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Therapiereiten

Diskutiere Therapiereiten im Allgemein Forum; Hallo,Ich bräuchte mal ein paar Tips, von Leuten die mit so etwas vielleicht Erfahrung haben.Kurz zur Situation: Ich bin selbst Psychologin und...

  1. GoldenGeisha1

    GoldenGeisha1 Inserent

    Hallo,Ich bräuchte mal ein paar Tips, von Leuten die mit so etwas vielleicht Erfahrung haben.Kurz zur Situation: Ich bin selbst Psychologin und arbeite bei einer Organisation, die Jugendlich mit Behinderung und psychischen Erkrankungen begleitet. Seit neuestem betreue ich einen Klienten, der den Wunsch geäußert hat zu reiten. Ich selbst reite seit 15 Jahren und bin seit 7 Jahren Pferdebesitzerin. Allerdings habe ich keine Reitlehrerausbildung (habe allerdings schon ab und zu mal unterrichtet) und auch keine Ausbildung fürs Therapiereiten. Rechtlich wurde mit der Organisation alles abgeklärt, so dass ich den Klienten ohne rechtlichem Risiko reiten lassen kann. Wir waren nun schon einige Male reiten. Mein Pferd ist super brav und auch der Klient macht sich erstaunlich gut (kann alleine aufsitzen, hat einen guten Sitz und schafft es bereits das Pferd vorwärts zu treiben). Allerdings fallen ihm manche Dinge auf Grund seiner speziellen Situation sehr schwer. Vor allem Dinge, die Körperkoordination betreffen z.b. Leichttraben, Gewichtverlagern. Ich fürchte auch, dass es schwer sein wird ihm diese Dinge voll und ganz beizubringen. Ich will ihn aber auch nicht nur an die Longe nehmen, da er auch ein bisschen lernen soll, selbst zu handeln und ich meinem Pferd 100% vertraue, dass sie auch ohne Longe keinen Blödsinn anstellt. Meine Frage: Wie kann ich die Stunden am besten gestalten, so dass der Klient maximal davon profitiert (auch wenn er vermutlich nie alles können wird)? Welche Übungen wären sinnvoll (auch im therapeutischen Sinne) und machen Spaß? Ich will natürlich auch vermeiden, dass er meinem Pferd beim Leichttraben ständig ins Kreuz fällt. Wie kann man das am besten üben?Freue mich über Antworten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Nov. 2011
  2. mascho

    mascho Inserent

    Ich selbst habe keine Erfahrung mit Therapiereiten, aber ich kenne auch eine Reiterin, die aufgrund einer Gleichgewichtsstörung und gesundheitlichen Problemen (Hüfte) nie wird so richtig reiten können.
    Für sie ist eigentlich das Beste am Pferd der Umgang mit ihm, das heißt viel Bodenarbeit, Führungstraining,Scheutraining(mit einem lieben Pferd) , Zirkuslektionen um Erfolgserlebnisse zu schaffen. Wenn ich mir deinen Text so durchlese, wäre das vielleicht auch was für deinen Patienten.
    Außerdem könntest du leichte Voltigierübungen mit einfließen lassen, gerade das Reiten /Longiert werden mit dem Voltigiergurt stellt diesen direkten Bezug zum Pferd her.
    Eine weitere idee wären noch Übungen auf dem Pferd im Stand, mit Tüchern, Bällen, Luftballons - naja, je nachdem wie alt dein Patient ist ;-)
    Beim Reiten ansich würde ich ihn gar nicht mal so viel frei im Trab/Galopp reiten lassen, sondern ihn im Schritt mit dem Pferd Denkaufgaben lösen lassen. Sowas wie Stangenlabyrinth, Sackgasse, Schrittstangen, Pylonen zum drum herum reiten und was man noch so kennt. Die Geschwindigkeit ansich ist ja bei einer Reittherapie nicht das entscheidende. Man kann schnellere Gangarten natürlich trotzdem einbauen, aber ich würde das eher so zum Schluss als Sahnehäubchen einbauen, gerade wenn dein Patient reiterlich Anfänger ist.
    Ansonsten würde ich dir raten, mal ein bisschen zu googeln zum Thema Reittherapie. Viele Reittherapiecenter haben eine eigene Website und stellen darauf auch einige Übungen vor /zeigen Fotos von Übungen.
     
  3. Juergen

    Juergen Neues Mitglied

    Erstmal Respekt, dass jemand sein eigenes Pferd benutzt, um seinen Patienten zu helfen oder damit die Patienten etwas mehr Lebensfreude entwickeln. Finde ich äußerst bemerkenswert, weil selten.Ich habe schon öfters beim therapeutischen Reiten zugeschaut und ein bisschen geholfen. Die Übungen, gerade Freiübungen, haben oft leider die Kehrseite, dass, wenn man übertreibt (Ballspielen auf dem Pferd u.ä.) es dazu führen kann, dass ein Schüler, der an sich einen recht guten Sitz hat, beginnt, sich mit den Oberschenkeln anzuklammern.Wenn die Zeit da ist, würde ich fast empfehlen, einen Kurs für therapeutisches Reiten zu machen, auch wenn du für die Prüfung nicht zugelassen wirst (ich müsste mal genau nachfragen, aber meines Wissens muss man die Trainerlizens haben, das therapeutische Reiten ist eine Zusatzausbildung). Kurze Worterklärung: Heute ist ein Reitlehrer kein Reitlehrer mehr, sondern Trainer, da die FN die verschiedenen Sparten angepasst hat. Was zur Zeit so meine Idee wäre, Baustellenhütchen zum Drumherumreiten und damit der Patient Vertrauen in sich und das Pferd bekommt, zwischendurch kurze Freiübungen (Arme kreisen u.ä.), aber das nicht zu lange. Wäre einfach so meine Idee. Und die Trabphasen am Anfang relativ kurz zu halten, damit der Reitschüler immer wieder den Sitz korrigieren kann.Viele GrüßeJürgen
     
  4. GoldenGeisha1

    GoldenGeisha1 Inserent

    Super, das ist ja schon mal was! Vielen Dank! Ich werde sicher einiges davon das nächste Mal gleich ausprobieren. Und wahrscheinlich ist es wirklich sinnvoll mal in so einen Kurs reinzuschauen. Die Trainerausbildung werde ich allerdings nicht machen. Ich habe grundsätzlich nicht vor mich auf Reittherapie zu spezialisieren, da es bei uns im Moment ein recht aussichtsloser Job ist. @Juergen: Danke :). Ich habe wirklich kein Problem mein Pferd für solche Zwecke einzusetzen. Wie gesagt, ich vertraue ihr 100% und so lange ich dabei bin und selbst bestimmen kann, was gemacht wird, kann meiner meinung nach auch nicht all zu viel "verdorben" werden beim pferd. Ich finde es außerdem auch sehr schön zu sehen, wie sich das Pferd auf einen Reiter einstellt, der beeinträchtigt ist und mit dem man vorsichtig sein muss.
     
     
  5. Honigmaus

    Honigmaus Inserent

    Meine Mutter bekam selber therapeutisches Reiten, ich war bei den meisten Stunden anwesend und habe mitgeholfen.
    Kurze Anamnse: MS-Patientin, damals hatte sie die Krankheit schon 7 Jahre etwa, Gleichgewichtsprobleme waren vorhanden
    Auf dem damaligen Hof wurden auch die Kleinsten so an das Pferd herangeführt (okay, bei den Gesunden war das ohne Sattel und nur geführt Schritt).

    Erstmal ist es wichtig, dass dein Klient das Pferd im Schritt sicher lenken kann.
    Wenn er traben soll, bringst du ihm erst das Aussitzen bei. Das fällt den meisten leichter als das Aufstehen im Takt, das kommt später, wenn sie das "Gefühl" für den Trab entwickelt haben. Am beste ist, du nimmst ihn für das Traben an die Longe und lässt ihn im Schritt frei reiten.

    Auf dem Hof haben sie meist diese Übungen gemacht (im Schritt, später an der der Longe auch im Trab, mit Voltigurt):
    Kirschen pflücken (Abwechselnd die Arme abwechselnd nach oben strecken und imaginäre Früchte pflücken)

    Mit der rechten Hand die linke Fußspitze anfassen (nur für Fortgeschrittene, die sicher im Sattel sitzen, dadurch wird man im unteren Rücken schön locker und der ist ja wichtig um mit den Bewegungen des Pferdes mizugehen)

    Das Pferd umarmen
    Den Oberkörper nach hinten lehnen, bis der Kopf auf der Kruppe des Pferdes liegt

    Habt ihr Pylonen da?
    Eine davon auf einen Stuhl stellen (je nach Größe deines Pferdes) und dann eine Gerte darein stecken lassen oder auch diese Taucherringe so drauf werfen, dass sie stecken bleiben und nicht auf den Boden kommen.

    Wäsche aufhängen (okay, viel Vorbereitung, aber vielleicht hilft dir dein Klient ja dabei?), da stellt sich das Pferd parallel zur Leine und der Klient muss Wäschestücke (Handtücher eignen sich gut dafür) mit Wäscheklammern aufhängen (macht wirklich Spaß)

    Auch mal zur Abwechslung der Koordination Trampolinspringen, versuchen schneller bzw. höher zu springen.
    Auch Übungen mit Gymnastikbällen kommen gut an (zum Aufwärmen, wir haben das öfters in der Springstunde gemacht, wenn es zu warm zum reiten war)

    Mmmhhhh.... *denk*
    Rückwärtsreiten? Oder im Damensitz? Das schult unheimlich die Koordination und das Gleichgewicht.

    Die Beine vor das Sattelblatt legen (mach das mal selber, da sitzt du viel mehr auf dem Po als sonst und fühlst die Bewegungen besser).


    Mehr fällt mir grade nicht ein.
    Aber bei sowas sind der Phantasie eine Grenzen gesetzt ;)

    Ach ja: Was ich dir empfehlen würde ist die Anschaffungen eines Voltigurtes. Da hat man viel mehr möglichkeiten sich zu bewegen und ist nicht eingeengt.
    Mir hat das grade am Anfang (ich habe erst Voltigiert) sehr gut geholfen, mich an den Partner Pferd zu gewöhnen und mein Gleichgewicht zu schulen.
     
  6. Juergen

    Juergen Neues Mitglied

    @GoldenGesha1: Keine Ursache. Ich schließe mich dir übrigens vollkommen an. Ich schrieb ja, dass ich öfters beim therapeutischen Reiten mithalf. Ich fand beides faszinierend, wie ein Pferd sich auf eine gehandicapte Person einstellt und - das war noch faszinierender - wie psychisch kranke Kinder oft mit dem Pferd umgehen - sehr oft ungeheuer liebevoll. Vielleicht haben sie festgestellt, dass Pferde oft doch die besseren Menschen sind, manchmal sah es so aus. Ich denke über verhaltensgestörte Kinder muss ich nichts sagen, das ist ja wohl eher dein Gebiet. Ich stelle mir nur als Laie oft die Frage, wer wirklich bescheuert ist, die "verhaltensauffälligen" Kinder oder die "normalen" Erwachsenen mit ihren abschätzigen Blicken, wenn sie diese Kinder sehen. In dem Stall, in dem ich half, war die ganze Bandbreite vertreten, körperlich und geistig Behinderte. Noch ein Tip. Es gibt Reitställe, die therapeutisches Reiten anbieten oder sich sogar darauf spezialisieren. Vom Zuschauen kann man da einiges lernen und oft sind sie ziemlich froh, wenn sie noch einen Helfer bekommen. Einfach mal googeln, ob es in deiner Gegend so etwas gibt. Ich denke auch nicht, dass es dem Pferd schadet, ich habe es noch nie erlebt und kann es mir absolut nicht vorstellen. Also viel, viel Glück und Spaß Jürgen
     
  7. GoldenGeisha1

    GoldenGeisha1 Inserent

    Vielen Dank für die hilfreichen und ausführlichen Tips! Ich werde sicher einiges davon umsetzen können Das mit den Therapieställen ist auch eine gute Idee. Ich wüsste glaub ich sogar, wo bei mir in der Nähe einer ist.
     
  8. Fujai

    Fujai Guest

    es gibt einige therapieschulen die arbeiten nach dem marburger modell (dieses wurde zuerst für sehbehinderte kinder entwickelt) dort wird das reiten zunächst im sicherheitssitz gelehrt, der das pferd schont und es dem reiter einfacher macht. hier mal ein link, falls es dich interessiert http://www.touched-by-horses.com/pdf/2009_06_Unser-Pferd.pdf

    dort steht auch noch eine adresse und telefonnummer wo man ein lehrvideo (DVD?) und eine ausführliche broschüre erhalten kann.
     
  9. Jen89

    Jen89 Neues Mitglied

    Hallo GoldenGeisha,

    fals du interesse daran hast auch mit anderen Klienten in Zukunft mit therapeutischem Reiten zu arbeiten, würde ich dir die Zusatzausbildung schon empfehlen. Die kann man beim Förderkreis Therapeutisches Reiten machen. Für den ersten Grundkurs muss das Reitabzeichen Kl. IV vorliegen.
    Förderkreis Therapeutisches Reiten e.V.
    Viel Spaß und Erfolg wünsch ich :joyous:
     
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