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Die Definition eines Blüters-Vorsicht Lachgefahr!

Diskutiere Die Definition eines Blüters-Vorsicht Lachgefahr! im Pferde Allgemein Forum; Aufgrund dessen das auch mein Kleiner seh viel Blutanteil hat ! Das hab ich aus einem anderen Forum, und ich finds so nett geschrieben, dass ich...

  1. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Aufgrund dessen das auch mein Kleiner seh viel Blutanteil hat !
    Das hab ich aus einem anderen Forum, und ich finds so nett geschrieben, dass ich es euchnicht vorenthalten will. Da der Gesamttext ist irre lang -sorry!
    1. Teil: Das Vollblut

    Das Vollblut (Horsus Galoppus ReXX) entstand in den frühen reiterlichen Anfängen
    England. Über dir Gründe gibt es zahlreiche Spekulationen: Die guten alten
    Shire-Horses passten vom Fleisch-Fett-Verhältnis nicht mehr in die
    Korsagen-Ernährung der damaligen Zeit, man war die Strickleitern leid, das Pony
    Getrabbel und schließlich und endlich entdeckte man, dass es auf dem Festland
    namens Bavaria wohl besser schmeckende Biersorten gab – und brauchte geeignete
    Transporttiere für die Eilkuriere (so trinkt man dort immer noch aus diesen
    Gründen lauwarm).

    Als Basis stand ein Trio an Araber-Hengsten zur Verfügung – die allerdings die
    englische, reservierte Mentalität vor unüberwindliche Hindernisse stellte.
    Araber sind klug, menschenbezogen - und stehen gerne im Mittelpunkt! Wie soll
    man auf sowas ~ elegant ~ aussehen?

    Bei der züchterischen Überarbeitung gelang es außerdem den Vollblütern einen
    Hals zu geben (den sie auch vorwärts-abwärts tragen können), das Aussehen der
    gebrochenen Nase wurde korrigiert und letztendlich erhielten die Tiere auch
    eine Größe die in der Kutsche nicht lächerlich aussieht und einen Widerrist,
    der die Zukunft von Generationen von Sattelmeistern sichert…

    Eigenheiten, Eigenschaften & alles was ein Reiter wissen sollte…

    Das Vollblut verfügt wie der Isländer über 5 Gangarten. Als 4.te Gangart
    zwischen Schritt und Trab zählt der Schrapp und lässt sich genau so bequem
    sitzen wie der Schweinepass. Nach dem Galopp folgt der Flach-und-Wech.
    Ebenfalls so gut zu steuern und zu kontrollieren wie ein Rennpass, halt nur 30
    Stundenkilometer schneller. In dieser Gangart nützt auch ein Hilfeschrei nicht
    mehr – wenn man nicht den Mund voller Fliegen haben will, oder gar riskiert,
    dass aus diesem Tempo das Pferd kurzfristig stoppt oder auf 2 qm Grund kehrt
    macht.


    Die erste Regel beim Besitz eines Vollblutes heißt:

    Beschäftige es – sonst beschäftigt es dich! Man kann es auch anders formulieren:
    Ein Vollblut wird immer reagieren – sinnvoll ist es, wenn es auf den Reiter
    reagiert und sich nix anderes suchen muss?

    Die zweite Regel beim Besitz eines Vollblutes heißt:

    Tut sich nix - gibts nich! Glauben sie es ruhig – mit einem Vollblut wird ihnen
    beim Reiten nicht langweilig. Blüter sind an sich geduldige Tiere – etwa eine
    Bahnrunde lang…oder eine halbe Minute im Gelände...

    Tiere, bei denen obige Regeln besonders ausgeprägt sind nennt man Staun-Hüpfer.
    Staun-Hüpfer sind im Gelände i.d.R. unterbeschäftigt. Den Kopf weit erhoben
    suchen sie etwas, vor dem sie staunend stehen bleiben könnten, kurz alle
    Muskeln durchspannen und dann mit einer 360 Grad-Auswahl davon hüpfen.

    Und sie werden erstaunt sein, vor was ein Blüter alles überrascht ist! Notfalls
    wenn der Weg eben und gerade ist...

    Unerfahrene Reiter neigen dazu, im Anschluss an das Staun-Hüpfen (mehr sich, als
    dem Pferd zuliebe!) mit Beruhigungsformeln:
    „ohh-schön-brav-ist-ja-alles-gut-kein-Problem“ sich die nervliche Überforderung
    von der Seele zu reden. Das Blüterlein, dass sich eben entspannt unter ihm
    schüttelt (na, Reiter, bist du auch wirklich wach?) nimmt dieses Gemurmel als
    Belobigung auf. Und von Lob will man ja immer mehr haben...

    Dem Staunhüpfer begegnet der erfahrene Reiter mit einem einzigen Wort
    (fortissimo):

    *ja-sack-zement-wirst-du-wohl-den-scheiß-bleiben-lassen!!!*


    (...und vermerkt sich, die Kraftfutterration auf ein paar
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juli 2007
  2. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Teil 2: Umgang und Unumgänglichkeiten


    Im Umgang sind Vollblüter unkompliziert. Behaupten alle Vollblutreiter. Man muss
    halt nur ein paar Regeln beachten…


    a) Personen mit Geschwindigkeitsallergien & Bluthochdruck sollten Blüter
    meiden..

    b) haben Sie Humor! Besser sie lachen darüber, wenn sie ausgeschmiert werden…

    c) gut gebrüllt ist halb bestraft sacht mein Vater immer: Blüter haben sensible
    Ohren!

    d) seien konsequent, auch wenn der Blüter seine härteste Waffe auspackt: Die
    Show




    The show must go on!


    Die Show ist eine Maßnahme des Blüters und wird insbesondere vor Publikum
    angewandt. Jedes Pferd legt sich mal mit dem Reiter an. Der Haffi kann (so
    sacht der Frange) garschtig werden, der Isi kann sich super-bomben-steif machen
    – Blüter legen eine tierschutzrelevante Show hin:

    Sie drehen den Andrenalinspiegel etwas auf, fördern die Schweißausbringung und
    versetzen ihre Beine in Gehüpfe. Gleichzeitig forcieren sie los-reiß-Versuche,
    rollen mit den Augen und geben das gänzliche Bild eines Tieres ab, das vom
    bösen Reiter misshandelt wird oder von dem Dinge verlangt werden (ein
    20-cm-Gräbelchen) die ja grundsätzlich eine Überforderung darstellen. Ziel des
    Ganzen ist – dem Reiter ein schlechtes Gewissen, und vor Publikum ein
    schlechtes Image zu verpassen.

    Erfolglos wenn Reiter konsequent ebenso eine Gegenshow hinlegt, überlebt und
    dann wird die Sache binnen Sekunden uninteressant und abgeblasen. Bis zum
    nächsten Mal und zum nächsten Publikum - the show must go on!
     
  3. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Teil 3 Reit-Frust


    Der Vollblutreiter ist Gelände erfahren:
    a) er sieht Abkürzungen schon von weitem (weil er weiß, sein Pferd sieht sie
    auch. ) und
    b) Kompass braucht er keinen – schließlich weiß sein Pferd ja jederzeit wo es
    heimgeht, siehe a)

    Blüter haben ja grundsätzlich Augenschäden und sind extrem weitsichtig:
    Das Ende des Feldweges ist für sie immer noch gaaanz weeeit weg - also kein
    Grund zum „langsam mal bremsen“ - was heftige Diskussion mit der Meinung des
    Reiters auslöst.

    Er sitzt meist in einem Englischsattel – Westernsättel haben bei recht kurzen
    Vollblütern den Vorteil gleich als Nieren/Beckendecke zu dienen – und agiert
    sehr vorsichtig: Da jede Aktion von einer prompten Re-Aktion des Pferdels
    drunter zur Folge hat, ist das Reiten so leicht zu lernen wie das Fliegen eines
    Hubschraubers: Seitwärts, Rückwärts, Stepp & Steig – DIE SCHWIERIGKEIT LIEGT
    BEIM RUHIGEN GERADEAUS!

    Dirigiert wird mit leichten Gewichts-, Stimm-, und Zügellhilfen – kommentiert
    wird das vom Pferd mit deutlichem Unwillen bei jedem Zuviel davon…

    Und seit der Zeit im jugendlichen Leichtsinn wo ein Haflinger-Halter ihm riet
    sein Pferd „mal richtig müde zu reiten“ und er sich heulend 20 km weit weg von
    zu Hause befand und das Pferd grade eben warmgelaufen war
    „wann-geht’s-weiter-wann-geht’s-weiter* - weiß, er dass er tunlichst daran gut
    tut – sein Pferd ruhig zu reiten.

    Von der Dressurfähigkeit sind Vollblüter hochbegabt: Angaloppieren aus dem Stand
    können sie ab Fohlenalter, fliegender Galoppwechsel, Außen- und Kontergalopp –
    kein Problem! Nur – sie setzen es meist grundsätzlich ohne Aufforderung und
    möglichst noch gegen den Reiter ein (siehe Diskussionen am Feldwegsende), was
    einem Abrufen dieser Fähigkeiten innerhalb einer festgelegten Dressurprüfung
    widerspricht. Wär ja auch langweilig!! (siehe Vollblutregel 2).

    Irgendwann kommt auch der Vollblöd-Geländereiter mal in ein Dorf – und an
    spiegelnden Schaufensterscheiben vorbei.

    Oh!!!

    Was er dorten in seiner Person & Pferd im Widerschein sieht – hat doch recht
    wenig mit seiner Idealvorstellung an geradem Sitz, eleganter Reitweise und
    sauber aufgerichtetem Pferd wie er es aus dem Fernsehen kennt zu tun! Ähnelt
    wohl mehr einem Kosaken?

    Knie fest geschlossen, die Waden weeit weg vom Gaspedal nach vorn gestreckt, den
    Sitz leicht nach vorne gebeugt (bei Staun-Hüpf-Pferden anzuraten – lieber beim
    Davonschießen vor der Bewegung als dahinter!) und den Kopf eher eingezogen als
    stolz…

    Innerlich tief verunsichert und nachdenklich tritt er den Heimweg an – wohl
    wissend, dass es wohl Leute gibt, die das in der Not Raiten nennen; aber genug
    Eigenreflexion besitzt eine solche Ausrede für sich nicht gelten zu lassen.

    Nun denn – ein paar Reitstunden in einem ordentlichen Reitstall sollten das wohl
    verbessern helfen?
     
  4. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Vollblödreiter trifft Warmblödpferd – oder- WAS ist schon normal?




    Da der Kleinkosake ja fürchtet, das es mit seinem Kleinvulkan in einer Umgebung
    mit vielen Staun-Optionen und noch mehr showempfänglichen Zeigefingerpublikum
    zu einer Katastrophe kommt – meldet er sich erstmal allein in der Reitschule
    an.

    Und staunt: Lauter Reitelefanten! Und Ponys, die schon sooo kucken, dass er
    nie-nicht seine eigenen Kinder auch nur in die Nähe …! Wie kann man die reiten
    - mit Maulkorb!?

    Langsam wird ihm auch Angst und Bang – wenn er sieht wie die anderen Reiter
    bewaffnet herumlaufen. Glitzernde Sporen, Protektoren, festverzurrte Reithelme
    und bissige Gerten – ist die Reithalle etwas eine Gladiatorenarena Mensch vs.
    Gaul!?

    Mutig betritt er die Box zum Putzen – nun zumindest sein Pferd macht einen
    friedlichen Eindruck. Als die Mitreiter mit deutlichen *Zumpf!* Geräuschen die
    Sättel in die Rücken ihrer Tragtiere schmeißen – läuft es ihm heißkalt über den
    Rücken: Soo etwas bräuchte er daheim nicht probieren, wenn er nicht fliegen
    lernen wollte…

    In der Halle (mit dem Helm kommt er sich vor wie ein Bobby - krampfhaft wird
    versucht die Spiegel zu ignorieren) steigt er dann zügig auf (schließlich hat
    er daheim gelernt *muttufixhoch-sonstfixhinterher*) sieht seine Kollegen
    hinaufkrabbeln und stellt fest: Das es ganz ordentlich ist, mal einen Kragen,
    eine Schulter und so einen runden Bauch unter sich zu haben, dass die Beine von
    selbst anliegen).

    Instinktiv beginnt er mit der Entspannungsatmung – während die Kollegen mit
    zackigem-Beine-zusammen-schlagen - ääähm - einer korrekter FN-Schenkelhilfe
    losreiten. Mühevoll zieht er die Kinnlade hoch – irgendwo muss sich ein
    geheimes Haschlager für die Pferde befinden: Jedes „normale“ Pferd würde doch
    bei einer derartigen Behandlung ... schauernd bricht er den Gedankengang an
    sein eigenes Pferd ab – schließlich sitzt er auf fremden 500 kg.

    Diese halbe Tonne kommt nun auch in Bewegung und schreitet erhaben - ääähm -
    schleicht los. Kurz vor der Versuchung abzuspringen und alle 4 Füße zu
    untersuchen, was denn das Pferd dazu bringt wie auf Eiern zu laufen – nimmt er
    blinzelnd zur Kenntnis, dass sich alle anderen zu solch einer
    Schritt-Schleicher-Abteilung formiert haben – und reiht sich – bereit für alles
    – hinten ein.



    Reitlehrer vs Vollblödreiter




    Beim Schrittschleichen - wobei seine Vorreiter aus unerfindlichen Gründen ihren
    Pferden ständig drohend mit den Gerten wedeln, wenn ein Pferd mal mit dem Kopf
    schüttelt „meiner führt sich heute ja wieder sooooo auf !!?“ - betritt nun auch
    der Reitlehrer (RL) die Halle, auch der Kaffeebecher in der Hand mindert nicht
    die Zigarettensehnsucht im Gesicht.

    Alle Schulpferde richten ihre Aufmerksamkeit nun auf die Persönlichkeit in der
    Mitte - was unseren letzten Vollblödreiter (ab jetzt nur noch: VBR) vollends
    nervös macht - nicht die Aufmerksamkeit des Pferdes zu haben weckt ~
    unangenehme ~ Erinnerungen.

    Nach einigen Sitzkorrekturen
    *wie-sitzt-IHR-denn-auf-dem-pferd-kopf-hoch-beine-rann-und-überhaupt-habt-ihr-noch-nix-dazugelernt*
    (unser VBR bemüht sich sehr) nimmt die obere Abteilung Haltung an - und die
    untere fühlt sich nicht angesprochen schrittschleicht noch mehr.

    "Abdeilung DERABB" mit einem Schulterstraffen des RL werfen alle Reitelefanten
    100-kg-Gewichtsverlagerung in eine Vowärtsversammlung - und traben an. Unser
    VBR derart aus dem Sattel gehebelt versucht sich - vergeblich - wieder
    hinzusetzen. Verbissen fixiert auf das Hinterteil des Vordermann - stolpert der
    Gaul unter ihm vorwärts (der Trab ähnelt eher her einem Billigtrampolin als das
    von ihm gewohnt leichtfüßig-gesprungene einszweieinszwei)

    Wie soll man so was sitzen!? Nach einer halben Runde fühlt sich seine
    Wirbelsäule an wie Eiswürfel in einem Cocktailshaker - und endlich weiß er
    auch, wo das Scheuerbachsyndrom herkommt!

    Aufgeben - is nich! Irgendwie muss sich das doch sitzen lassen - die anderen
    schaffen das doch auch (sieht aber bescheuert aus wie da die Hüfte abknickt und
    das Kopf mitnickt). Leise Heimatsehnsucht macht sich breit.

    Der Ton aus der RL wird bissiger (die letzte Zigarette ist schon 35 Minuten
    her): Hüfte locker! Knie öffnen!
    ???

    *biddu-verrückt*!? Der jahrelang antrainierte Überlebensreflex? Knie öffnen
    nie-nicht!!! Das ist wie ohne-Gurt-fahren im Auto! Weder Geist noch Körper sind
    willens hier eine Verhaltensänderung zu vollführen.

    Nun darf er leichttraben - jetzt wirds wirklich verzwickt. Auf der "richtigen
    Hand" - so was hat ihn doch noch nie gekümmert (ein Vollblöd wechselt doch
    ständig die Hand und die Richtung) - wozu soll das gut sein!?

    Vorsichtig versucht er auch Lockerungsübungen - weil irgendwie gibts beim dem
    Tier nur eine hartverspanntes Gerade (was ja auch mal eine Abwechslung wäre zum
    dauerverdrehten Vollblut) und reitet Zirkel. Sofort kommt der übliche Brüller
    aus der RL-Ecke, das das noch vieeel zu eng wäre nach den ersten 40 Minuten
    (sonst steigt die Abschreibungsrate – der Gaul soll ja noch soundsoviel
    ReitStunden halten). Was denn? 3 Meter Radius sollen eng sein !? Enge Kurven
    sind für einen VBR was anderes! Vor allem wenn sie vom Pferd innitiiert werden
    und nicht vom Reiter.

    Der RL schaut verzweifelt in seine kalt gewordene Kaffeetasse.
    „Noch 20 Minuten bis zur Suchtbefriedigung“
    (und die Halluzinationen setzen langsam ein)
    „Nun gut - noch der Galopp und... ja, keine Frage: Obenbleiben wird der
    beratungsresistente Knilch (unser VBR) dahinten ohne Probleme!“

    Das geübte Auge des Reitlehrers hat die guten Reflexe und die wache
    Beobachtungsgabe aus jahrelangem (Überlebens-) Training erkannt...

    „vielleicht wäre dass sogar jemand für die Bekehrung der verrückten Stute in Box
    13...?“

    Oh lieber nicht, das erträgt der Pseudo-Dressur-Hallenreiter nicht, wenn ein
    08/15 Geländereiter sein Pferd... (siehe Moderasse Problempferd &
    warum-ist-ein-Pferd-bekloppt).

    Endlich – der VBR sieht einen Lichtstreif am Horizont: Endlich die Gangart in
    der er zuhause ist – der Galopp!

    (Das Warmblöd bekommt langsam Angst: Es war ihm ja schon nicht geheuer, dass
    dieser Reiter ohne Waffen aufgestiegen ist – der wird doch nicht irgendeine
    geheime Überraschung parat haben!? Vorsichtsmaßnahme – wir machen uns fest)

    Der VBR setzt sich zurecht und checkt wie gewohnt die Bedienungs-Instrumente
    versichert sich also der Reaktivität seines Untersatzes bevor es losgeht.
    Leichtes Zügelaufnehmen für die Aufmerksamkeit? Vorsichtiges Kreuzanspannen und
    Strecken der Beine? Gewichtsverlageung in der Hüfte? Reaktion – Null.


    VBR bekommt einen Schweißausbruch. Die Hoppelabteilung vor ihm galoppiert sauber
    an (selbst Mädels wo die Stiefelchen nicht länger als die Pauschen sind
    dreitakten auf und davon) – der Elefant unter ihm verstärkt kurvenschneidend,
    um nicht den Anschluss zu verlieren, den Trab und der VBR presst
    Zähne-aufeinander-schlagend hervor
    *du-blö-hö-des-mist-vieh-wi-hirst-du-woh-hol…*.

    An der Bande fängt nun das übliche Gekicher der ubiquitären Reitstallgören an
    (die grade mal nicht ordentliche Pferde zu Leckerlie-Junkies machen) – unser
    VBR gibt emotional auf.

    Er - der Herr des Gegenwindes & Bremsweges - bekommt in der Reitschule einen
    Gaul nicht in den Galopp. Mit zusammengenkniffenen Augen visualisiert er das
    Bild der ich-kann-ja-schon-alles-Gören am Rande bei einem Ausritt aus SEINEM
    Vollblut und verteilt schon in Gedanken Frei(flug)karten hierzu; allerdings
    kann er dass dann doch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren bzw. der
    Haftpflicht erklären.

    Seufzend kommt der RL aus seiner Count-down-bis-Zigarette-Ecke hervor – er hatte
    das geahnt: Nun darf er Pferd und Reiter auch noch in den letzten Minuten dazu
    kriegen, mit ordentlicher Hilfegebung (ohne Drohgebärden) einen Galopp
    hinzukriegen.

    Der Galopp ist unserem VBR recht fremd. Ihm, welcher dachte in dieser Gangart so
    ziemlich alle Variationen in allen Geschwindigkeiten zu kennen.
    Es gibt ja gesprungenen, gerannten, gefederten Galopp oder auch einen auf der
    Stelle, ja aber es gibt auch geloffenen (viertaktig bei Isländer oder
    runtergebremste Westernpferde mit Nase-fast-am-Boden) –
    und es gibt diesen, gehebelten Galopp. Ein Schweinepass im Dreitakt, schön aus
    der Hüfte quer vor auf die Vorderhand gefallen. Super.

    Und wehe, wehe man unterlässt die vom RL ständig bei jedem Galoppsprung
    angesagte Galopphilfe – schon ist der Schre-he-dd-der-tra-hrab wieder da. Und
    dass bei einem Reiter, der gewöhnt ist, dass ein Pferd nie, NIE, NIEMALS
    freiwillig aufhört zu Galoppieren.

    Am Ende – tut unserem VBR alles weh. Schleppend bringt er Pferd aus der Halle
    und alle drei (den RL eingeschlossen) sind froh das es vorbei ist und
    unausgesprochen wissen alle drei:

    DAS tun sie sich nie wieder an!
     
  5. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Akt 1: Multi-Reitereller Austausch – Ort: ein kleiner Pensionsbetrieb

    Nachdem nun unser VBR bei seinem VB die heutige Bringschuld mittels
    Geländeraserei erbracht hatte kehrte er mit wunden Hintern, verkrampften
    Fingern und roten Augen (Gegenwind) wieder nach Hause.

    Zur Erholung geht unser VBR auf einen Reiterstammtisch. Dort gehts um
    Meinungsaustausch, konkret, dass man andere Leute sucht, die entweder
    a) eh schon dieselbe Reitermeinung haben (was selten ist) oder
    b) eben nicht - und das Ziel ist, dass ihre Meinung aus-ge-tauscht wird und sie
    mit der einzig wahren (der des Gegenübers) nach Hause gehen.

    Im Zuge dessen kam es zu einer freundlichen Plauderei mit einer Haffi-Besitzerin
    - und man stellte begeistert aus den Erzählungen so viele Gemeinsamkeiten fest!
    Besonders interessant fand unser VBR, dass "Haffis auch voll abgehen!". So kam
    es denne nach einigen Schnäpsen zu dem Beschluss des Pferde-Austausches zwecks
    Horizonterweiterung.




    Vorab einige Bemerkungen zu Haflingern.

    Ursprung:

    Der Haflinger Hippo Alpinus entstammt der einzig fruchtbaren Chimären-Kreuzung
    aus einem Wollnashorn (aus diesem Heterosiseffekt konnte es die Eiszeiten
    überleben) und früher vorhandenen, von Hannibal verlorenen Kamelen (daher die
    blonde Farbe und die Fähigkeit Nährstoffe gut zu verwerten und zu speichern).

    Die Ureinwohner der Gebirgsregionen schätzen letztere Eigenschaft sehr und dies
    war wohl der Grund zum Rasse-Erhalt für dunkle, kalte Wintermonate - so ein
    mittelgroßer Haffi-Schinken passt grad noch in jeden Räucherkamin.

    Grundsätzlich ist die Rasse bei der Ordnung der Horsus in die Gattung der
    Rundlinge einzusortieren mit der besonderen Unterart der Alles(An)Fresser
    (gewagte Horsulogen leiten hieraus eine Verwandtschaft zur Ziege ab a.d.R.).

    Diese Eigenschaft hat inzwischen im gesamtdeutschen Pferdebereich für erhebliche
    Artverdrängungsprobleme gesorgt - als Neozoen (fremd eingeschleppte Tierarten
    a.d.R.) finden sich inzwischen Populationen bis nach Schleswig-Holstein hinauf!

    Kombiniert mit der ernormen Fruchtbarkeit diese Rasse (hochnäsige Stuten
    behaupten beim Weideschnack unter dem Huf, dass Haflinger gar keinen Stolz
    hätten und mit ~ jedem ! ~ ...!? so dass es auch zu vielen
    Kreuzungsendprodukten kommt...) und diversen gewieften
    Züchter-Marketings-Slogans "Haflinger - DAS Familienpferd!" (gegen die
    inzwischen vor dem EU-Gerichtshof mit allen rechtlichen Mitteln vorgegangen
    wird a.d.R.) und dem Damoklesschwert jedes Futtermittelhändlers - Haflinger
    brauchen nur an Futter riechen um zuzunehmen, ergo kostengünstigste
    Futterverwertung - müssen wir uns wohl über kurz oder lang mit dieser Rasse
    anrangieren.

    Von der Zweitnutzung Zugpferd im Wald blieb vor allem das Motto des Haflingers
    übrig: JETZT ERST RECHT! und kann vom Menschen nur positiv genutzt werden, wenn
    er eine schwere Kutsche am Hang hinauf zerren soll...

    Astrologisch betrachtet gehören Haflinger deswegen in das Sternzeichen des
    Zwillings (jener mit den zwei Gesichtern) mit Aszendent Skorpion (egal was er
    verspricht - er triezt dich doch: Er kann einfach nicht aus seiner Haut).

    Vom Karma her findet sich im Haflinger die (Straf-)Wiedergeburt der Schauspieler
    - ein Leben lang dick und aus Gründen der Skelettkonzeption fast keine Chance
    auf der großen Bühne der Elitesporttuniere Applaus zu ernten.

    Vom Charakter her sind Haflinger eine Mogelpackung. In der Natur nennt man es
    Mimikri: Geschickt täuschen sie mit einer inzwischen zugelegten Weißmähne mit
    Wuschelbonus ("hübsch = nett = freundlich) ein Teddybären-Image vor und nur
    geschulte Kenneraugen entdeckten unter diesem dominant-vererbten Äusseren
    manchmal das Glitzern eines Arabären in den Augen (Großmutter war fremdgegangen
    brachte die Familienaufstellung nach Hellinger hervor!).

    Hinzu kommt wieder der im Geiste auftauchende Schauspieler - er bringt Menschen
    zum Lachen & zum Weinen, und wechselt die Launen wie die Rolle in einer
    Komödie.



    Aber: Ein Haffi ist sehr gut berechenbar. Die Formel lautet:

    Die Wurzel aus (Masse x Beschleunigung) mal (logHirnvolumen) x Paradoxon vom
    Föneinfluss
    plus Reaktionsverschleppung Reiter
    plus Erfolgserlebnis Pferd
    minus Gutmütigkeit

    Wer intelektuell nicht aus dem Stand heraus in der Lage ist das zu kalkulieren -
    ist keinem Haflinger gewachsen und sollte ich auch keinen zulegen!!!

    Organisch hat der Haflinger eine gendefinierte Nerven-Rückmeldungs-Störung des
    Magenschließmuskels, so kennt er die Bezeichnung und Gefühl "Satt" nicht. Bitte
    bei der Haltung berücksichtigen!

    Das Gebäude wird recht unterschiedlich beurteilt. Folgend vom Laien und vom
    erfahrenen Reiter:

    Die Mähne ist superhübsch und wuschelt so schön!
    Man kann sich auch totputzen und für den Schweif braucht es bei Stuten
    Bleichmittel. Die Mähne ist ein guter Notfallgriff.

    Der Haflinger hat so eine praktische Größe! Nicht zu groß, schön und knuffig!
    Das Tier besitzt ausreichend Bodennähe und gut ausgebildete Hebel im Hals und
    Rückenbereich. Vorsicht!

    Der Rücken sieht aus wie ein Sofa.
    Wie soll darauf ein Sattel halten!? Antackern? Festschrauben?

    Die Hufe sind wunderbar hell und ebenmäßig - nicht so schmutzig-schmuddelig!
    Ihr Hufschmied schickt Dauerkunden schöne Weihnachtspräsente. Ist der
    Zuchtverband bestochen worden!?

    Wenn das mit dem Be-/Reiten nicht klappt - dann sieht ein Haffi auch
    (rumstehend) auf der Koppel gut aus!
    Haffis ordentlich einreiten kostet unendlich Mühe - i.d.R. gibt der Reiter eher
    auf und Haffi ist am Ziel der Blockade.

    Und doch - sie sind erziehbar, denn der Haflinger hört auf zwei Dinge: Futter
    und Liebe.

    --> Im Optimalfall treffen der Herr des Futters und derjenige, der in dem Pferd
    einen Ersatzpartner sucht, zusammen und für diese Person wird dann der
    Haflinger, alles, aber auch alles! tun <--
     
  6. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Akt 2: Erste Annäherungen



    Ort: Putzplatz des Reiterhofes (zur Orientierung: VB Blau, Hafl Violett)



    Nachdem unser VBR seinem Vollblut tagelang einen Verhaltenscodex mantra-artig
    hergebetet hat *jaha...wir wollen beeindrucken* traut er sich nun zum Tausch.
    Am Putzplatz kommen sich die Parteien entgegen und nach den üblichen
    Höflichkeitsfloskeln über die sichtbaren Vorzüge des Pferdegegenübers - werden
    die Führstricke übergeben.

    Der Haflinger sei heute leider nur ohne Sattel zu reiten - seltsamerweise passe
    der Sattel schon wieder nicht mehr...

    Der Hafl begrüßt den schlanken VBR mental recht schmeichelnd-schlaksig "Johey,
    du Spargel. Hastte mal n Keeeks?"

    Der schmeichelei-resistente VBR nimmt das nonchalant auf "Hey Pony. Nee, forget
    it - Happa is nich! Schaff erstma was!"

    (Hafl verschluckt fast seine Zunge: PONY !?? Seine Gehirnwindungen fangen das
    arbeiten an. Nur ohne Futter geht das so schlecht.. er schweigt erstmal bis er
    einen Plan hat)

    VBR beginnt mit den Reinigungsarbeiten - im Geiste hat er schon ein 10 % vom
    Vorschussbonus abgezogen; ein Leckerliejunkie, na das kann ja heiter werden...

    Auch der Haflreiter (HR) geht in seiner fröhlich-unbedarften Art auf unser
    neugierig kuckendes VB zu und sagt aus Gewohnheit beim Keksanbieten: "Hey,
    Dicker! Schau mal was ich für dich hab - gell, da magst mich gleich!?!

    VB schnellt entsetzt zurück: "Dicker? Sagtest du Dicker? Schau dich mal selber
    an! Ich werd einen xxx* tun und von fremden Futter annehmen! Am Ende sind das
    Blähpillen und dann seh ich so aus wie dein Kugelfisch auf 4 Beinen! Und
    überhaupt, wer ist denn so naiv zu glauben Blüter sind mit Futter bestechlich!
    Stecks dir..***!"

    Der Haflreiter stutzt. Futterverweigerung ist ihm unbekannt. Er zuckt kurz mit
    den Schultern und wirft sichs selber ein. Das Tier ist sicher magersüchtig!
    Wenn seiner SO herumlaufen würde!

    Schweigend und leicht konstantiniert fahren beide Teams mit den Vorbereitungen
    fort. Unser Hafl hat inzwischen sein angeschlagenes Selbstbewusstsein wieder
    aufgerichtet und beobachtet distanziert die Bemühungen des VBR.

    Haflinger haben eine natürliche Schwäche im Gleichgewicht - aber dafür eine
    große Begabung für ~ Anlehnung ~. Das merkt man spätestens beim Hufeausputzen.
    Ächzend kämpft der VBR gegen 200 kg Last an - pro Huf. Haffi lächelt still in
    sich hinein...

    Natürlich auch die andere Seite - und der Hafl wird aufgefordert zurück zu
    treten - die Gelegenheit für Konfrontation: Aufgerichtet, klar und deutlich
    läßt sich das Blondpony vernehmen: "Hah! Sag Bitte!"

    Der VBR stutzt. Nun, er ist etwas ~ promptere ~ Reaktionen gewöhnt. Nachsichtig
    wiederholte er seine nonverbale Aufforderung. Der Hafl sucht drängelnd an den
    Taschen des VBR und fängt das Verhandeln an: "Ohne Gutzel geht hier gar nix!"

    FLATSCH! mit der flachen Hand hat unser Klein-Walross ehe er sichs versehen hat
    eins vor den Bug bekommen und ist den gewünschten Meter zurückgesprungen und
    unser VBR putzt weiter als wär nix geschehen und ignoriert das verdutzte
    Gesicht. Das Punktekonto ist bei Null angekommen.

    Augenrollend kuckt sich der Misshandelte nach seinem wahren Beschützer um:
    "Haste das gesehen!?"Doch unser Haflhalter müht sich grade beim Putzen -
    ständig taucht das VB (ohne schützende Speckschicht) ob der groben Bürste -
    unter ihr weg...

    Unser Hafl atmet tief und die Schrecksekunde geht vorüber. Adrenalin vernebelt
    seinen Sinn. Wut steigt auf. "Das zahl ich dir heim!" Er rollt die Lippen bis
    zum Anschlag auf, visiert mit seinen Zähnen die Stelle kurz oberhalb der
    schützenden Lederreithose ... und FLITSCH! AU - das tat nun richtig weh! Unser
    VBR hat mit dem flachen Handrücken mit Lichtgeschwindigkeit die zarten Nüstern
    erwischt - 10 cm vor Bissziel - auf frischer Tat ertappt!

    DAS hat nun aber der Liebe & Futterspender gesehen! Sein Blondengel wurde
    geschlagen! Hurtig kommt er herbei um zu schützen - wird aber vom VBR auf
    halber Strecke - abweisend-vorwurfsvoll abgefangen: "Nein, lass gut sein, ich
    hab das schon erwartet und klären können. Ich komm hier klar. Aber sach mal -
    macht er das öfter?!"

    Der Haflhalter ist mit seinen Augen bei den geschundenen Nüstern seines
    Lieblingstieres die grad in einer Funktionskontrolle hochgekräuselt werden -
    die Hand ist schon bei der Bachblüten-Rescue-Salbe in der Hosentasche.
    Irritiert-verteidigend "Das hat er bestimmt nicht so gemeint!".

    "Was hat er so nicht gemeint - das Zähnefletschen oder das Visieren meiner
    Hüfte!?" Seufzend wendet sich der VBR ab. Gütiger Himmel - ist er hier um
    Erziehung nachzuholen? Der Haflhalter steht runtergeputzt da wie bei der
    Super-Nanny. Unschlüssig - macht er kehrt. Hat der VBR etwa recht? Ist das kein
    typisches Spielverhalten?

    Das VB hat die ganze Szene voller Schadenfreude beobachtet und mümmelt am
    Anbindestrick um nicht laut loszuwiehern. Wat isn dat für einer? Mit sonm
    billigen Trick versuchen seinen jahrelang trainierten VBR reinzulegen! Unterste
    Schublade! Fohlenniveau! Und dann noch soo laaaangsam!

    Der Hafl ist nun in einer ganz anderen emotionalen Krise: Sein Futterspender ist
    traurig! Und wenn der keine gute Laune mehr hat - sinkt die Leckerlie-Quote!
    Angestrengt blickt er zu Boden. Ach - schau an! Der Vollblöde hat nur
    Turnschuhe an! Kennt der keine Pferde mit V2A-Schuhwerk?

    Grinsend-leise hebt er seinen linken Huf (JETZT ERST RECHT!) und setzt ihn
    schwungvoll auf dem rechten Fuß des VBR ab. Ein Schmerzenschrei fegt über den
    Hof! Der Haflinger hebt mit einem ~ überaschten ~ Ausdruck suchend den Kopf und
    ~ dreht ~ mit dem Vorderteil (und damit mandschend auf dem Fuß) suchend-webend
    hin und her "Wo hat hier jemand ein Problem? Ja wo denn nur?"

    Unser VBR hat inzwischen eine Huffraspel aus der Putzkiste gegriffen und mit
    einem gezielten Schlag von hinten ins Sprunggelenk ein kurzes Zucken und
    Gewichtsentlastung hervorgerufen - der Plattfuss konnte hervorgezogen werden.

    Nun findet auch die Rescue-Salbe ihren berechtigten Einsatz und der
    Haflinger-Fan ergreift seine Chance für ein Remis - im wahrsten Sinne des
    Wortes salbungsvoll: "Tststs - ohne Stahlkappenschuhe...!" (und wirft seinem
    Hafl hinterrücks ne Belohnung zu, die letzterer aus dem freien Flug fängt und
    zufrieden kaut...)

    Er kehrt zurück zum Blüterlein um ihn fertig zu zäumen und zu Satteln. Zu seiner
    Verwunderung nimmt das Pferdl das Gebiß auch ohne die übliche
    Honig-drauf-Schmiererei an. Gut - und leicht in die Knie gehend greift er mit
    rechts den Nasenriemen und sich hochstemmend zurrt er ihn fest - grad noch dass
    das überraschte Tier seine Zunge zwischen seinen Schneidezähnen rausgekriegt
    hat. Unser Blüter - schielt entsetzt auf seine Nase - und wird steckensteif
    *hechelt-hektisch*

    Derselben wird prompt beim Sattel vorgegangen - nur diesmal greift unser ein
    Sattel-darf-keinen-Millimeter-verrutschen-Fanatiker mit BEIDEN Händen die
    Sattelgurtstrippe - und reißt sie hoch. *hyperventilier*
    Eine Hormonwelle ergreift unser eh schon Bluthochdruckpferd - langsames Zittern
    kommt wie Laola-Wellen über den Körper und gleich...! Doch - hinkend/rettend
    wirft sich der Besitzer dazwischen - ein Blüter in Panik! - er lockert die
    Verschnürung und keucht: "Nicht zu fest... das brauchts net ... der Sattel hält
    ob des Widerristes ... auch so..."

    Die besten Voraussetzungen für eine gute reiterliche Zusammenarbeit wurden
    geschaffen...
     
  7. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Akt 3 - IQ ist relativ - Pferde in der Arena
    Ort: der Aussenreitplatz (immer noch Hafl lila, VB blau)

    In der Arena angekommen steigen beide auf. Unser VB hat sehr gute Laune
    (fremde-Reiter-testen-darf), das Verhaltenscodes-Mantra sitzt (noch) und so
    lässt er den Haflreiter geduldig aufsteigen Das dessen Reithose dabei riss und
    ein unterdrückter Fluch in die Pauschen geflüstert wurde - er tut so, als hätte
    erst nicht gehört - ...nur ein leichtes Ohrenspielen...und der Gedanke im Raum:
    *jaja, die Rache der Kekse!*

    Der VBR fixiert den Hafl mit einem strengen Blick. "Steh!" (das SONST! steht
    sichtbar daneben im Raum) - packt in die Mähne und mit einem eleganten Schwuff!
    gleitet er ...... ins Leere. Das Tier war ihm höflich einen Schritt
    entgegengekommen und hat damit die sorgsame Schwung = Höhe x Tiefe Berechnung
    zunichte gemacht: Aber zumindest ist der VBR auf der anderen Seite wieder in
    den Stand gekommen - eine Sandlandung hätte er ihm nicht so schnell verziehen.



    Die Körperspannung des VBR´s hat sich erhöht. Ein zweites Mal passiert ihm dass
    nicht, ein kurzer "Stupps" (*UggH*) mit dem Knie in Haffis linke Seite stellen
    das klar. Nun - diesmal sieht das Aufschwingen professionell aus. Testend setzt
    er sich nieder - und wohlig-seufzend schließt er die Augen: Dieser Sofarücken
    ist wie eine Mischung aus Wolke, Federkissen und Sitzheizung zugleich! Was er
    sonst kennt - ähnelt mehr einem Fakirsitz aufgrund von Widerrist, Wirbelsäule
    und Rippen darunter... Der VBR füllt das Bonuskonto wieder auf. Gell, da
    schaust!! läßt sich der Hafl vernehmen.

    Doch unser VBR ist noch nicht fertig: Wow! Anatomisch eingebaute Vorderpauschen
    - wenn man die Kniee mit dem ultimativen Vollblutsitz zusammenpresst - wölbt
    sich ein Fettpolster kurz unterhalb der Schulter auf. Mit den Gesäßknochen
    tastet er sich vorsichtig durch die Speckschichten - bis er die gesuchten
    Akkupressurpunkte findet - der Haffi richtet sich notgedrungen auf. Dann kommt
    die Geheimwaffe - unser Schlanklulatsch streckt die Beine und legt sie mit
    kontinuierlich verstärkten Druck an den Bauch des Haffis - und verknotet seine
    Knöchel darunter. *Ffffffffffffft* nun ist auch der letzte Widerstand unter
    Kontrolle, dem Haffi geht die sorgsam geschluckte/gespeicherte Luft aus - nach
    der Meinung des VBR kanns jetzt lossgehen.

    Beide beginnen im Schritt. Nun fällt der entscheidende Satz. Der Haflingerreiter
    fragt naiv: "Muss man bei dem Vollblut ~ irgendetwas ~ besonderes beachten?".
    Der VBR ist in einer moralischen Krise. Nun wäre ein einstündiger Monolog
    fällig. Doch sein Fuß tut noch sakrisch weh. Er hat sich das verdient:
    "Nein". Aus. Vorbei. Dahin.
    Sein Platz im Himmel - verpokert.

    Der VBR streckt und wendet seinen Hals zur Lockerung und *knackknirsch* die von
    der Hypernervösität verspannten Halswirbel springen wieder rein. Der Hafl gibt
    sich Mühe zumindest auf der INNENbahn mit dem VBR mitzuhalten, seine
    untersetzte Körperkonstitution wird ihm dabei wieder mal als echte Karma-Strafe
    bewußt.

    Ungelduldig - beide Reiter (und Pferde) wollens ja wissen - wird die
    Aufwärmphase auf eine Minute dreißig verkürzt: Es wird angetrabt. VBR geht mit
    Hafl voran - VB und Haflreiter diskutieren noch. *Tschucka-tschucka-tschuck*
    der Hafltrab ist wie erwartet - fehlt nur noch ein "Tut-tuuut!"- und die
    Lokomotive wäre perfekt...

    Der Haflreiter neugierig: "Na, wie isset? Super Gänge fürn Haflinger, oder?
    Sagen ALLE Leute die ihn bisher reiten durften!"
    Der VBR nickt einfach. Im Trab-Takt nicken ist ja noch nicht lügen, oder? Meine
    Herrn, wenn DAS hier die besten 25 % der Rasse darstellen - was machen wir dann
    mit den restlichen 75 %? Argentinisches Rindfleisch wird einfach zu billig
    importiert, sonst könnte man das irgendwie untermogeln...

    Aber von hinten tönts auch schon: "Ähem, mach ich irgendwas falsch?" und es
    folgt noch ein empörtes: *mein Reiter hat kein Rhytmusgefühl! Hilf mir
    gefälligst!*.

    Der VBR wendet ab und schaut sich das Ganze aus der Mitte an - genervt zu seinem
    VB: "Das ist ein Anfänger! Mach bitte nur den Trab-Grundschritt ohne den
    Seit-Stepp bei jedem 4 Schritt! Und hör auf zu summen: La cu-ca-ra-cha!"

    Na, bitte - sieht doch schon besser aus! Der Haflreiter bekomt langsam feuchte
    Augen. Er hatte ja nicht gewußt, dass es SOLCHE Gangarten gibt! Weich! Federnd!
    Schwungvoll!

    Der VBR ist zufrieden. Er kennt den Ausdruck der vollkommenen Reiterbefriedigung
    im Gesicht. Nun wendet er sich wieder dem Hafl zu, der irgendwo noch aus einer
    Backentasche etwas gespeichertes Futter hervorgewürgt hat und zufrieden kaut.

    So ist unserem VBR ausgekommen, dass sein VB *heimlichheimlich* den
    Luftladedruck erhöht hat. Nachdem das Kesseldrucksytem geladen wurde (unser
    Haflreiter dachte die vermehrte Körperspannung käme aus seinen guten
    Versammlungshilfen): *STAUN-HÜPF*!!!

    Der VBR reißt den Kopf herum - der Haflingerreiter hängt mit hervorquellenden
    Augen stumm auf dem Pferdehals - mit beiden Fäusten hält er wie Steuerknüppel
    die Ohren umklammert - die Beinen verschränkt hinter den Hinterzwiesel.

    Tödliche Blicke des VBR ("wie konntest du nur - du hast´s versprochen!!"!)
    zwingen das eben noch so fröhliche VB in die Knie *Upss. Ist mir so
    rausgerutscht...*

    "Alles o.k.?" fragt unser VBR recht suggestiv. "Ähm, geht scho..." kommt es vom
    Haflreiter (bei dem die Atemreflexe nach dem Schreck wieder eingesetzt haben)
    zurück während er sich wieder zurücksetzt - sein Adrenalinspiegel war an der
    Schädeldecke angeschlagen wie bei Hau-den-Lukas.

    "Dein Pferd ist schreckhaft, hm?" fragt der Haflreiter scheinheilig. Der VBR
    gibt den heißen Frageball postwendend zurück:
    "Nein, das machen die ab und an so. Dem war nur ~ langweilig ~". Der Haflreiter
    ist beharrlich - endlich hat er eine definitive Macke an der anderen Rasse
    gefunden: "DEIN PFERD IST SCHRECKHAFT!"
    "NEIN, denn wenn er erschrocken wäre, wäre er WEGGELAUFEN - er steht aber recht
    gelassen da, findest du NICHT!?"

    Der Haflreiter schweigt. Die haben hier alle einen Dachschaden
     
  8. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Immer noch AKT 3 - der staubige Außenreitplatz:

    Der Hafl hat die ganze Szene interessiert beobachtet. Er als Minimalist (ein
    gegebenes Ziel mit möglichst wenig Aufwand zu erreichen) kann ja schon vom
    Zuschauen vieeel lernen. Ach guck! DAS kannte ich noch nicht! Wie ging das
    nochmal? Tief Luft holen - irgendwas fixieren was gefööööhrlich sein könnte
    (z.B. ne Schnecke auf der Reitplatzeinzäunung?) und dann..!

    Olala - unser VBR hat das mitgekriegt: Nachdrücklich knört er seine
    Beckenknochen in den Haffirücken - nonverbal übersetzt: Denk nicht mal dran! Is
    ja gut... sein Frustpotential auf den da oben wächst. Und Hunger hat er auch!

    Unser VBR möchte seinen Pferdevergleichstest nun vervollständigen - im Galopp,
    schlimmer als auf einem Warmblöd kanns ja nun nicht werden...

    Der Haflreiter der nun das Vollblut unter ihm mit ganz anderen Augen sieht -
    wirft aber ein: "Galopp springt er schön an - aber die Ecken kann er noch nicht
    durchgaloppieren!".

    Oh, oh, das hätte er besser bleiben lassen - das war wie ein Fehdehandschuh
    hinzuwerfen - VBRs sind süchtig nach Herausforderungen! Das wär ja gelacht -
    hat er doch bemerkt, dass der Hafl unter ihm wunderbar gymnastiziert ist und
    mindestens 20 cm übertritt. Das KANN nur eine Frage des Willens sein und die
    Chance sich zu profilieren!

    Der VBR streckt entschlossen - und der Haflinger ist kurz davor seinen Besitzer
    anzufallen!
    Was fällt dir ein? Mich diesem Sadisten auszuliefern!? Komm du mir nur nach
    Hause - ich werd dich ignorieren!

    Doch alea iacta est - der Würfel ist gefallen - der VBR hat sich geschickt eine
    auf der Einzäunung herumliegende Gerte gegriffen und dem Haffi ist klar: Im
    Gegensatz zu seinem leicht zufriedenenstellenden Besitzer wird dieser das
    Folterinstrument einsetzen - und nicht nur als Deko benutzen um
    halb-professionell auszusehen!

    Nun steht der Haflreiter in der Mitte - die Lust auf den Galopp mit diesem
    hypermobilem Hampelmann unter ihm ist ihm vergangen. Wer weiß welche
    Funktionsstörungen da noch lauern!? Und ob er überhaupt Bremsen eingebaut hat?

    Aber er knetet vor Sorge die Hände wegen seines Haffis (dass er dabei den VB
    gebührend straft kann er nicht wissen: Stil(l)stehen ist die härteste
    Demutsprüfung für einen VB!)

    Der VBR läßt forsch antraben - und noch zackiger angaloppieren (die Knochen im
    Rücken..). Die erste Kurve. Tatsache. Der Hafflinger wagt es tatsächlich aus
    Routine sich mit einem Zackeltrab in die Kurve zu legen. TITSCH! Und mit
    eingeklemmten Schweif schießt der Haflinger davon. Runde um Runde galoppiert er
    alle Ecken durch - und das Gesicht des VBR wird von einem breiten Lächeln
    durchzogen.

    Der Hafl-Reiter in der Mitte ist versteinert. Und Rot vor Zorn. 4 Jahre
    Verarschung hat er über sich ergehen lassen in seiner Gutmütigkeit. Und nun?
    Bloßgestellt ausgerechnet von dieser Arrogantnase von VBR! Das wird Diät heißen
    für den Verräter die nächste Tage! Und alle Kekse werden in einem feierlichen
    Akt verbrannt! Er wird eine Weight-Watcher-Points-Liste aufhängen! Futter nur
    noch equsvalent zu erbrachter körperlicher Betätigung!

    Dem Hafl reichts. Echt. Was will man gegen so einen dort droben tun!? Er wird
    diesen Tag der Schmach aus dem Kalender reißen! Doch - ach! Aus den tiefsten
    Erinnerungen kommt der Karma-Schauspieler hervor. Und dieser weiß - selbst nach
    der schlechtesten Vorstellung - tut man sich verbeugen! Ein Versuch kann ja
    nicht schaden, oder?

    JETZT ERST RECHT! ...4, 3, 2, 1 Galoppsprünge - und der Haflinger nutzt seine
    niedrige Untersetzung, zieht den Hintern tief, wölbt den Rücken (was nun keine
    Kunst ist) und streckt ein Vorderbein vor in den Stand und zieht gleichzeitig
    die Nase nach unten tief - und komplimentiert (höchst elegant).

    Wuuuuaaaah! Ohne den gewohnten Widerist und leicht beschleunigt - der VBR fliegt
    mit geöffneten Armen wie ein Klippenspringer über die Reitplatzeinzäunung und
    hätte er nur den Mund gehalten - denn nun weiß er wo der Spruch herkommt ins
    Gras zu beißen...

    Ein Wiehern läßt ihn aufblicken - der Hafl ist ihm in einem Anflug von Angeberei
    hinterhergesprungen - Gras mampfend kommt er dem Verunglückten näher und
    rezitiert pseudo-philosophisch in Anlehnung an einen humorvollen Dichter:

    Wenn einer der mit Mühe sehr
    gekrochen ist auf nen Hafling -er
    Kaum glaubt dass er ein Reiter wär?
    SO IRRT SICH DER!

    Der VBR hat inzwischen aufgerappelt und fusselt seinen Mund frei der wie ein
    Käscher gewirkt hat. Nach dem Saprobienindex zu urteilen (Maßstab für
    Artenvielfalt a.d.R.) befindet sich diese Wiese in einem hervorragenden
    ökologischen Zustand...

    Aber er kann das ab. Ab-Können gehört wie Ab-steigen zum Standardrepertoire
    eines VBRs. Und man muss das positiv sehen. Er hat die Einzäunung verfehlt und
    ein Baum war auch nicht in der Nähe. Nur sein Ego hat zugunsten des Respektes
    gelitten. Auf seiner Skala der Bruchlandungen von 1 bis 10 war das eine glatte
    7.

    Das VB ist empört: "Steh gefälligst auf! Wie kannst du dich so ~ gehen ~ lassen!
    Im Training hast du doch sowas immer gekonnt! Da muss man sich ja schämen!" und
    dann doch vorsichtig: "Gehts dir gut?"

    Der Haflreiter hat im Geiste Pralinenschachtel für seinen
    herzens-guten-best-of-the-world-Haffi gekauft - wußt er doch: Auf ihn kann man
    sich verlassen! Ohne Leckerlie klappt das mit Hafls eben nicht - wenn der Tank
    leer ist bleibt das Fortbewegungsmittel stehen, weiß doch jeder! Und - ja
    genau. Das ist es was er an seinem bestechlichen Moppelchen schätzt - die
    Abhängigkeit. Entschlossen springt er vom VB und führt es hinaus.

    "Dein Haflinger ist fies, oder?" unser VBR kann noch nicht nachgeben; irgendwas
    musste er jetzt ja sagen. Aufstehen kann er jedenfalls noch nicht.

    "NEIN, wenn er fies wäre, hätte er noch nachgetreten oder sowas. Ihn hats
    einfach an der Nase gejuckt!"

    "Dein Haflinger hat das mit Absicht gemacht, das war eindeutig fies! Nichtfiese
    Attacken kann ich sitzen!"

    "NEIN, er hatte nur HUNGER, siehst du das NICHT wie er da steht und frißt!?" Der
    Haflreiter steht mit verschränkten Armen. Er findet - sie sind quitt.

    Er hält dem VBR am Boden - die Zügel hin. "Jeder wieder seins, ja?" das Angebot
    für den Reiterfrieden wurde gemacht- und wird angenommen. Jeder weiß nun voran
    er ist - und warum jeder seine Rasse liebt und warum jeder bei seinen Leisten
    bleiben sollte. Vielleicht trifft man sich eines Tages ja mal zu einem
    Ausritt..? (...und währenddessen hat der Hafl schon wieder seine Nase bei den
    Hosentaschen...)


    (Ende Akt 3 - Vorhang schließt sich)
     
  9. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Ein Solo für Zwei - ausführliche Gebrauchsanleitung für Vollblutausritte




    Ausgangsbasis: Siehe Vollblutgrundregeln 1 & 2, körperliche Defekte wie
    Weitsichtig- und -hörigkeit.

    Inbetriebnahmephase:

    Ein Vollblutausritt setzt bei seinem Reiter Toleranz voraus. Überprüfen Sie
    bitte vorher umgehend ihre psychische und physische Toleranz (und die
    Aktualität ihres Testaments).

    Checken Sie sämtliche Ausrüstung auf ihre Befestigung, entfernen Sie alles was
    flattern kann.

    Testen Sie den Notrufwahl ihres Handys, den Sitz sämtlichen Schutzzubehörs, und
    die Funktion ihres GPS-System, alternativ können Sie die
    "in-etwa-geplante-Route" ihres Ausrittes auf einer topographischen Karte ihren
    Kollegen hinterlassen.

    Klatschen Sie neben dem Pferd *fest* in die Hände (ggf. zusätzlich mit
    Aufstampfen)! Folgt i.d.R. eine Vollblöd-Show - entleeren Sie das
    Luft-Druck-System des Vollblöds erst einmal im Roundpen, Reithalle oder
    Außenplatz per Longe.

    Testlauf/Warmlauf

    Während Sie vom Hof reiten - sollte sich das Tier noch in einem entspannten
    Schritt befinden. Nach 5 Minuten bitte wiederum im Schritt weiterreitend den
    Sattelgurt nachziehen - im Gelände ein Vollblut anhalten um nachzugurten ist
    eine ziemlich vollblöde Idee und wird von anderer Seite ausgenutzt werden!

    Der Trab wird sich während der ersten 100 m noch recht zackelig anfühlen -
    folgend wird danach eine Kurz-Aufführ-Phase mit Dominanz-Test des Reiters, in
    dieser Zeit sind Korrektur-Maßnahmen deutlich über 80 db Lautstärke
    empfehlenswert.

    Systemmängel und Lauf-Defekte

    Folgende typische Fehler treten leider abweichend vom "Standard-Freizeitpferd"
    auf:

    - Vergesslichkeit: Auch Vollblöds höheren Alters leiden unter Spontan-Demenz, so
    dass z.B. Schlepper, Radfahrer, ja sogar radfahrende Kinder zu völligst
    unbekannten Wesen werden.

    - Wettrennen: Mangels Ausreitkollegen nehmen Vollblöds im Wald auch durchaus die
    Herausforderung von Rehen an

    - Aus-/Weichen: Vollblöds weichen sehr gern und unaufgefordert. Sie schonen ihre
    Huf vor z.B. gefährlich am Boden liegender Plastikfolienrestle - und weichen
    (am besten aus dem gestreckten Galopp) in das Rapsfeld links aus, ohne die
    Gangart zu wechseln: Durch ein Rapsfeld im Juni (!) kann man übrigens nur
    galoppieren - wie Antilopen:
    Hey-hüpf-hey-hüpf-hey-hüpf!


    - natürliche Aufrichtung: Bitte vergessen Sie sofort!! irgendwelche
    Ideal-Lehrmeinungen aus dem Westernreiten von wegen langer Hals auch
    vorwärts-abwärts. Dies bezieht sich nur auf einen lang-pendelnden Schritt -
    nie, NIE NIEMALS aber im Trab oder Galopp!


    Die natürliche Reithaltung eines Vollblöds ist mit den Ohren ca. 20 cm über
    Widerrist. Sollte das Pferd den Kopf in einer losgelösten Bewegung in Trab oder
    Galopp Richtung Boden tragen - ist es auf der SUCHE nach irgendwas:

    Ein STAUN-HÜPF-Auslöser bei 50 km/h ist nicht lustig!

    - Gräben. Hier gibt es verschiedene Vollblöd-Lösungen. Die Variante a-blöd
    bevorzug ein 20 cm Gräbelchen aufgrund ihrer M-Springen-Ausbildung wie einen
    1,50 Hoch-Steil-Sprung zu nehmen. Ich hoffe, ihr Pferd hat genug Futter
    bekommen und der Hals bietet genügend Halt bei der Landung nach dem
    Überraschungseffekt.

    Die Variante b-blöd bremst - und durchläuft alles vorsichtigst .
    Die Variante c-blöd: Ordentlicher Anlauf, ordentlicher Absprung & Landung: Ist
    mir noch nie begegnet.


    - Mähne: Stutzen Sie möglichst nie die Mähne eines Vollblöds. Nur so können Sie
    es auch regelmäßig mit der Hand-auf-den-Hals-patschend lobend, ohne
    schmierig-schweißverklebte Hände/Handschuhe dabei zu bekommen.


    - Schweif: Auch ihn bitte möglichst lang lassen - Vollblöds sind hoch
    Fliegen/Bremsenallergisch und sollten zumindest im hinteren Bereich selbst in
    der Lage sein, jene selbstständig zu verscheuchen.
    Vollblöd-Getriebe und Schaltung


    Das Vollblöd verfügt über ein sehr sensibles Schaltgetriebe. Null-Schaltung für
    Vorwärtsbewegung ist: Entspannt im Sattel, Beckenknochen leicht in Kontakt mit
    dem Sattel, Knie angelehnt und - die Unterschenkel weit weg vom Gaspedal!

    Antraben: Leichtes Zügelaufnehmen, Kontrolle gegen Kopfschlagen mit einem
    leichten Rechts-Links-Hand-Stehen lassen und vermehrten Druck durch
    Zurücklehnen im Sattel. Zügelverkürzung unbedingt vermeiden!

    Angaloppieren: Für leichten Galopp verwenden Sie ein leises! Zungenschnalzen wie
    "...nttzz...".
    Für den Arbeitsgalopp sprechen Sie ein vorsichtiges "...o.k...." und meiden! Sie
    eine deutliche Aufforderung wie "Galopp!" laut auszusprechen - wenn Sie nicht
    wahrhaftig einen min. 1 km Galopp-Weg vor sich haben!

    Einseitigkeit: Vollblöds neigen zu starker Einseitigkeit in der Galoppauswahl.
    Leider reicht z.B. eine abknickende Wiesenrennstrecke nach rechts nicht aus,
    ein Pferd das eben auf seiner (guten) linken Hand ist - rechts weiterzulaufen!
    Eine Teerstraße, ein Graben und ein (noch nicht abgedroschenes) Weizenfeld sind
    auch eine Wegoption für ein Vollblöd - Sie haben hier die offizielle Erlaubnis
    dem Tier deswegen "ins Maul zu greifen".

    Durchparieren: Reden Sie mit ihrem Pferd! Solange das Pferd im gestreckten
    Galopp noch die Ohren vorne hat - brauchen Sie mit halbblöden Paraden gar nicht
    erst anfangen. Wenn Sie die Ohren bei sich haben - verstärken Sie den
    Knieschlußdruck und blockieren damit die Vorwärtsbewegung. Leicht
    Zügelaufnehmen (nicht verkürzen!), dann testweise vorsichtig in den Sattel
    einsitzen - und dabei niemals mit beidhändigem Zügelzug dem Pferd die Chance zu
    geben sich auf den Zügel zu legen.

    -
     
  10. Topas31

    Topas31 Gesperrt

    Weiter "Solo für 2"

    Überhitzung: Das Heißlaufen eines Vollblöds ist vor allem für vollblöde
    Anfänger gefährlich. Diese nämlich haben schon bemerkt - dass ein Vollblöd sich
    am besten im Berg-auf-Galopp kontrollieren lässt. Soweit so gut - nur oben
    angekommen ist ein Vollblöd leider heiß - und hat dann auch noch den Schwung
    bergab. Wenn Sie Glück haben - besitzen Sie ein Traum-Blöd, dass nach dem
    Aufgalopp/Renn-Galopp dann gelöst - und entspannt ist, d.h. sie können die
    Zügel wegwerfen und genießen von da ab ein butterweiches Reitgefühl: Galopp
    stundenlang ohne Seitenstechen.
    Wenn Sie ein Normal-Blöd erwischen - macht das Reiten nach dem Renn-Galopp
    keinen Spaß mehr - denn die Rennmaschine unter ihnen lässt sich nur noch in den
    Schrabb zurückschalten.

    Eichung: Viele Vollblöd sind aufgrund ihrer Weitsichtigkeit nicht in der
    Abschätzung von Entfernungen geeicht und hat hieraus eine Dyskalkulie:

    Das bezieht sich wie schon zuvor genannt auf die Restlauf-Längen von Feldwegen,
    genau so aber auch die Maße, ob der Bauch (leider nicht mehr das Bein des
    Reiters) am Baum vorbeipassen und von der Höhe her richtet sich ein Vollblöd
    beim Unter-Ästen-Durchreiten nach Widerrist-Höhe plus Sattelauflage (und
    vergisst den Reiter hierbei völligst - kann sich ja flachlegen.



    Notfall-Diskussion

    Die Notfalldiskussion wird leider alleweil (d.h. in der Regel) fällig. Sie ist
    die allerletzte Maßnahme, wenn verschiedene andere Maßnahmen (von denen ich
    keine kenne) nicht greifen. Wenn Sie mit einem Vollblut im Gelände diskutieren
    möchten oder müssen - beachten Sie bitte folgende Hinweise:

    - Sie führen die vollblöde Diskussion auf eigene Gefahr - und auf der Gefährdung
    ihrer Umgebung und laufen Gefahr, die Diskussion zu verlieren

    - Diskutierende Pferde sehen grundsätzlich bemitleidenswert aus und schlachten
    dies v.a. in Angesicht von Publikum aus.

    Konkretes Beispiel: Junges Mädel mit leerem Energiespeicher sitzt auf heißem
    Vollblöd - und will blöderweise durch ein Dorf.
    Da das Pferdl

    a) nur noch mehr schrabbt,

    b) pitsche-patsche-naß ist und
    c) wegen Unwillen die Zunge heraushängen läßt, kann man sich vorstellen, welche
    Kommentare die vorbeilaufenden Dorf-Omalich für das arme Mädel im Rücken des
    Reituntieres bereit halten:
    "Oooch Gottle, schau ma der arme Gaul! Nass is er scho, die Zunge hängt schon
    raus - und rennen muss er auch noch...!!!"
    Und das Mädel obenauf betet darum, dass das Mistvieh darunter im Dorf nicht
    angaloppiert...


    - bei der Diskussion schließen sich nun erstmalig die Unterschenkel um das Pferd
    (vorsichtig, nicht ruckartig!). Das Gesäß muss sich fest mit dem Sattel
    verbinden und die Zügeleinwirkung - sich in Grenzen halten, da das ganze sonst
    nach (wieder die Auswahl.. Blüter sind halt flexibel..)



    a) oben losgeht oder
    b) nach hinten

    - aus diesem Grund sollten Sie Diskussionen mit (warmgelaufenen) Vollblütern
    mindestens auf weichem Untergrund UND weitem Fallradius durchführen, auch in
    der Nähe gelegene Mauern, Gräben, Teiche sind bzgl. des Rückwärtsdranges
    hinderlich - weil werden nicht als Grenze akzeptiert. Ein echter Rückwärtsdrang
    beginnt so ab 30 Metern..

    - Bewaffnung wird ihnen auf einem Vollblöd nicht viel nützen. Auf Sturblöds
    sollen Waffen ja Reaktionen hervorrufen - auf einem Vollblöd haben sie mehr als
    genug mit den Re-/Aktionen zu tun, als das sie noch irgendwo ne Hand frei
    hätten bzw. kann man Fersen auch dazu benutzen, sich festzuklammern....


    - bei und nach einer vollblöden Diskussion und nach dem Galoppweg wissen sie in
    jedem Fall - wie Adrenalin riecht, das ihre natürlich, nicht des Spaßmoppels
    unter ihnen...

    Reklamation & Umtausch

    Vollblüter sind seit jeher von der Reklamation ausgeschlossen. Ihr Ruf eilt
    ihnen seit Jahrhunderten voraus, und wer sich dennoch entschließt sich einen
    zuzulegen - kann nicht behaupten, ja nichts geahnt zu haben.

    Darüber hinaus wird sich der Vollblutverkäufer immer darauf versteifen, dass das
    (vorher wohlgerittene) Tier
    "...den Unsinn ja erst unter ihnen gelernt haben muss..." und das man deswegen
    "...das Tier nicht zurücknehmen kann..."


    Wer darüber hinaus schon mal in den Genuss eines entspannten Vollblut-Galopps am
    langen Zügel gekommen ist (während sich die Kollegen verbissen die Seite
    halten) - wird von da an gewiss nicht mehr tauschen wollen.

    Sollten sie allerdings von der heimtückischen und schwer therapierbaren Arabitis
    befallen sein - wenden Sie sich umgehend an ihren Züchter & Reitlehrer! Es gibt
    inzwischen ein Medikament am Markt - die Packungsbeilage hierzu - ein andermal
    .
    In jedem Fall wünschen wir ihnen alles Glück - Sie werden es brauchen können!
     
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