen hat, war der Unterricht meiner RL. Sie hat mir jedes Mal gesagt, ich wäre nun "Schuld", weil ich mich aufrege und so den Teufelskreis beginne. Sie hat vollkommen Recht. Immer und immer wieder hat sie mich aus diesen Aufregersituationen rausgeholt. Entweder durch Ablenkung oder durch klare Worte a lá "Reg dich nicht auf, das macht es doch nur schlimmer!"

    Es war ein langer Weg, den ich ohne Hilfe von außen vielleicht nicht geschafft hätte. Aber die Hilfe von außen war der ausschlaggebende Punkt. Nur dadurch habe ich gelernt, auch innerlich gelassen zu bleiben.

    LG Melli
     
  2. Canada

    Canada Aktives Mitglied

    Das ist eine sehr nachvollziehbare und gut beschriebene Situationsbeschreibung von Melli. Genau diesen eigenen Angstzustand habe ich so oft bei Reitern gesehen, und, da es sich zumeist um relativ junge bis mittelalte Reiterinnen handelte, die sich mir bei einem Ausritt angeschlossen hatten, immer wieder versucht, diese auf die Ursache der Nervositaet ihrer Pferde hinzuweisen. Aber selbst, wenn die Reiterinnen (es gibt, oder zumindest, gab, ja kaum Maenner im Freizeitreiterbereich) das selbst erkannten, war die Mehrzahl nicht in der Lage, ihre eigene Unsicherheit in Faellen ausserhalb der Routine (abgelegene Strecke, keinerlei Ablenkung fuer Pferd und Reiter etc.) zu unterdruecken. Es war wie eine sich selbst erfuellende Prophezeiung: in der Entfernung ankommender Traktor auf dem Feldweg, Pferd nimmt den Kopf hoch, Reiterin zieht schon an den Zuegeln und verkrampft, Pferd beginnt entweder zu taenzeln oder bleibt stehen und versteift sich. Haeufig loeste sich die Anspannung bei Pferd und Reiter dann erst 30 m weiter rechts vom Feldweg im Acker, nachdem der Traktor schon lange das Weite gesucht hatte.

    Seinerzeit verfestigte sich in mir die Auffassung, dass solche Reiterinnen mit falschen Voraussetzungen an's Pferd kamen: "ich liebe Pferde, ich moechte reiten. Ich bin gut zu meinem Tier, dann ist es auch gut zu mir." Dazu die uebertrieben positive persoenliche Einschaetzung der eigenen Talente, sowohl, physisch als auch psychisch.

    Ich habe schon hier im Forum beschrieben, dass mein Streitross "Wotan" mit seinen 750 kg Kampfgewicht von einem Leichtgewicht von 50 kg geritten wurde, bevor ich ihn ihr abkaufte. Dieses match passte ueberhaupt nicht, denn zusaetzlich zum koerperlichen Nachteil kam auch noch fehlende natuerliche Autoritaet und Durchsetzungsvermoegen. Und nicht, dass diese Bekannte nicht grundsaetzlich ausreichende Reitfaehigkeiten gehabt haette: zusammen mit ihrem Mann hatten die beiden noch 2 Friesen, mit denen sie auch im Sattel gut umgehen konnte, sie allerdings nicht im Gelaende ritt.

    Erfahrene Pferde sind (ja, ich weiss, die beruehmten Ausnahmen !) sind zwangslaeufig keine Jungspunde mehr, den Erfahrung kommt durch Konfrontation mit vielen verschiedenen Situation im Laufe eines Lebens. Ein echtes Cowboypferd (Arbeitspferd) macht ueblicherweise in einer vergleichbaren Zeitspanne erheblich mehr Erfahrung (und andere) als ein mehr oder weniger verzaerteltes Warmblut im Spring- oder Dressursport und ist daher grundsaetzlich abgeklaerter und wesentlich stressresistenter. Ein Blick auf den Trailerparklatz bei Turnieren und den Warmreiteplatz wird diese Auffassung bestaetigen.

    Und wenn man sich dann, insbes. in den unteren Klassen der Dressurreiter, anschaut, wie versteift diese auf ihren zumeist hoeherklassigen Pferden hocken, und hoffen, dass diese nicht jeden Moment explodieren, dann darf man sich nicht wundern, dass die Aengstlichkeit der Reiter die Pferde infiziert.

    Interessant war es, zu beobachten, wenn eine Reiterin, selbst nicht die Nervenstaerkste, auf einem Pferd sass, dass, bevor diese es erwarb und ritt, zuvor von einer selbstsicheren und erfahrenen Person geritten und mit vielen sog. "Gefahrensituationen", natuerlich auch im Gelaende, vertraut gemacht worden war. Solch ein Pferd hatte dann, im Gegensatz zum aktuellen Reiter, die noetige Gelassenheit, um dem Stoerfaktor im Sattel nach einigen solchen Ereignissen seinerseits Sicherheit zu vermitteln, was auf lange Sicht beiden zugute kam, denn durch den Aufbau derselben wurden dann reziprok in auch dem Pferd unbekannten Lagen keine negativen Reitersignale gesendet. Davon profitierten dann beide.

    Im Falle von Widerspruechen zu meiner Aussage gilt die "Salvatorische Klausel". :biggrin:
     
  3. Amisia

    Amisia Bekanntes Mitglied

    Dass ängstliche, unsichere Reiter das Pferd selbst verunsichern, wodurch ein Teufelskreis entsteht, ist sicherlich Fakt. Leider ist es aber so, dass sich so etwas in der Situation dann tatsächlich nicht einfach "abschalten" lässt, sondern dass die Betroffenen erst einmal viel Übung mit abgeklärten Pferden bräuchten, bis sie souverän mit entsprechenden Situationen umgehen können.
    Trotzdem behaupte ich aber, dass der Reiter nicht alles ist, sondern dass es bei den Pferden sowohl individuelle Unterschiede gibt, als auch welche, die durch unterschiedliche Zuchtziele und Verwendungszwecke bedingt sind. Bei den modernen Sportwarmblütern wird ja das Sensible/Elektrisch/Spektakuläre ganz gezielt züchterisch angestrebt, während es bei den Gebrauchsrassen darum ging, Pferde zu haben, die alltagstauglich sind und auch dann zuverlässig ihren Job machen, wenn der Reiter nebenher noch mit anderen Dingen beschäftigt ist und vielleicht auch kein Reitmeister ist.
     
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  4. Canada

    Canada Aktives Mitglied

    .... deshalb schrieb ich

    Eigentlich hatte ich erwartet, dass mein post stark kritisiert wuerde (warum auch immer, kommt vielleicht auch noch), aber es freut mich, dass Du die Angelegenheit offensichtlich genau wie ich ansiehst. Das staerkt doch mein schwaechliches Ego immens ! :applaus:
     
  5. Amisia

    Amisia Bekanntes Mitglied

    Ich denke, diese Problematik ist allgemein in Reiterkreisen als solche anerkannt. Ich würde höchstens in Frage stellen, ob es da wirklich um zu viel Selbstvertrauen und Glaube an die eigenen Fähigkeiten geht, oder nicht doch eher um zu wenig. Wobei man das natürlich bei den Leuten, die sich trotz eher schwacher Reitkenntnisse ein junges Pferd kaufen schon so interpretieren kann.
     
  6. Farooq

    Farooq Erbsianerin

    Ich möchte ...ich gehe wieder vom Hund aus...dass der mit geht! Nix gaffdn, nix glotzen! Und so handhaben wir es bei unsere ponys! Ich finde es nix schlimm...komm! Zack aus die maus!
     
  7. Canada

    Canada Aktives Mitglied

    Sorry, Farooq, aber der Sinn Deines posts erschliesst sich mir nicht. :confused: Kannst Du ihn bitte etwas erlaeutern ? Danke.
     
  8. Lilith79

    Lilith79 Bekanntes Mitglied

    Glaub Farooq meinte einfach, dass sie ihre Pferde nicht (fest)glotzen lässt.
     
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  9. Tify

    Tify Bekanntes Mitglied

    Ja, ich erzähl denen sogar meistens "ja, ich sehe XYZ da hinten auch, aber ich finde es nicht gruselig. Komm halt weiter.":astrein:
     
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  10. ruffian

    ruffian Inserent

    Das ist auch meine Erfahrung. Es gibt Pferde, die sich praktisch ohne menschlichen Einfluß in eine starke Anspannung hineinsteigern und schon in einer recht frühen Phase dieser Entwicklung nicht mehr ansprechbar sind. Meistens sind das eher unsichere und weniger intelligente Exemplare, die noch dazu mit etwas kämpfen, was beim Menschen als "hochsensibel" beschrieben wird: Eine besonders intensive Wahrnehmung. Solche Pferde müssen keineswegs körperlich unruhig wirken oder gefährlich ungehorsam sein. Sie sind nur schnell mit allem überfordert und geraten in eine Spirale, in der sie Spannung aufbauen. Desensibilisierung ist deshalb leider nur begrenzt wirksam. Ein sicherer und freundlicher Reiter, der das Pferd mit Ruhe und Konsequenz behandelt kann damit umgehen, aber so ein Pferd wird immer ein erhöhtes Risiko für seinen Reiter bleiben.

    Dagegen gibt es Pferde, die eine große Nervenstärke mitbringen. Sie sind meistens normal empfindsam, sicher in ihrem Sozialverhalten, intelligent und selbstsicher. Ein solches Pferd regt sich sehr selten auf und fährt entsprechend schnell wieder herunter. Sie sind immer ansprechbar und können in der Gesellschaft eines entspannten Menschen oder in der eines anderen Pferdes relativ schnell an neue Aufgaben und Situationen gewöhnt werden. Solche Pferde sind schlimmstenfalls eigenwillig und gelegentlich übermütig, aber niemals gefährlich im Sinne von völligem Kontrollverlust.

    Edit: Pferde, die sehr dem ersten beschriebenen Typ entsprechen sind nur begrenzt durch Gewöhnung und Erziehung formbar, denn die Neigung zur Anspannung bleibt. Bei allen anderen trägt die Ausbildung und der Umgang durch den Menschen sehr viel dazu bei, ob sie als zappelige vermeintliche Nervenbündel oder als zuverlässige Partner auftreten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Okt. 2020
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Thema: Der Lieschen Müller-Plauderthread