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Junges Pferd als Nachfolger gekauft - und jetzt keinen Draht dazu

Diskutiere Junges Pferd als Nachfolger gekauft - und jetzt keinen Draht dazu im Pferde Allgemein Forum; Mich quält zur Zeit ein Problem, das ich mir jetzt einfach mal vom Herzen schreiben möchte. Und zwar habe ich seit 24 Jahren einen kleinen...

  1. Dani51

    Dani51 Mitglied

    Mich quält zur Zeit ein Problem, das ich mir jetzt einfach mal vom Herzen schreiben möchte. Und zwar habe ich seit 24 Jahren einen kleinen Vollblutwallach, der mein absolutes Herzenspferd ist. Er ist inzwischen 29 Jahre alt, es geht ihm noch relativ gut, er wird jedoch seit einigen Jahren wegen diverser Zipperlein nicht mehr geritten. Wir gehen spazieren und machen etwas seniorengerechte Bodenarbeit.

    Da ich mir mein Leben ohne Pferd bisher nicht vorstellen konnte und unsere gemeinsame Zeit vermutlich leider eher dem Ende zugeht, habe ich mir nun um die Jahreswende ein angerittenes Jungpferd gekauft. Dahinter stand sicherlich auch die Angst, beim Tod meines geliebten Pferdes in ein tiefes Loch zu fallen, aus dem ich nicht mehr rauskomme, und die Hoffnung, dass mich der Junior dann hoffentlich etwas „auffangen“ kann.

    Die Entscheidung für das Jungpferd und seine Auswahl fiel also aus rationalen Gründen, alles schien bestens. Und genau damit habe ich vermutlich einen Riesenfehler gemacht: ich habe nämlich das Herz vergessen.

    Jetzt steht er seit 2 Monaten da, ein kleiner, süßer Wallach, der sich inzwischen gut in die bestehende Herde integriert hat und sehr lieb und willig ist.

    Und bei mir springt einfach der Funke nicht über. Ich gehe mit dem Senior spazieren und kann mich danach nicht mehr aufraffen, mich mit dem Jungpferd zu beschäftigen, so dass dieses ziemlich unterbeschäftigt herumsteht. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, es ist so schwer… ein Versuch: Es berührt mein Herz nicht. Vielleicht, weil da kein Platz für ihn ist? Weil es besetzt ist, von meinem lieben alten Herrn?

    Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Eigentlich müsste ich mich doch freuen! Aber ich bin so gleichgültig, mache nur das nötigste, wie Hufe säubern, ein paar Möhren geben, zwischen durch habe ich mal etwas Bodenarbeit gemacht, aber eher lustlos. Der kleine Wallach spiegelt mich – er ist sensibel und spürt meine Distanz, er kommt nicht auf mich zu, macht bei den wenigen Arbeitseinheiten zwar brav mit, aber irgendwie automatisiert und freudlos, er weicht zurück, wenn ich die Box betrete.

    Indem ich die Zeilen schreibe, fühle ich mich ziemlich mies und schäbig, da ich genau weiß, dass es dem Jungpferd gegenüber so unfair ist, der Kleine kann ja nichts dafür. Bitte verurteilt mich nicht. Ich kein oberflächlicher Mensch, der sich ein Lebewesen „anschafft“ (wobei ich dieses Wort in dem Zusammenhang schon nicht mag) und es dann wie einen Gegenstand weitergibt. Der Kleine sollte ein neues Familienmitglied werden, das kleine Brüderchen vom Senior sozusagen. Aber ich kriege irgendwie die Kurve nicht.

    Zwei Alternativen stehen jetzt im Raum: entweder verkaufen an einen lieben Menschen, der ihn mehr wertschätzt als ich (was nicht schön für ihn wäre, da er nach so kurzer Zeit wieder in andere Hände käme – allerdings dann vielleicht liebevollere) oder durchhalten, mich aufraffen und vorerst „ohne große Gefühle“ weiter ausbilden und darauf hoffen, dass der Draht noch entsteht.

    Vielleicht hat jemand schon mal eine ähnliche Situation durchlebt und ein paar gedankliche Ansätze für mich.

    Lieben Dank, Dani
     
  2. Lorelai

    Lorelai Chaos-Trulla

    Ich hab mir vor einigen Jahren nach dem Tod meines "HerzensPferdes" ein junges pferd gekauft. Und mir gings wie dir. Ich hab nie wirklich einen Draht zu dem Tier gefunden, das war einfach nicht "meins".
    Ich hab das zwei jahre so durchgezogen, pferd ausgebildet, angeritten usw, habs aber letztlich doch verkauft, weil immer "was fehlte", es mir auch nicht wirklich Freude bereitet hat.

    Jetzt, jahre später, hab ich wieder ein pferd und da passt es vom Gefühl her viel besser. Das ist vom exterieur etc viel weniger "gutes pferd" als das davor, aber da hat das Herz mitgekauft und damit bin ich nun sehr glücklich.


    Vielleicht ist das junge pferd einfach nicht so ganz "deins"?
    Oder in deinem Kopf hockt irgendwas, das dir quasi "verbietet", dich ganz auf das neue pferd einzulassen, weil dein alter ist ja noch da und du willst den nicht "abschieben"?
    Ich denke, darüber solltest du dir irgendwie klar zu werden versuchen.
    Ist es ersteres, dann hast du wohl einfach nur das falsche pferd gekauft. Kommt vor, man kann - auch wenn alle äußeren Umstände passen - nicht unbedingt mit jedem pferd gleich, zu manchen findet man nen Draht, zu anderen vielleicht nicht so.
    Ist es das zweite, dann wird das mit keinem Pferd der Welt anders sein, denke ich.
     
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  3. Kröti

    Kröti Bekanntes Mitglied

    Ich hab schon mal ein Pferd verkauft, weil meine Jungstute und ich nicht mit ihm warm geworden sind. Eigentlich war er ein süßer, lieber und hübscher, aber er war nicht meiner.

    Jetzt ist er bei einer liebevollen Familie mit kleinem Kind und Mama, die ihn sehr lieben und es passt bei denen alles. Wenn ich Bilder von ihm bekomm ist es immer so, mit einem lachendem und einem weinenden Auge. Ich freu mich, dass es ihm so gut geht, aber ich hätte es mir anders gewünscht, aber nur im Nachhinein. Dafür hab ich mein zweites Traumpferd gefunden, um den ich mich jeden Tag gern kümmer und ihn reite.

    Wenn es nicht dein Pferd ist würde ich ihn lieber verkaufen und das perfekte Zuhause für ihn finden. Noch ist er nicht lange "raus" nachm Anreiten, für ihn ist es wahrscheinlich einfacher, je kürzer er da ist.
    Dein Pferd kommt bestimmt noch, wo gleich der Funke überspringt.
     
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  4. Frau Horst

    Frau Horst Bekanntes Mitglied

    Ich kann nur von mir sprechen, aber ich würde sagen, entweder es passt oder es passt nicht. Und wie du beschreibst, arbeiten kann man mit jedem, vernünftig und rational. Manche sind auch so gut, dass man sportlich damit gut kann, aber trotzdem nie warm wird. Und für manche empfindet man mehr als für andere, und das ist nicht zwingend abhängig von logischen Gründen.

    Wenn dir dein Gefühl sagt, es ist nicht deiner, tust du vielleicht euch beiden einen Gefallen, wenn man das Pferd und den Menschen findet, bei denen es besser klappt.
     
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  5. aquarell

    aquarell Inserent

    Ein wenig kann ich Dich verstehen. Ich hatte u.a. einen tollen Hengst, selber gezogen, aufgezogen und gekört bekommen. Dazu hatte ich seinen Halbruder (gleiche Mutter). Der sollte eigentlich als Absetzer verkauft werden, aber dann wurde er verletzt und wir wollten ihn erst mal behalten und dann als Reitpferd verkaufen.
    Das Einreiten etc war ja auch alles ganz nett, aber dann mußte der Hengst wegen einer Verletzung eingaschläfert werden. Den Bruder mußte ich aber trotzdem reiten. Spaß hatte es mir nicht gemacht, wir hatten zwar viele gute Zeiten, aber er war nicht mein Herzenspferd.
    Ich wollte ihn immer verkaufen, nur je länger wir uns zusammen rauften, desto mehr machte er mir Spaß. Ich hatte dann die Möglichkeit ihn evtl. sogar nach USA zu verkaufen, aber da wollte ich nicht mehr. Heute kann und will ich ihn nicht mehr hergeben. Wir haben zusammen schon so viel erreicht und konnte beide voneinander lernen.

    Wenn Dein Kleiner keinen Weg in dein Herz findet, dann versuche ihn wieder abzugeben. 2 Monate ist noch keine lange Zeit um wirklich zu fühlen, wie es um euch steht. Der Winter ist auch noch nicht ganz weg, daher würde ich jetzt das Pferdchen gar nicht groß bespaßen, ihn aber normal mitversorgen, wie man es auch mit anderen Pferden macht. Zum Frühling kommt meistens auch die Motvation wieder und man hat mehr Zeit und Lust sich auch mit etwas neuem zu beschäftigen.
     
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  6. Kigali

    Kigali Sternchenreiter

    Das der Funke nicht überspringt, kenne ich leider zu gut.
    Wir haben unsere erste Quarter Horse Stute importiert.
    Tolles Pferd aber es passte irgendwie nicht.
    Nach 1,5 Jahren stand mein Mann vor seinem "Traumpferd" und sagte, "ich kann dich nicht leiden und ich weiß, du mich auch nicht"

    Normalerweise gehören wir zu den Menschen, die Tiere nicht abgeben, einmal bei uns, bleibt bei uns.
    Es dauerte lange bis wir uns eingestanden haben, das wir mit der Stute nicht glücklich werden.
    Wir haben sie an beste Hände (natürlich weit unter Wert) verkauft, das ist mittlerweile 20 Jahre her, die Stute lebt noch immer bei den Leuten.
    Da die 2neuen" Besitzer gute Bekannte sind, trifft man sich hin und wieder...betritt mein Mann den Stall, hat die Stute keine Ohren mehr.
    Nach wie vor mögen sich die Beiden nicht.

    Ich glaube, artgerecht gehaltene Pferde brauchen keine Zuneigung vom Menschen.
    In dem Fall darf man dann aber auch nichts von ihnen erwarten (Mitarbeit)

    Setze dich nicht selbst unter Druck, höre genau in dich rein, passt es nicht, dann suche neue Besitzer, die den kleinen Kerl auch lieb haben.
     
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  7. PAweide

    PAweide Bekanntes Mitglied

    Meinen Mann ging es ähnlich. Sein erstes Pferd war schon nicht mehr 100% fit, als er durch Zufall an eine junge Stute kam. Diese stand dann erst in einem anderen Stall, in einem anderen Ort. Er hat sie dort angeritten, Grundausbildung gemacht, aber immer mit viel Distanz, auch räumlicher . Dann wollte er sie zum Monatsersten holen, gleichzeitig ging es der alten Stute aber sehr viel schlechter, und statt dass beide nebeneinander standen, übernahm die neue die Box der alten. Noch als ich ihn dann kennenlernte , Jahre später, sagte er, dass er zu J nicht so eine innige Bindung wie zu seiner L habe. Das änderte sich dann aber doch. J lebte auch 26 Jahre bei ihm, und 22 Jahre davon war dann auch der Draht da. J hätte für ihn alles gemacht, so wie später auch für mich und meine Kinder.

    Ich würde deinem Neuen noch Zeit geben, und auch dir. Ausser, du hast das Gefühl, dass es überhaupt nicht passt.
    Noch ist dein altes Pferd da, und dass es dir wichtig ist, ihm den Rest des Lebens noch viel zu geben ist normal. Vielleicht kannst du dein neues Pferd irgendwie mit einbeziehen , spazierengehen gemeinsam, oder falls der Junge schon geritten wird, Ausritte und den Alten als Handpferd mitnehmen?
     
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  8. sarah2010

    sarah2010 Bekanntes Mitglied

    Meine Shettystute war am Anfang gar nicht mein Pferd. Ich hab mich wirklich schlecht auch gefühlt, hatte keine Lust wirklich was mit ihr zu machen. Dazu war sie am Anfang ein absoluter Pflegefall und es war für mich einfach nur eine Belastung. Mir ist das immer noch total unangenehm.
    Nach gut einem Jahr hatte sie sich aber endgültig eingeschlichen, die ist einfach so nett und 'dankbar'. Mittlerweile möchte ich sie absolut nicht mehr missen :)
     
  9. terrorschaf

    terrorschaf Bekanntes Mitglied

    Das brauch einfach Zeit. Ich denke bei dir ist auch das Problem dass der alte noch da ist und man unterbewusst nicht ersetzen will und einem das noch viel mehr vor Augen hält dass das Leben endlich ist. Ich könnte mir vorstellen, dass da auch ein bisschen schlechtes gewissen ist, man will seinem treuen Partner nichts weg nehmen von der bisher vollen Aufmerksamkeit. Zeit und Kraft ist begrenzt.
     
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  10. Mahivo

    Mahivo Bekanntes Mitglied

    Meiner Mutter ging es auch so. Sie hat aus unserer Trakehnerstute ein Fohlen gezogen. Für sich, ein Pferd das nicht so explosiv und empfindlich sein sollte und auch etwas größer als die Mutter.
    Heraus kam ein tolles Stutfohlen, alles war bestens, aber meine Mutter ist nicht geritten. Irgendwann hat sie mit der Sprache rausgerückt das sie sich auf der Stute unwohl fühlt und gar keine Lust darauf hat sie zu reiten.
    Nachdem ich dieses Fohlen aber heiß und innig geliebt habe, hab ich sie übernommen.
    Meine Mutter hat sich dann eine junge Trakehnerstute gekauft die dieses Jahr angeritten wird.
    Worauf ich hinaus will ist: macht euch nicht unglücklich, es gibt bestimmt dort draußen jemanden der den kleinen Wallach lieben wird. Und genauso wird wieder ein Pferd auftauchen das dein Herz berührt.


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