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FAQ: RB vs. Fremdreiter Part II - Fragen über Fragen

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Diskutiere FAQ: RB vs. Fremdreiter Part II - Fragen über Fragen im Versicherungsfragen Forum; Alle aus diesem Thema entstehenden Fragen können hier gestellt und diskutiert werden:...

  1. Smigel

    Smigel KvD- Klugscheißer vom Dienst

    Alle aus diesem Thema entstehenden Fragen können hier gestellt und diskutiert werden: http://www.reitsportforum.de/versic...a-rb-vs-fremdreiter-part-i-ii.html#post438506 [​IMG]



    Hier geht es um die Unterscheidung der beiden o. g. Reiter-Gruppen, den unterschiedlichen Haftungen des Halters gegenüber diesen sowie deren versicherungstechnischen Lösung.


    Erläuterung der im Folgenden verwendeten Abkürzungen:

    RB = Reitbeteiligung
    FR = Fremdreiter
    PE = Pferdeeigentümer
    VR = Versicherer
    THV = Tierhalterhaftpflichtversicherung
    OLG = Oberlandesgericht



    Teil 1: Der Versuch einer Definition


    Siehe hier: FAQ: RB vs. Fremdreiter Part I - der Versuch einer Definition



    Teil 2: die Sache mit der Haftung


    Willkommen in der Grauzone, die so viel Stoff für wilde Diskussionen am Stall liefert, in der selten richtige Aussagen erfolgen und am Ende alle noch verwirrter sind...

    Deshalb hier mal ganz von vorne und der Reihe nach:

    Der PE haftet beiden gegenüber generell wie gegenüber jeder anderen Person auch, Punkt. Die Ausnahme gilt für die RB: Es liegen einige OLG-Urteile vor, in welchen eine Haftung des PE gegenüber der RB verneint wird. Die Begründung ist recht einfach:

    Beginnen wir zum Vergleich beim Fremdreiter: Dieser ist eine „ganz normale dritte Person“ wie jede andere auch - wird dieser geschädigt (z. B. vom Pferd umgehustet), dann ist der PE zum Schadensersatz verpflichtet.

    Die Reitbeteiligung ist dagegen – wie aus den in oben verlinktem Beitrag ersichtlich und jedem Pferdemenschen auch bekannt – eben keine „normale dritte Person“, sondern verhält sich (zum Teil) wie der PE selbst; sie reitet „ihr“ Pferd. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Werde ich als PE vom eigenen Pferd runtergekickt, dann kann ich wohl kaum mir selbst zum Schadensersatz verpflichtet sein. Die RB nutzt die gleichen Vorteile wie ich, hat ein „eigenes“ Pferd – demnach kamen einige Richter zu dem Entschluss: Es kann nicht sein, dass eine RB alle Vorteile mitnimmt, keinerlei Nachteile hat (wie z. B. bei einer teuren OP des Pferdes – das geht alles alleine auf die Kappe des PE) – und dann noch absahnt, wenn ihr das „eigene“ Pferd zeigt, wie lecker der Hallenboden schmeckt. Sie wird dem PE dahingehend „gleichgestellt“ und kann somit keinen Schadensersatzanspruch an das „eigene Pferd“ (bzw. an sich selbst) richten.

    Diese Regelung ist sehr logisch und leuchtet (nahezu) jedem PE und auch jeder klar denkenden RB völlig ein.

    Warum aber handelt es sich hier um eine „Grauzone“? Ganz einfach: OLG-Urteile sind zwar einerseits eine Hausnummer an der man sich orientieren kann, eine 100%ige Rechtssicherheit sind sie trotzdem nicht; dazu müsste ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) herbei – aber genau das liegt bislang noch nicht vor.

    Aber: Es gibt Abhilfe, nämlich:


    Teil 3: die Versicherungen, oder: Alles wird gut!


    Die Lösung aller haftungstechnischen Probleme rund ums Pferd bietet immer die (richtige) THV. Jede normale THV versichert den PE in einer Form, dass sowohl das Thema Fremdreiter als auch die RB „mitversichert“ sind (die Formulierung ist zwar falsch, aber wir wollen ja nicht päpstlicher als der Papst sein).

    Das eine RB nicht extra „mitversichert“ sein muss bzw. das eine "Reitbeteiligungsversicherung" ganz großer Käse ist, wird hier erklärt: http://www.reitsportforum.de/newthread.php?do=postthread&f=72

    Wer sich den gesamten verlinkten Beitrag nicht antun möchte, dem sei kurz und knapp gesagt: Die „Reitbeteiligungsversicherung“ bzw. „Mitversicherung der RB“ ist völliger Käse, das braucht kein Mensch. Wer die RB in seine THV aufnehmen möchte, kann dies tun, ein Zwang dazu besteht jedoch nicht. Es bringt dem PE auch keine / kaum Vorteile.


    Teil 4: der Haftungsausschluss, oder: Wenn schon, denn schon!


    Viele RB-Vertragsvordrucke enthalten einen sog. „Haftungsausschluss“. Er bringt (meistens) genau das zum Ausdruck, was zu den OLG-Urteilen gesagt wurde (= keine Haftung des PE gegenüber der RB, wenn sie durch das Pferd geschädigt wird). Die rechtliche Wirksamkeit ist einerseits in Frage zu stellen, aber einen positiven Effekt hat das Ganze: Man hat diese Dinge nun schriftlich fixiert, was im Fall des Falles unnötige Streitigkeiten vermeiden kann, weil die Sache von vornherein klar ist. Das ist ja auch schon mal was.

    Und: Wenn schon, denn schon: Ein Haftungsausschluss gilt immer in zwei Richtungen: Richtet die RB einen Schaden (am Pferd oder den Reitsachen) an, so ist sie ebenso nicht zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Der Haftungsausschluss gilt logischerweise für beide Seiten NICHT mehr, sobald grobe Fahrlässigkeiten oder Vorsatz ins Spiel kommen!

    Erklärungen zu den Themen Fahrlässigkeit / Vorsatz gibt es hier: (Dieser Beitrag wird noch bearbeitet und zu gegebener Zeit verlinkt.)


    Teil 5a: die Krankenkasse der RB, oder: Hilfe, die wollen meine Knete!


    Liegt die RB im Dreck, kommt gelegentlich ein Arzt und die RB wird einer Wiederinstandsetzung unterzogen. Hier ist es in den meisten Fällen so, dass die Krankenkasse der RB die Kosten der Reparatur vom PE zurückfordert. Alles kein Problem: Das übernimmt die THV. Und zwar jede THV, auch ganz ohne die „Reitbeteiligungsversicherung“, deren Unsinnigkeit immer noch hier nachgelesen werden kann: http://www.reitsportforum.de/newthread.php?do=postthread&f=72

    Der Haftungsausschluss und auch die OLG-Urteile beziehen sich nicht auf die Ansprüche der Krankenkassen, diese bestehen unabhängig davon!


    Teil 5b: die Versicherungen der RB – oder: So jung kommen wir nie wieder zusammen!


    In einigen RB-Verträgen steht sinngemäß drin: „Die RB verpflichtet sich, eine Unfallversicherung abzuschließen!“

    Dieser Satz ist so grottendämlich, das jeder Normaldenkende beim Lesen des Selbigen seinen Kopf mehrmals feste mit der Tischplatte vereinen möchte. Da könnte genau so gut stehen: „So jung kommen wir nie wieder zusammen!“.

    Kurz: Die Versicherungen anderer Leute gehen keinen von uns etwas an und haben nie (!!!) etwas mit uns bzw. unserer Haftung gegenüber Anderen zu tun!

    Noch kürzer: Abhaken, vergessen, nicht beachten!



    Teil 6: Warnungen, oder: Was sollte ich tunlichst unterlassen um nicht im Fall des Falles mächtig ins Klo zu greifen?


    1.: Auch wenn es eine Selbstverständlichkeit ist: Kein PE sollte ohne THV da stehen!

    2.: Punkt 1. gilt noch viel mehr, wenn es FR und / oder RBn gibt.

    3.: gelegentlicher Reitunterricht: Sehr häufig kommt es vor, dass man als normaler PE in die Situation kommt, zum „Hobby-RL“ zu werden. Dazu reicht die augenklimpernd gestellte Frage der netten Kollegin, ob man nicht mal ihrer kleinen Tochter das Reiten nahe bringen könne, gerne möchte man sich auch finanziell erkenntlich zeigen, usw., usf... Ganz Clevere kommen nun auf die Idee, die kleine Tochter nun mal eben so als „RB“ zu deklarieren, aber: das kann mächtigen Ärger nach sich ziehen!

    Hier gilt unbedingt: Reitunterricht ist Reitunterricht und muss immer (!!!) entweder separat versichert oder durch den Versicherer „genehmigt“ werden. Diese Dinge müssen unbedingt schriftlich festgehalten sein, sonst kann es richtig böse enden! Also: Ab zum Versicherer / Versicherungsberater!

    4.: Mehrere RBn zur Finanzierung des Pferdes: Manch „ganz schlaue“ Person kommt auf die Idee, sich zur Finanzierung des eigenen Hobbys unzählige RBn anzulachen und das eigene Pferd permanent an diese zu „vermieten“. Das ist nicht der Sinn einer RB sondern „gewerblicher Verleih“. Dann ist das Pferd kein „normales“ Pferd mehr, sondern muss unbedingt als „Schul- bzw. Verleihpferd“ versichert werden! Auch hier gilt: Ab zum Versicherer / Versicherungsberater, oder: Diesen Unfug – auch im Sinne des Pferdes - gleich sein lassen. Pferde sind keine Spielzeuge, da gehören (von wirklichen, stets Korrektur gerittenen Schulpferden abgesehen) nicht 26 verschiedene Personen drauf.

    Auch für eine RB gilt: Finger weg von solchen Leuten, da ist der Ärger im Fall des Falles zu 95% vorprogrammiert, zudem gehören solche Machenschaften im Interesse des Pferdes nicht unterstützt!


    LG


    Dennis
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2013
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