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Überreaktion auf Cepesedan

Diskutiere Überreaktion auf Cepesedan im Sonstiges Forum; Nachdem wir dieses Thema gerade durch haben, möchte ich hier auch nochmal den Verlauf inkl. Behandlung aufschreiben. Solche Fälle sind bisher sehr...

  1. Schlucky

    Schlucky Apokalyptischer Reiter

    Nachdem wir dieses Thema gerade durch haben, möchte ich hier auch nochmal den Verlauf inkl. Behandlung aufschreiben. Solche Fälle sind bisher sehr selten gewesen (ca. 20 Stück deutschlandweit), dennoch finde ich es wichtig, dass man mal davon gehört hat und ggf. weiß, was zu tun ist.

    Geplant war die Wolfszahnentfernung bei 2,5 jähriger Stute.
    Klinisch unauffällig, Lunge, Herz unauffällig, einziges Anzeichen leicht erhöhter Puls den wir auf leichte Aufregung zurückgeführt haben da der TA bereits mit der Behandlung bzw der "Bestandsaufnahme" begonnen hatte (ins Maul gefasst und nach der Stellung geschaut usw).

    Fieber wurde zu dem Zeitpunkt nicht gemessen, da auch die Mundhöhle sich nicht auffällig warm anfühlte.

    Es wurden 0,4 ml Cepesedan i.V. (10mg/ml) gespritzt, Pferd senkte sofort den Kopf und begann fürchterlich zu schnaufen. Dies ist eine bekannte Nebenwirkung des Medikamentes und sollte sich innerhalb einiger Minuten wieder geben - ist i.d.R. auch so. Leichtes schwitzen ebenfalls.

    Was nicht normal war, dass die 0,4 ml reichten um das Pferd so stark zu sedieren, dass sie völlig weg war. Die Atmung lies nicht nach, das schwitzen wurde stärker, im Zuge dessen fieberte das Pferd bis auf über 41°C hoch.

    Der Hersteller des Medikaments wurde kontaktiert, es wurde als Nebenwirkung gemeldet, leider lagen bis dato keine Erfahrungsberichte vor.

    Es wurden 2,5 ml Antisedan gespritzt, Pferd wurde gut wach, Atmung war nach wie vor verstärkt, Fieber ging bis auf 38,4°C in den Normbereich runter. Wir dachten damit sei es gut. War es aber nicht.

    In den folgenden Stunden fieberte das Pferd bis 40,7°C hoch, war aber nach wie vor sehr fit, sprich hatte unverändert hunger, Durst, war vom Gemüt her unverändert, nicht matt und schlapp.

    Es wurde dennoch ein weiterer Tierarzt hinzugezogen, dieser verabreichte Flunidol i.V., nach Telefonaten mit weiteren Zahnkliniken wurden 4 weitere solcher Fälle bekannt, leider war zu dem Zeitpunkt das Flunidol schon gespritzt.

    Der Rat der Zahnklinik war ein Mittel mit Metamizol als Wirkstoff (Novalgin z.B.) zu spritzen, da die Pferde häufig mit Flunidol nicht aus dem Fieberschub raus kommen, die nachfolgende Behandlung solle nach Bedarf mit Flundiol oral stattfinden. I.d.R. seien die Pferde nach einigen Tagen wieder komplett fit gewesen.

    Hintergrund sei folgender: Metamizol greift wohl stärker und langfristiger in die Temperaturregelung des Körpers ein als Flunidol. Flunidol schafft es alleine nicht die Pferde aus diesen Fieberschüben zu holen.

    So war es auch hier.

    Tag 1 schwankte die Temperatur von über 41°C auf 38,4°C nach Gabe des Antisedans, anschließend schoss sie wieder auf 40,7°C hoch. Nach der Verabreichung von Flundiol i.V. sank sie auf 38,4°C , stieg vermutlich im Laufe der Nacht aber bereits wieder an.

    Tag 2 startete mit 40,3°C, nach Gabe von Flunidol oral sank sie bis auf 39,6°C. 6 Stunden später wurden 40,9°C gemessen. Es wurde erneut der TA gerufen, dieser verabreichte nun Novalgin i.V. (Metamizol), die Temperatur sank im Laufe der nächsten 30 Minuten von besagten 40,9°C auf 40,4°C, 6 Stunden später 38,7°C. Flunidol oral wurde nicht mehr verabreicht.

    Tag 3 startete mit 38,0°C, ich gehe davon aus, dass das Novalgin (Tag 2 gegen 15 Uhr i.V. gespritzt) nun so langsam aus dem Körper ist und wir den Fieberschub erfolgreich durchbrochen haben.

    Grund war und ist vermutlich ein unterschwellig brodelnder Infekt gewesen.

    Warum ich das nun aufschreibe? Ich möchte anderen Pferden unnötiges rumdoktern ersparen. Da diese Reaktion nicht häufig bisher vorkam ist sie recht unbekannt - auch bei Tierärzten! - leider lässt es sich nicht immer ohne Sedierung arbeiten, aber falls euch oder euren Bekannten soetwas passiert, verlangt bitte gleich Novalgin!

    Achtung! Der gleiche Wirkstoff von Cepesedan ist auch in Domosedan enthalten!!
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Nov. 2018
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  2. Leo

    Leo . Mitarbeiter

    Danke für die Info
     
  3. ManicPreacher

    ManicPreacher Gelebte Chaostheorie

    Wirkstoff ist Detomidinhydrochlorid.
     
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  4. Charly K.

    Charly K. ...ich bin doch nicht kreativ. Mitarbeiter

    Super, daß Du es aufschreibst! :astrein:

    Als Tip: Bei i.v.-Medikation ist „ml“ nie die korrekte Dosierungsangabe, denn dasselbe Medikament kann es - je nach Hersteller oder Wunsch des Verwenders etc. - zum Beispiel geben als Ampulle mit 10mg/ml und 50mg/ml.
    Das heißt, mit einer ml-Angabe ist nicht erfasst, wieviel Wirkstoff tatsächlich verabreicht wurde.

    Immer die mg/ml-Konzentration oder die tatsächlich verabreichten mg erfragen.


    Mich würde auch interessieren, ob die TA / Praxis nun etwas an ihrem Verfahren ändern wird und in ihrem QMS festlegen wird, daß vor jeder Verwendung Fieber zu messen ist?


    LG, Charly
     
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  5. Schlucky

    Schlucky Apokalyptischer Reiter

    Ganz klares JA! Kein Patient wird ab sofort sediert ohne dass vorher gemessen wurde.
    Ich muss da meine ZahnTä ein wenig in Schutz nehmen, es sind wie gesagt rund 20 Fälle deutschlandweit bekannt die so auf Cepesedan reagiert haben, das ist quasi "nichts", ihr war so eine Reaktion in der Form nicht bekannt, nicht mal der Hersteller wusste davon laut dessen Aussage (habe das Telefonat mitgehört).

    Ich hab den Zettel von der Flasche im Auto im Equidenpass kleben, darauf steht 10 mg/ml und davon gabs 0,4 ml.

    Hab es oben mal ergänzt.
     
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  6. Princess of Diamond

    Princess of Diamond Bekanntes Mitglied

    Meine Tierärztin hat mir mal gesagt das Sedierungsmittel sehr stark vom Stoffwechsel des Pferdes abhängen. Ich hab jetzt keine Zeit, ich schreibe heute Mittag oder Abend was dazu.
     
  7. Schlucky

    Schlucky Apokalyptischer Reiter

    Ruby war bereits zweimal sediert, einmal mit Xylazine 2% und einmal mit Cepesedan 0,6 ml (10mg/ml), beide Sedierungen hatte sie ohne jegliche Probleme gut vertragen.
    In unseren Augen lag es vorgestern wirklich an diesem Infekt der nicht gesehen wurde, weder von mir, da sie absolut normal war, noch von der TÄ die sie untersuchte und bis auf den leicht erhöhten Puls nichts feststellen konnte.
     
  8. Lali

    Lali Neues Mitglied

    Ist sie denn jetzt wieder fit?
    Ich hab leider das Problem, dass meiner absolut kein Novalgin verträgt.
    Er hatte auch letztens starkes Fieber, bis an die 42°C und wir mussten auf alternative Mittel ausweichen.
     
  9. Schlucky

    Schlucky Apokalyptischer Reiter

    Ja, heute morgen war die Temperatur wie gesagt auf 38,0°C, werd gleich nochmal zum messen rausfahren.

    Fit war sie durchgehend, hätte ich nicht gewusst, dass sie so hoch Fieber hat, hätte ich gesagt sie ist komplett gesund. Gestern war sie zeitweise etwas matter, aber nichts wo man sich bei einem Jungpferd, dass sich auch viel bewegt und rumrennt, Gedanken macht.

    Tag 3: Am Morgen 38,0°C jetzt in der Mittagspause wieder 39,6°C, gab eine Ladung Flunidol. Da sie ansonsten echt munter ist beobachte ich das ganze erstmal. So ein Infekt ist ja nicht mit einer Spritze Novalgin weg, gleiches war aber auch bei den anderen Patienten zu beobachten.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Nov. 2018
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  10. Princess of Diamond

    Princess of Diamond Bekanntes Mitglied

    Vielleicht mal Zylexis geben lassen.
     
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Thema: Überreaktion auf Cepesedan