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Pferd ohne Schneidezähne

Diskutiere Pferd ohne Schneidezähne im Sonstiges Forum; Hallo ihr Lieben! Ich befinde mich gerade in einer absoluten Krise. Ich besitze einen Wallach, den ich vor ca. fünf Jahren aus einem Schulbetrieb...

  1. Belli

    Belli Neues Mitglied

    Hallo ihr Lieben!
    Ich befinde mich gerade in einer absoluten Krise. Ich besitze einen Wallach, den ich vor ca. fünf Jahren aus einem Schulbetrieb freigekauft habe. Er ist ursprünglich ein ehemaliges Springpferd, mittlerweile 22 Jahre alt und trotz seines Alters noch topfit. Reiterlich und am Boden kann man noch alles mit ihm machen und auch charakterlich ist er ein heller und lustiger Kopf. Vor einiger Zeit nun die schreckliche Diagnose, dass ihm nach und nach alle Schneidezähne gezogen werden müssen! Ob es sich dabei um die gefürchtete Krankheit EOTRH handelt, ist nicht ganz klar, aber die Schneidezähne sind so porös und entzündet, dass wir nach langem Hinauszögern (es wurden bereits viele Schneidezähne gezogen) nun auch die verblieben letzten oberen Schneidezähne ziehen mussten. Unten hat er noch drei Schneidezähne, die können aber noch stehen bleiben, da sie noch nicht in einem ganz so schlechten Zustand sind. Glücklicherweise verfügt mein Wallach über recht gute Backenzähne, so dass dort noch kein Grund zur Sorge besteht.
    Vorgestern war es nun soweit. Die Zahn-OP... Und deshalb auch meine Krise und warum ich mich an Euch wende, um ggf Erfahrungsberichte von Euch zu hören.
    Das Schlimmste ist zur Zeit die Verabreichung der Medikamente. Besonders das Spritzen der Antibiose ins Maul versetzt ihn immer in eine Art Schockstarre und er verhält sich bestimmt eine halbe Stunde lang wie ein "Reptil", ehe er wieder auf mich oder ihm angebotene Leckereien reagiert. Ich habe schon das Gefühl, dass er das Vertrauen zu mir verloren hat. Sobald ich die Box betrete, wendet er sich angstvoll vor mir ab, da er schon Schlimmes erwartet. Dabei haben wir ein sehr gefestigtes Vertrauensverhältnis.
    Die Fütterung ist auch sehr problematisch. Laut TA soll das Kraftfutter erstmal wegbleiben. Somit versorge ich ihn so gut es geht mit Heucobs, Mash und geriebenen Möhren mit zerdrückter Banane. Er hasst die Heucobs und somit habe ich sie heute mit schmackhaften Säften verfeinert. Nur aus der Hand hat er sie zögerlich angenommen. Heu und Stroh fressen klappt, aber am liebsten frisst er Stroh.
    Ich habe ihn heute auch für ein paar Stunden auf die Wiese gelassen, da er seine Freunde sehr vermisst. Da das Gras bereits sehr kurz ist, fällt ihm das Rupfen sehr schwer und er war glaube ich froh, als ich ihn wieder reingeholt habe.
    Seine Zunge hängt beim Laufen schon arg raus. Wenn er sich darauf besinnt, zieht er sie wieder ein. Nur ein Schönheitsfehler, ich weiß, aber wenn man es nicht gewohnt ist, ist es doch recht hart, sein schönes Pferd so zu sehen, oder...?
    Ich bin im Moment einfach nur fertig und überfordert. Und am meisten beschäftigt mich die Frage, wie ist seine Lebensqualität in Zukunft? War die Entscheidung richtig? Aber von Entscheidung kann ja kaum die Rede sein, es war unumgänglich... Kann ich ihn wieder reiten und wie klappt das mit der Fütterung...?
    Fragen über Fragen, aber dieser Text ist eh schon zu lang. Ich würde mich so sehr freuen, wenn ich hier Antworten von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen bekommen könnte.
    Ich danke Euch auf jeden Fall schonmal im Voraus!
     
  2. Charly K.

    Charly K. ...ich bin doch nicht kreativ. Mitarbeiter

  3. Leo

    Leo . Mitarbeiter

    Kenne zwei Pferde, denen die Schneidezähne entfernt werden mussten.
    Der eine kann noch normales Futter mit den Backenzähnen kauen, auch Möhren, und auch Heu geht noch. Der andere bekommt täglich einen halben Sack Heucobs auf drei Portionen verteilt um auf seinem Gewicht zu bleiben.
    Der wird noch leicht geritten, was problemlos geht. Der andere nicht, was aber eher am altersgemäßen Allgemeinzustand als an den Zähnen liegt.
     
  4. pjoker

    pjoker Bekanntes Mitglied

    Alle die ich kenne,inkl meines alten Pferdes sind aufgeblüht nach dem Zähne ziehen.Einfach weil die Schmerzen weg waren.
    Wenn die Backenzähne in Ordnung sind ist es auch kein Problem wenn er die Heucobs nicht mag.
    Ansonsten evtl mal andere Sorte oder nicht so stark eingeweicht versuchen.
    Manche mögen das matschige nicht.
    Reiten ist wenn er nur fehlende Zähne hat uneingeschränkt möglich, Zunge hängt halt oft raus,aber das ist ja egal.
     
    baobap und Zitrone gefällt das.
     
  5. ulrike twice

    ulrike twice Heidemaus

    ich bin ja schon jemand, der den pferden viel "wie ein mensch fühlen" unterschiebt. aaber: sie jammern nicht wie wir!! (außer der menschen erzieht sie zum jammern, weil er so guckt und nachhakt, ob es ein leid gibt und sein pferd bemitleidet.)
    du kannst einem pferd quasi ein bein abhacken und es wird damit veruchen, überleben zu wollen. und es WIRD überleben, sofern dies möglich ist.
    pferde sind psychisch immer stark. viel stärker als wir. sie ertragen alles leid und empfinden es nicht als leid.
    sei auch du stark und gib ihm das vertrauen zurück ud beschäftige dich viel mit ihm. reite ihn, sobald die wunden verheilt sind. versuche, nicht bei dem anblick seiner fehlenden zähne zu jammern sondern habe eine schöne zeit mit ihm. dann wird auch er eine schöne zeit haben!:knuddel:
    pferde denken nicht, wie schön die zeit noch war, als sie noch schneidezähne hatten. sie denken bestimmt an alle erlebnisse ihres lebens - aber sie sie vergleichen nicht zum heute!
     
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  6. Farooq

    Farooq Erbsianerin

    die schwarze polin hat das auch, auch schon paar zähne weniger, auch welche vorne. kein problem......kannst doch auch versuchen gebisslos zu reiten, wenn du dich dann besser fühlst......so als idee!?!
     
  7. Belli

    Belli Neues Mitglied

    Vielen Dank schon mal für eure Antworten und Tipps. Ulrike twice, was du da schreibst, ist wirklich schön und ich bin heute Morgen emotional schon ganz anders an die Sache rangegangen.
    Ich bin stolz auf mein tapferen Pferd. Er ist so niedlich dabei.
     
  8. pjoker

    pjoker Bekanntes Mitglied

    Freu Dich einfach dass wenn es verheilt ist er keine Schmerzen mehr hat.Zahnschmerzen sind so quälend - und damit ist ja Schluss wenn sie weg sind :)
     
    baobap gefällt das.
  9. Belli

    Belli Neues Mitglied

    Hallo
    Genau eine Woche nach der OP möchte ich mich mal wieder melden und Euch ein wenig von Winnie erzählen.
    Zunächst einmal muss ich sagen, dass er damit viel viel besser zurecht kommt als ich. Es ist wirklich ein erstaunliches und tapferes Pferd. Seit einigen Tagen steht er nun halbtags wieder auf der Wiese. Dort kann er nicht fressen, da das Gras mittlerweile wirklich zu kurz ist. Er läuft aber mit seinem besten Kumpel rum und versucht zu grasen. Da es momentan so heiß ist und ich Angst habe, dass er es nun aufgrund seiner Angeschlagenheit auch noch mit dem Kreislauf zu tun bekommt, lasse ich ihn schon mittags vom Stalldienst reinholen. Das hat bisher auch ganz gut geklappt, nur heute hat er ganz klar gezeigt, dass er noch draußen bleiben wollte. Er ist gnadenlos vor dem Stalldienst abgehauen und hat sich nicht einfangen lassen. Außerdem hat ein Kumpel ihm die Fliegenmaske abgerissen, woraufhin er ihm im Gegenzug Halfter und Fliegenmaske abgezogen hat! Wie hat er das nur gemacht so ohne Zähne...?!
    Das Fressen klappt sehr gut. Mittlerweile darf er auch wieder Hafer, so dass ich die Heucobs nun weggelassen habe. Sie schmecken ihm einfach nicht und er nimmt sie nur aus meiner Hand. Da ich natürlich arbeiten muss, kann ich es nicht leisten, ihn mehrmals täglich aus der Hand zu füttern...!
    Möhren raspel ich ihm täglich, er kann Banane essen und zusätzlich bekommt er Mash. Heu und Stroh fressen ist kein Problem. Ich hoffe, sie wechseln bald auf die hohe Wiese, dann kann er vielleicht auch wieder grasen. Ich hab halt so Angst, dass er jetzt abmagert, was bisher zum Glück nicht passiert ist.
    Die ersten Tage habe ich Winnie sehr geschont, weil er ja noch immer unter Antibiose und Schmerzmittel steht und die Wunden noch so frisch sind.
    Nur langweilt er sich total, wenn er nichts zu tun hat. Kunststückchen auf der Stallgasse oder spazieren gehen befriedigen ihn einfach nicht. Somit habe ich ihn einfach mal an die Longe gehängt, nur um mal zu sehen, was er so will oder anbietet. Natürlich nur am Halfter! Schritt gehen war so gar nicht sein Ding. Er ist sofort angetrabt und später quietschend und buckelnd angaloppiert...
    Er hat so richtig Bock zu laufen. Laut TA darf ich sowas auch mit ihm machen, nur eben noch nicht reiten, weil es dauert wohl so vier Wochen, bis das allmählich verheilt.
    Gestern war der TA da und er meint, es verheilt richtig gut. Die Tamponaden wurden entfernt und es mussten keine neuen reingemacht werden. Auch das Antibiotikum war heute zum Glück alle und ich muss ihn nun nicht mehr damit quälen.
    Somit bin ich bisher also sehr zufrieden und auch erleichtert. Eine einzige Sache ist allerdings nicht so toll. Seine Zunge hängt halt meistens raus, was ich jetzt eigentlich nicht so schlimm finde. Nur merke ich, dass sie ihn beim Traben und Galoppieren total stört. Er ist die ganze Zeit am Lecken und Kauen und immer nur mit der Zunge zugange... Klar, das ist eben ungewohnt für ihn. Sein ganzes Leben lang haben seine Schneidezähne die Zunge zurückgehalten, und nun das....!
    Habt Ihr Erfahrungen damit, ob ein Pferd es lernen kann, die Zunge sozusagen durch "Muskelkraft" zurückzuhalten oder zu kontrollieren? Er tut mir nämlich echt leid dabei, weil es ihm einfach unangenehm ist.
    Soviel erstmal zu Winnie. Meine größten Ängste sind nun etwas abgeklungen, aber es bleibt natürlich immer noch ein leicht ungutes Gefühl zurück...
    Ich hoffe, wir werden beide lernen, damit zu leben und so natürlich wie möglich damit umzugehen .
     
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  10. Mirage

    Mirage Bekanntes Mitglied

    Hallo Belli, wir haben aktuell 2 Kandidaten ohne Schneidezähne, die Zunge kommt nicht mehr rein, die hängt halt raus beim einen mehr, beim anderen weniger. Ist aber auch egal, stört nicht wirklich. Beide fressen noch wunderbar Heu und wickeln noch gar nichts, klappt auch aus dem Heunetz und aus der Heuraufe. Der eine ist allerdings inzwischen 28 Jahre alt und setzt mit dem Heu nichts mehr an. Damit er nicht davonklappert bekommt der bereits seit längerem mehrere Heucobsportionen pro Tag. Da Heucobs alleine nicht schmecken mischt die Besi das regelmäßig wechselnd, d. h. da kommt dann ein Mash oder was anderes mit rein, dann schmecken die auch wieder. Grasen können beide noch problemlos, ist das Gras schon recht abgefressen, wird halt mit der Lippe gearbeitet, rein für die Kopfbeschäftigung vollkommen ausreichend. Der andere hat immer noch mit rein Heu eine sehr gute Figur. Muss man einfach auf sich zukommen lassen, aber ist halb so schlimm. Viel schlimmer ist die Schmerzzeit, bevor es erkannt wird und bis die OP dann stattfindet. Danach sind beide wirklich aufgeblüht.
     
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