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Ich "hasse" Natural Horsemanship

Diskutiere Ich "hasse" Natural Horsemanship im Pferdeflüsterer Forum; Angeregt durch den Kreinberg-Thread eröffne ich mal eine neue Diskussionsrunde. Ich möchte hier niemand angreifen oder jemand auf die Füsse...

  1. OneEleven

    OneEleven Inserent

    Angeregt durch den Kreinberg-Thread eröffne ich mal eine neue Diskussionsrunde. Ich möchte hier niemand angreifen oder jemand auf die Füsse treten, sondern einfach mal ein Thema in den Raum werfen, was vielleicht etwas provokanter ist, weil es nicht dem Tenor der Allgemeinheit entspricht.

    Ich bin schon relativ lange jetzt in der Pferdeszene und man macht so seine Erfahrungen im Laufe der Zeit und so kam auch ich irgendwann an den Punkt, an dem ich mit Natural Horsemanship konfrontiert wurde. Es war Parelli Instructor Birger Gieseke, der mich mit einer Vorführung in seinen Bann rieß. Wie toll musste es wohl sein, sein Pferd so lenken zu können. Also besorgte ich mir Bücher und Videos und saugte alles auf, was es zu dem Thema gab, bis ich irgendwann merkte, dass ich entweder zu blöd war diese Sache zu erlernen oder mein Pferd sich einfach nicht in dieses Schema pressen ließ. Mir wurde bewusst, dass es mit etwas "am Strick wackeln" oder etwas "hin und her schicken" nicht getan war und dass ich so nicht weiter kam. Vielleicht lag es ja auch einfach nur am falschen Lehrer? Vielleicht war die Methode von Monty Roberts ja einfacher zu verstehen, für mich und mein Pferd? Also kaufte ich sein Buch und nachdem ich es gelesen hatte war ich mir sicher: Hier stand die Gebrauchsanweisung für mein Pferd, ich musste sie nur Schritt für Schritt anwenden und schon würde ich ein anhängliches Pferd bekommen, was alles macht, was ich von ihm verlange, ohne sich zu widersetzen. Wieder hatte ich die Rechnung ohne mein Pferd gemacht. Der Kerl wollte einfach nicht auf das Join Up ansprechen. Runde um Runde galoppierte er um mich herum, zeigte hin und wieder auch die wichtigen Zeichen, aber an ein Follow Up war nicht zu denken. sobald ich aufhörte ihn zu treiben und mich wegdrehte nutze er die Gelegenheit in die entgegengesetzte Richtung zu marschieren und mich zu ignorieren. Statt mir mit Vertrauen und Dankbarkeit zu folgen, strafte er mich mit Ignoranz, egal wie lange ich ihn galoppieren ließ. Hm. Es lag sicher an mir, ich sendete sicher die falschen Signale! Der zufall wollte es und meine Nachbarin kam gerade mit ihrem Pferd zum Platz. Ich kannte das Pferd vom sehen, mehr nicht. Ich fragte sie, ob ich ihr Pferd mal "joinen" dürfe. Sie schaute mich etwas verständislos an, ließ sich aber dazu überreden und gab mir ihr Pferd. Keine halbe Stunde später lief mir dieses Pferd wie ein Hund hinterher. Ok, war ich also doch nicht ganz so doof. Ich habe das ganze dann auch noch mit anderen Pferden probiert. Es klappte bei allen, nur nicht bei meinem. Da gab ich auf. Es war eben nicht seine Methode. Vielleicht fragte er sich auch nach dem Sinn? Denn er kannte mich ja schon von klein auf und wusste, dass er mir vertrauen konnte? Vielleicht hat er aber auch einfach einen so starken Charakter und lässt sich nicht einfach mit so einem "Firlefanz auf den Rücken werfen"?!

    Ich ging in mich. Parelli hatte mich kein Stück weitergebracht und Roberts auch nicht. So kam ich nicht weiter. Was also tun mit einem ignoranten, respektlosen Junghengst, der auf die Wattewerfmethode nicht eingeht? Und dass, wo doch überall zu lesen war, dass Natural Horsemanship die Erfüllung von allem war, der beste Weg um sich sein Pferd zum Partner zu machen und das völlig streß- und gewaltfrei! Die Antwort bekam ich eher zufällig und sie kam reflexartig. Er war 1,5 Jahre alt und ich brachte ihn auf die Weide. Ich hatte ihm bereits das Halfter abgezogen und statt um mich herumzugehen, versuchte er mich "wegzudrücken". Ich holte in dem Moment aus und knallte ihm das Halfter an den Kopf, sodass er einen erschrockenen Satz zur Seite machte, mich anschaute und einfach stehen blieb. Hoppala!

    War ich bis zu diesem Tag der vollen Überzeugung, dass man jedes Pferd gewaltfrei erzogen bekommt, änderte sich hier meine Einstellung. Mein Pferd gehörte nicht zu dieser Sorte Pferd, auf die das zutraf. Selbstverständlich fing ich nun nicht an mein Pferd zu prügeln, bei weitem nicht, aber ich scheute mich auch nicht mehr, gegebenfalls auch mal etwas härter durchzugreifen, wenn es gar zu bunt wurde. Anklopfen, nachfragen, Tür eintreten lautet dabei mein Motto. Mit anderen Worten: Er bekommt schon die Chance zu reagieren, wenn ich etwas möchte, aber ich scheue mich dann auch nicht davor es durchzusetzen, wenn er diese Möglichkeiten ignoriert.

    Und hier komme ich wieder zurück zu den ganzen Natural Horseman Verfechtern, die dem Pferdehalter nach wie vor erzählen, dass eine gewaltfreie Pferdeerziehung mit jedem Pferd möglich und machbar ist. Beobachtet man Pferde unteinander stellt man sehr schnell fest, dass es hier alles andere als gewaltfrei abläuft. Es wird gedroht, getreten und gebissen.... Während manche Pferde bereits durch drohen in die Flucht geschlagen werden, sind andere hartnäckiger und lassen sich erstmal den "Frack verkloppen" bis sie nachgeben. Und so arbeiten viele nach dieser tollen gewaltfreien Methode, pendeln von einem Problem zum nächsten und finden es absolut daneben mal richtig durchzugreifen. Dabei würde ein einmaliges, konsequentes durchgreifen spätere Probleme erst gar nicht auftauchen lassen....

    So wird man nach wie vor schief angeschaut, wenn man mal einen "Schrei fahren lässt" oder das Pferd mal etwas unsanft anpackt. Ich habe genug von Natural Horsemanship, was mir erzählen will, dass es die Lösung für all meine Probleme ist... Es gibt Dinge, die sehe ich auch so, klar und die wende ich auch an, aber die habe ich auch schon unbewusst angewandt, bevor ich diese ganzen Gurus kannte. Und wisst Ihr was? Mein Pferd hat auch ohne "spielen" oder "Join Ups" oder sonstwas Vertrauen zu mir. Ich kann ihn ohne Sattel und Gebiss reiten und wenn er gerade Lust dazu hat, dann läuft er mir auch hinterher wie ein Hund. Und das, obwohl ich ihm manchmal eine hinhaue und nicht alle meine Methoden "natural" sind, aber letzendlich hab ich inzwischen ein gut erzogenes Pferd, was Respekt und Vertrauen zeigt und nach wie vor keine Angst vor Menschen hat. Und dass ist mit letzendlich am wichtigsten!
     
  2. Schimmi

    Schimmi Inserent

    wer sagt denn das NH pferdefeundlich ist?

    schon mal die gesichter der pferde gesehen? die werden vom feinsten mit druck gearbeitet und manche sogar "gebrochen". meine trainerin, lernte bei deinem besagten trainer und ich brauchte einige zeit um zu merken, das dies nicht unsere welt ist.

    ich arbeite wahrscheinlich in deine augen (wage ich jetzt mal zu behaupten) noch schlimmer, denn ich belohne mein pferd ausschließlich positiv. gutes wird belohnt, schlechtes ignoriert.

    natürlich lasse ich mich nicht umrennen und 3x bitte ich auch nicht. es gibt auch mal ein schrei, es gibt auch mal ein rückwärtsschicken. es ist ein pferd und kein wattebällchen, dennoch brachte uns nur das postive verstärken weiter. nichts anderes.
     
  3. Gromit

    Gromit Punktetierbändiger

    ***gähn**
    solche Themen hatten wir doch schon bis zum abwinken...
    in jedem Thread über NH kommen wir alle immer wieder auf diesen Nenner.
    Aber schön, dass du auch so denkst... worüber sollen wir eigentlich in diesem Thread reden?
    LG
     
  4. Schimmi

    Schimmi Inserent

    und auf welche nenner kommt ihr immer?
     
     
  5. Gromit

    Gromit Punktetierbändiger

    Naja, auf genau das, was OneEleven in ihrem Eingangsbeitrag schreibt. Nur das viele von uns erst gar nicht diesen Kram ausprobiert haben.
    Lest euch einfach mal durch diverse Themen in der Kategorie Pferdeflüsterer.
    LG
     
  6. RioNegro

    RioNegro Klugscheißer mit Herz Mitarbeiter

    Ganz ehrlich: ich finde, das ist die einzig vernünftige Art und Weise mit all den "Gurus" umzugehen!

    Hinschauen, auch mal was ausprobieren. Schauen, was gefällt mir. Was gefällt mir nicht. Was funktioniert, was nicht.
    Und sich dann seine eigene Meinung bilden!
    Für sich selbst und sein Pferd.

    Die wenigsten, vor allem ranghöheren Pferde, sind allein mit "bitte und danke" (du weißt, was ich meine) zu erziehen.
    Pferde untereinander sind auch nicht zimperlich!
    Die zeigen auch ganz klar, wo`s lang geht.

    Andererseits kann man mit bißchen Köpfchen und Know-How manche "Kraftanwendung" vermeiden. Indem man einfach von vornherein mal nachdenkt.

    Gut ist`s auch, sich Anregungen zu holen.

    Schwierig find ich`s immer dann, wenn diese Methode plötzlich die einzig richtige sein soll. Und plötzlich bei jedem Pferd alles ganz alleine und einfach funktionieren soll....

    Deswegen ist sicher bei weitem nicht alles verkehrt, was diese Leute erzählen. Aber auch nicht alles "Herkömmliche" ist verkehrt!

    Oftmals werden "neue" Methoden wie "Allheilmittelchen" angepriesen und als einzig richtig und pferdegerecht dargestellt -und unterm Strich geht`s doch nur um`s Geld....

    Wie so oft kommt`s halt auch hier auf`s rechte Maß an.

    Alle Gurus verurteilen und als Mist bezeichnen bzw sich für alles Neue verschließen ist genauso falsch wie jede Neuigkeit sofort in den Himmel zu loben.
     
  7. OneEleven

    OneEleven Inserent

    Und was tust Du wenn ein Pferd Dich umrennt? Es ignorieren?

    Ich finde positive Verstärkung nicht schlimm, im Gegenteil, aber ich arbeite eben nicht ausschließlich damit, weil ich eben finde, dass das gar nicht geht.

    Aber wie kommts dann, dass man nach wie vor schief angeschaut wird, wenn man mal "unsanfter" wird, wenn doch alle der gleichen Meinung sind?

    Szene auf dem Turnier: Man sah deutlich, dass das Pferd sich den Hilfen widersetzte, der Reiter korrigierte es etwas unsanft und sofort ging ein raunen durch die Menge. Sicher, er hätte es ignorien können, mit dem Ergebnis, dass es das Pferd vermutlich beim nächsten Turnier wieder so macht. Wenn ich ein showsmartes Pferd habe, dann kann ich es eben nur auf dem Turnier und während der Show korrigieren, auch wenns unschön aussieht.
     
  8. Aniele

    Aniele Inserent

    hey,

    also ich mache auch viel bodenarbeit und natural horsemanship hat mir auch bei manchen sachen geholfen indem ich das problem anders angegangen bin. aber ich bin sonst auch wie viele hier der meinung, dass man auch mal durchgreifen muss.
    ich nehme mir aus NHS auch nur das mit was ich gebrauchen und anwenden kann und teils änder ich dann halt was ab so wie es bei mir halt klappt.
    dennoch beim beißen gibts was aufe nase und beim umrennen schubse ich ganz deftig zurück. und anbrüllen tu ich meine drei auch mal wenns sein muss.

    zum korrigieren aufm turnier, ich denke es ist ok sofern es gerechtfertigt ist, das ist für viele zuschauer vielleicht nicht immer ersichtlich. aber dennoch sollte dabei auch die pferdegesundheit im vordergrund stehen, dass zb nicht mit den sporen zugestochen wird oder das gebiss an den ohren wieder raus kommt.
     
  9. Hazira

    Hazira offizielle ironische Forums-Klobürste

    was das thema der blinden guruverfolgung angeht kann ich dir, one, nur zustimmen.

    allerdings kann man sich auch ohne festlegung und tunnelblick aus den verschiedenen guru-theorieen seine ja zusammensuchen sodass sie zu "mir" und dem pferd passt....
     
  10. Schimmi

    Schimmi Inserent

    das beschrieb ich direkt danach, das ich so etwas nicht zulassen würde.

    und zu dem letzten satz, hier im zitat. ich finde es eher schlimm, das überall psychische tierquälerei stattfindet und zu viele ihre pferde anschreien und drauf hauen, statt ihm evtl. mal das "stehen" beizubringen.

    alles andere finde ich ehrlich gesagt verschwendung darüber nachzudenken.
     
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