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Problempferde/Menschen

Diskutiere Problempferde/Menschen im Pferdeflüsterer Forum; Ich habe in einem anderen Thema geschrieben, dass ich bei einem Pferd was beim Ta/Schmied beißt und gezielt tritt, eine Trense unter das Halfter...

  1. ulrike twice

    ulrike twice Heidemaus

    ist ja "schön", wenn "3x richtig durchgreifen" zum erfolg führt. was ist jedoch, wenn nicht? "3x richtig durchgreifen und as problem ist gelöst" ist ja kein "problempferd". problempferde sind diejenigen, bei denen es bleibt oder durch das "durchgreifen" das problem sich noch verschlimmert.
     
  2. Sancta

    Sancta Bekanntes Mitglied

    Wenn mich eins die Hufbearbeitung gelehrt hat, dann ein Gefühl zu bekommen aus welcher Mentalität heraus ein Pferd gerade blöd wird. Und genau das fehlt tatsächlich vielen Pferdebesitzern. Bevor man sich entscheidet, wie man reagiert, muss man sich erst einmal bewusst sein warum das Pferd gerade so handelt. Hat es Schmerzen? Ist ihm langweilig? Hat es keine Lust? Hat es Probleme mit der Balance? Probleme mit der Konzentration? Ist es abgelenkt von Umweltreizen? Schlechte Erfahrungen? … usw. usf.
    Erst wenn ich mir sicher bin, was die Ursache ist, handele ich. Ich bin der festen Überzeugung das kein Pferd grundlos bösartig ist. Das hat immer eine Ursache, und sei sie noch so banal. Natürlich darf ein Pferd nicht schroff gegenüber dem Menschen werden, wenn es einfach nur abgelenkt ist oder ihm das ganze zu langweilig ist. Das hat dann was mit der Grunderziehung zutun. Ich hab viele Pferde kennengelernt, auch viele die wirklich gefährlich wurden mit Steigen, Beißen und Treten (ich rede jetzt rein von der Hufbearbeitung und dem Umgang währenddessen). Allesamt sind mittlerweile brave Pferde die ordentlich stehen, mit keinem von ihnen musste ich kämpfen. Hatte dafür aber für jedes einen individuellen Lösungsansatz der geholfen hat, einfach weil die Ursache völlig unterschiedlich war.
    Mal ein paar Beispiele:

    Pferd Nr. 1:
    Eines dieser Pferde ist eine Friesenstute die im Umgang das bravste Pferd ist, bei der Hufbearbeitung laut PB aber schon immer schwierig war. Bei unserem ersten Termin, und das sage ich heute gerne noch, war ich der festen Überzeugung das mich dieses Tier umbringen wollte. Da stand ein Pferd was vorne raus gehauen und mich über den Haufen gerannt hat, und hinten so gezielt seitwärts rausgekickt hat das sie mich mehrfach an der Hüfte getroffen hatte. Ich konnte das Bein nicht mal anfassen ohne das es getreten hat. Manch anderer hätte da hart durchgegriffen, dem Pferd ordentlich eine mitgegeben oder schlimmeres...
    Ich habe abgebrochen, mir das ganze nochmal durch den Kopf gehen lassen und einiges vom PB erzählen lassen.
    Das Pferd hatte pro Jahr mindestens zwei Hufgeschwüre hinten, das letzte war nicht lang her und sie am Ende auch die Behandlungen vom TA leid. Es war ein super heißer Sommertag, mit extrem vielen Stechmücken und noch dazu kam vor wenigen Tagen erst ein neues Pferd in die Herde. Aufgrund der Gesamtsituation und der unwahrscheinlich schlechten Erfahrung (Schmerzen bei der Behandlung der Hufgeschwüre) haben wir uns dazu entschieden mit Futter zu arbeiten. Das erste Jahr bestand daraus das wir während der Hufbearbeitung durchweg was besonderes (was sie sonst nicht bekommt) gefüttert haben. Sie war zwar noch immer unwahrscheinlich zappelig und ich musste etwas auf der Hut sein, aber man konnte zumindest arbeiten. Nach einiger Zeit wurde es dann besser, so das wir angefangen haben nur noch während der hinteren Hufe zu füttern damit sie nicht kickt. Jetzt, 2,5 Jahre später, steht sie wie eine eins ohne Futter und lässt mich vernünftig arbeiten. Hufgeschwür hatte sie, seitdem ich dran war, keines mehr und damit war auch das negative (Schmerz) mit positivem (Futter) überdeckt worden.

    Pferd Nr. 2:
    Das Pferd ist leider nicht mehr in meiner Kundschaft da es verkauft wurde, hat mir aber unfassbar viel Geduld eingeimpft. Die Connemara Stute wurde aus schlechter Haltung geholt. Meine Infos hierzu waren "Angst vor fremden Menschen" und "selbst sediert konnte man ihr die Hufe nicht machen weil sie weiterhin gekickt hat". Vor Ort zeigte mir die Stute schon auf 5m Entfernung was sie von mir hielt. Sie versuchte so viel Abstand wie möglich zu bekommen und wenn ich zu nah kam, wurde sie aggressiv und drohte auf Angriff zu gehen. Auch hier arbeiteten wir mit Futterlob, wobei sie erstmal null Interesse daran hatte. Also ließ ich mir erstmal die Geschichte erzählen, wobei sie auch nicht viel mehr sagen konnte außer das die Stute von Menschen aufs übelste misshandelt und verprügelt wurde. Etliche Narben zierten ihr Gesicht...
    Die nächsten 5 Termine bestanden erstmal daraus das ich mich in der Nähe aufhielt, die Stute aber ignorierte. Irgendwann gewann die Neugier und sie nahm ab und zu mal einen Apfel von mir. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis ich sie und irgendwann auch die Beine berühren durfte, eine zu schnelle oder unbewusste Bewegung und die Stute schaltete direkt auf Angriff und Flucht um. Das ganze zog sich ein Jahr hin bis ich vorne relativ zuverlässig bearbeiten konnte, hinten kickte sie noch immer. Auch hier arbeiteten wir weiterhin rein über die Geduld, Stimmlob und Timing. Nach insgesamt dann 1,5 Jahren konnte ich alle vier vernünftig bearbeiten. Sobald fremde Personen an uns vorbei gingen mussten wir aber unterbrechen weil sie wieder in Panik verfiel. Nach zwei Jahren durfte ich mich dann auch schneller und flüssiger bewegen, eigentlich wie bei einem normalen Pferd. Dann wurde sie leider verkauft.

    Pferd Nr. 3:
    Dieses Pferd ist recht aktuell, ein Kaltblut Jährling. Er kam mit 8 Monaten zu Bestandskunden von mir und kannte nix, nicht mal den normalen Umgang mit Menschen. Wir bauten alles Schritt für Schritt auf, wie es sich für ein Jungpferd gehört. Wir konnten mittlerweile alle vier Hufe bearbeiten, auch wenn hier und da noch etwas Konzentration fehlte. Unser normaler Intervall beträgt 4 Wochen, zuletzt hatte sich das aber aufgrund der Kunden verzögert so das wir 8 Wochen Pause hatten. In den 8 Wochen hat der kleine Mann seine Stärke entdeckt, noch dazu der mangelnde Platz jetzt im Winter um ordentlich zu toben und kastriert ist er auch noch nicht. Bei seinen Besitzern ist alles gut, hier und da etwas büffelig wenn er lieber spielen will aber sie setzen sich konsequent durch oder, wenn sie im vorhinein merken das er heute dafür keine Konzentration hat, sie lassen das üben einfach mal einen Tag pausieren.
    Nach den 8 Wochen kam ich dann wieder und der erste Huf ging super gut. Bei dem zweiten wurde er dann wahnsinnig hampelig und ignorant dem Menschen gegenüber, aber nicht doof im Sinne von treten. Da er sich auch nicht durch Futter ablenken ließ und ordentlich büffelig wurde habe ich mich dazu entschieden mit ihm einfach nur zu üben das er, auch wenn er gerade anderes im Sinn hat, so eine Situation mal durchhalten muss. Also wirklich nur Bein oben halten bis er aufhört zu zappeln und dann wieder ablassen. Nix was er nicht kennt oder nicht kann. Nachdem er mir aber zu stark wurde entschied ich mich ein Seil zur Hilfe zu nehmen damit ich gerade stehen und besser dagegen halten kann. Damit haben wir dann noch ein paar Minuten geübt und es wurde von Minute zu Minute wieder besser. Drauf hauen oder gar bestrafen hätte hier gar nix gebracht, man musste nur konsequent sein. Aktuell arbeiten wir (auf Wunsch der Kunden) im 2-3 Wochen Rhythmus und machen immer nur zwei Hufe, damit er sich in der schwierigen Phase gerade nicht so lange konzentrieren muss und keine schlechte Erfahrung macht.


    Es mag Pferde geben die im ersten Moment wie ein C Pferd wirken, mMn sind aber alle C Pferde von Menschen erschaffen. Ich stehe zu dem Satz "es gibt keine Problem-Pferde, nur Problem-Menschen". Ich bin auch nicht der Überzeugung das man Pferde schlagen muss, es gibt immer einen anderen Weg! Der ist vielleicht nur etwas aufwändiger und langwieriger, für die Pferde-Psyche aber definitiv immer die bessere Wahl.
     
    Steady, Wuzel und Charly K. gefällt das.
  3. Luki

    Luki Bekanntes Mitglied

    Ich finde das ein super spannendes Thema. Viele würden mein Pferd wohl als C Pferd betiteln. Das ist er aber eindeutig nicht. Der hat halt einfach nur mit mir als Besitzerin jemanden, der solche Probleme bis dahin nicht kannte, und leider auch an die falschen Trainer geriet.

    Ich habe in meinem Leben aber 2 C Pferde kennen gelernt. Für das eine Pferd hat die Besitzerin sich nachher einen Hof gekauft, weil es einfach gefährlich war sie in einen Pensionsstall zu stellen. Leider weiß ich nicht was aus dem Pferd geworden ist.
    Das andere Pferd war in (der gefühlt 1000.) Profiausbildung und macht sich langsam. Die letzte Trainerin hat da echt für Veränderung gesorgt!
    In beiden Fällen bewundere ich die Besitzer extrem, denn ich hätte das wohl nicht durchziehen gekonnt. Andererseits weiß ich auch nicht, was ich getan hätte.

    Deshalb bin ich froh, dass meiner "nur" ein B-Pferd ist, denn auch wenn ich Tag für Tag aufs Neue hart an mir arbeiten muss (und nicht weiß, ob ich da aktuell bereit zu bin), macht der einem immer wieder Hoffnung.
     
  4. Farooq

    Farooq Erbsianerin

    Hm? Ich kenne gar keine solche Pferde! Wohl Glück gehabt in den letzten ...35 jahren?
     
  5. Luki

    Luki Bekanntes Mitglied

    Freu dich wirklich drüber!
    Die beiden die ich kenne waren teils wirklich lebensgefährlich und ich hätte die Besitzer in beiden fällen verstanden, wenn sie den letzten Weg mit ihnen gegangen wären.
    Bei dem einen Pferd hat die jetzige Besitzerin das Pferd davor bewahrt, ich weiß jedoch, dass sie auch darüber nachgedacht hat.
     
Thema: Problempferde/Menschen