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Pferdische Verhaltensweisen

Diskutiere Pferdische Verhaltensweisen im Sonstiges Forum; hallo ihr Lieben heute hat sich bei uns ein pferdischer Unfall zugetragen (ging gottlob gut aus, Pferd ist zwar angeschlagen, wirde es aber...

  1. Semmel

    Semmel Gesperrt

    hallo ihr Lieben

    heute hat sich bei uns ein pferdischer Unfall zugetragen (ging gottlob gut aus, Pferd ist zwar angeschlagen, wirde es aber überleben ;) )) und ich war mal wieder völlig fasziniert von der starken sozialen Interaktion.

    Eins der Pferde ist wohl ausgerutscht und unglücklich in den E-Zaun geraten. Hat sich mit den Hinterbeinen in den Seilen verheddert und eingewickelt, dabei ist es zu Boden gegangen und war dann mit einem Bein auch noch unter dem umgeknickten Metallpfosten eingeklemmt.

    Aufmerksam geworden bin ich durch das Rufen eines der Pferde. Ich schaute und sah sie liegen, daneben ihren langjährigen Partner stehen, der sie immer wieder und wieder anstupste und versuchte, sie zum Aufstehen zu motivieren.

    Ich rausge"rannt", hin zum Pferd, (die Leitstute kam mir gleich entgegen und begleitete mich zu der am Boden liegenden Stute und schaute ganz bedröppelt. 3 weitere Pferde kamen ebenfalls gleich dazu. Jedes der Tiere ging immer mal zu der am Boden liegenden und drückte ihr die Nase an den Kopf oder Hals oder Rücken..

    Ich checkte erstmal die Situation, bin dann als erstes mal den Strom ausmachen und wieder zurück, derweil blieben die anderen alle bei der Stute und brummelten mir entgegen. Ich hab dann erstmal versucht, den Pfosten zwischen ihren Hinterbeinen rauszukriegen, ging nicht, war mit der Litze eingeschnürt. dann die Litze oben ausgehängt und erstmal den größten Zug weggekriegt, nochmal zurück und eine Schere und eine Säge geholt (auf dem Weg bin ich dann im Schnee ausgerutscht und der Länge nach vorm Stall aufgeknallt) , zurück zur immer noch wartenden Pferdegruppe, mich dazwischen gekniet und die Seile durchgesäbelt.

    Derweil - ich schwör - haben die Rösser der am Boden liegenden Stute "gut zugeredet", es war wirklich so. Die Stute ist brav liegen geblieben, WEIL die andren sie so beruhigt haben. Es dauerte, bis ich die blöden Seile von ihrem Bein runtergewickelt hatte und ich mußte dazu dicht an die Hinterbeine und das ist sicher nicht ungefährlich, wenn die blöd getan hätte, könnt ich euch die Geschichte jetzt nimmer erzählen ;)

    Ich mußte das andre Bein hochheben, um an die Eisenstange zu kommen, mußte diese erstmal mit aller Kraft hochbiegen (heidenschiß, dass mein Rücken das nicht gepackt hat *bibber*) und konnte dann endlich das andre Bein aus dieser Zwangsjacke befreien und rausziehen.

    In der ganzen Zeit standen die Pferde um uns herum, keines ist mir im Weg gestanden, keines hat sich irgendwie bewegt, alle haben sie besorgt geguckt und beruhigend auf die Stute "eingeredet"-

    Nachdem ich sie befreit hatte, drehten sich die andren um und gingen wieder zum Business as usual über (Heuraufeninhalt checken). Der kleine Wallach, der Partner der Stute, blieb weiter bei uns und hat sie aufgemuntert, aufzustehen (sie traute sich nicht, war immer noch im Schock) ich hatte sie am Halfter und zog ein bischen und feuerte sie an und der Wallach stupste sie an und zog an ihrer Mähne.

    Bis sie endlich aufstand. Dann ging auch er zum Heu. Derweil die Stute immer noch sichtlich geschockt nun auch zur Herde zu den Raufen ging. Und dann das war echt nochmal interessant, ging jedes einzelne Herdenmitglied nochmal zu der Stelle im Zaun, gucken...

    Mal davon ab dass ich jetzt hier rumliege und um meinen Rücken bange, bin ich zutiefst berührt gewesen, von den Bemühungen des kleinen Wallachs um seine Gefährtin, von der Anteilnahme der Herde... und stelle mal wieder fest, dass diese Tiere ausgesprochen sozial interagieren, den Verunglückten nicht einfach so liegen lassen... interessant, nicht wahr? Da herrschen ganz ganz starke Bindungen und man versucht, zu "helfen". Hätte das Pferd nicht gerufen, hätte ich nicht unbedingt aus dem Fenster geschaut...und die Pferde haben das verletzte Tier beruhigt und der Wallach aktiv versucht, sie wieder auf die Beine zu kriegen :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Jan. 2017
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  2. Faszinierende Geschichte, Semmel.
    Ich hoffe, nicht nur die Stute, sondern auch dein Rücken hat das Abenteuer ohne erneute Blessuren überlebt.

    Ich glaube, dass in Herden lebende Tiere sozial sein MÜSSEN, weil sie nur durch den Schutz der Herde ihr Überleben sichern.
     
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  3. terrorschaf

    terrorschaf Bekanntes Mitglied

    Pferde sind schon toll. Und die wissen mehr wie man ihnen zutraut.
    Spannend finde ich in dem Zusammenhang, wie sie den Menschen als Hilfe sehen.
     
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  4. Semmel

    Semmel Gesperrt

    ach Soki :knuddel: danke, ja, hoff ich auch! Aber einer MUSSTE es ja tun und da ich die einzige war ;) schätze, morgen weiß ichs

    Aber ich war wirklich mal wieder beeindruckt, wie sehr die doch zusammenhängen! Wird einem mal wieder richtig bewußt bei sowas.

    Ich ddenke dann immer, was tun wir Menschen den Pferden an, wenn wir die immer wieder aus dem Herdenverbund und diesen pferdischen Beziehungen herausreißen, wenn wir den Stall wechseln..die hängen aneinander!:sad:
     
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  5. Gromit

    Gromit Punktetierbändiger

    Super gemacht!

    Das ist echt toll, dass alle so ruhig geblieben sind und sie beruhigt haben.
    Das spricht auch dafür, dass die Pferde darauf vertrauen, dass der Mensch kommen wird und hilft.

    Mein altes Pferd hat sich mal beim fressen in den Strick getreten und sich irgendwie so verheddert, dass er den Kopf nur ein paar cm übern Boden haben konnte. Ich war gerade auf der Koppel beim abaeppeln. Da hat er dann auch gewiehert und gerufen. Ich trottel dachte erst, der ruft mich weil sein Futter leer ist...
    Ich denke Pferde haben untereinander schon sehr starke soziale Bindungen und helfen sich gegenseitig.
    Das ist bei einer Herde mit sozial aufgewachsenen Tieren, denke ich, normal.
    Wenn bei uns im Stall Fohlen geboren wurden, wurde das immer von allen Pferden wiehernd Begrüßt, sobald es mal kurz weg war und wieder in den Stall kam (Boxen), obwohl viele Pferde es noch nicht mal sehen konnten oder an ihm geschnuppert hatten.
     
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  6. Semmel

    Semmel Gesperrt

    ja, das hab ich mir auch gedacht! Die haben nach einem Menschen gerufen.. und haben sich so verhalten, dass ich fast behaupten möchte, sie haben mir zugearbeitet. Und haben sich darauf verlassen und das auch der Stute sigalisiert, "der Mensch ist jetzt da, jetzt wird alles gut!"
     
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  7. Schogetta

    Schogetta Bekanntes Mitglied

    Ähnliches habe ich auch mal erlebt. Da rief mich eine Nachbarin der Vereinsanlage an, dass da ein Pferd nciht mehr aufstehen kann. Ich bin hingesaust und sah von weitem erstmal alle Pferde friedlich im Kreis stehen. Erst als ich näher kam, sah ich, dass eins lag und zuckte. Auch im Strom, im Hausstrom. Da kam aber gerade auch schon jemand anders, die ich vorher schnell auch zum Kommen bat, bevor ich los bin, die konnte den Strom ausstellen.
    Ich habe nicht wirklich mitbekommen, was genau die anderen Pferde gemacht haben, auf alle Fälle stand keins im Weg rum und alle guckten schon, was passiert. Wir musste ja auch erstmal die Litze durchschneiden, sie hatte sich zwischen Huf und Hufeisen festgesetzt. Gut, wir waren zu zweit, ich habe mich auf den Pferdehals gesetzt und ihm gut zugeredet, da konnte er nicht aufstehen. Dann haben die anderen Pferde, besonders seine Lieblingsstute, ihn auch angestupst und geguckt, ob er aufsteht.

    Und als mein Shetty vorletztes Jahr starb, waren die Pferde auch allesamt sehr sozial. Eigentlich war Elfie eher ein Eigenbrötler und ging ihre eigenen Wege und der Rest hat das akzeptiert.
    Als sie aber mit dem Schlaganfall umfiel und das in den E-Zaun, standen alle dabei und als ich den Strom aus hatte, habe sie ihr den Kopf geleckt, der zu ihnen durchgerutscht war. Ich war sehr gerührt damals.
     
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  8. Lynne

    Lynne Bekanntes Mitglied

    So doof die Geschcihte eigentlich ist, irgendwie ist die auch toll!
    Wir haben eigentlich echt schon ein tolles Hobby mit tollen Partnern!

    Hoffe dein Rücken überlebt das ganze.
     
  9. Semmel

    Semmel Gesperrt

    Gromit, das ist ja auch eine tolle Geschichte! Und Schogettas auch :applaus:, Schön :)
     
  10. melisse

    melisse Ritterreiterin

    @Semmel

    Das glaube ich sofort

    Das hast Du in der lang bestehenden Herde.

    Als meine Baby von dem Einstellhaffi angegriffen und schwer verletzt wurde,stand Waldi auch bei ihr und hat niemand in ihre Nähe gelassen.

    Er ging auch erst an die Seite,als ich da war und mich um die Stute kümmerte.


    Bei Waldi hatte ich das doch auch bei seinem Kieferbruch

    Da er die Kopfmaske auf hatte
    und ich hatte es eilig
    und hab einfach nicht richtig hin geschaut.

    Hatte ihm nur Heu vorgelegt und bin weiter.

    Er lief mir über den ganzen Paddock nach und hat mich immer wieder angewiehert.

    So nach dem Motto
    Frauchen,schau doch,ich brauche Hilfe!!!

    Das hat mich wirklich umgehauen.
    Das er mich ganz klar um Hilfe gebeten hat.


    Was mir immer auffällt,wenn sich einer ablegt,bleibt Minimum einer der anderen dabei stehen und hält Wache

    Geht dann auch nicht fressen oder trinken,bis der andere wieder wach ist.
     
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Thema: Pferdische Verhaltensweisen