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Wie brutal darf man sein?

Diskutiere Wie brutal darf man sein? im Allgemein Forum; Ich habe ganz bewusst diese hart formulierte Überschrift gewählt. Ich lese hier immer wieder, das nie das Pferd den Fehler macht, das man nie...

  1. Kigali

    Kigali Sternchenreiter

    Ich habe ganz bewusst diese hart formulierte Überschrift gewählt.

    Ich lese hier immer wieder, das nie das Pferd den Fehler macht, das man nie strafen soll.....

    Generell sehe ich das auch so, ABER – lasst uns mal ehrlich sein, wer setzt das alles so um?
    wer hat noch nie einen festeren Klaps mit der Gerte gegeben?
    Wer hat sein Pferd noch nie angeschrien, wenn es nicht still stehen bleiben wollte?
    Wer hat noch nie heftiger am Zügel gezogen, weil das Pferd nicht das tat, was man gerade wollte?
    Wer hat seinem Pferd noch nicht gedroht, das es an den Haken, in der Wurst landet, wenn es sich jetzt nicht benimmt?
    So etwas,
    liest sich sehr nett, aber ist das immer umsetzbar?
    Mir ist noch nie ein Pferd mit Sattel entgegen gelaufen und wollte unbedingt geritten werden.
    Und (wenn man darüber nachdenkt,) ist es nicht Zwang, wenn man sein Pferd von der Weide holt und sattelt?
    Nur weil ein Pferd artig mitgeht und alles über sich ergehen lässt, heißt es doch noch lange nicht, das es das Verlangte, gerne macht.

    Was ist in gefährlichen Situationen? Da muss das Pferd, das tun, was der Mensch verlangt, zur Not auch mit Zwang (Nasenbremse, mal einen Ruck am Zügel, etc...)

    Wir waren doch alle mal Anfänger, sind den Pferden in den Rücken gefallen und haben uns auch mal am Zügel festgehalten.
    Bei manchen Aussagen habe ich das Gefühl, diese Tatsachen werden gerne vergessen.
    Warum ist das so?
    Ich glaube hier ist keiner, der davon überzeugt ist, sein Pferd schlecht zu halten oder schlecht zu reiten.
    Aber geht es wirklich ohne Drill, Zwang und Strafe?
    Natürlich kommt es immer auf die Art und Weise und auf den Charakter des Pferdes an.

    Bei meiner Kigali reichte z.B. immer ein scharfes NEIN und sie kam auf dem Boden der Tatsachen zurück.
    Dusty dagegen war ein Büffel, ein Nein hat ihn nicht interessiert. Damit er reagierte, musste man deutlicher werden.
     
  2. Kuschelkiwi

    Kuschelkiwi Forenobst

    Ganz knapp:

    Junghengst der SB war umgezogen ohne Ende. Ich holte meinen Hengst von der Weide, drehte mich eine Sekunde weg und plötzlich bestieg mich das 400 kg Pferd von hinten. Kein Scherz.
    Himmel, dem habe ich so eine gescheppert, der wusste nicht mehr wo hinten und vorne war. Mir tats scheiß weh und der kam mir danach glücklicherweise auch nie mehr zu nahe.
     
  3. Carolin+Elvis

    Carolin+Elvis Neues Mitglied

    Hi
    Manchmal braucht ein Pferd eine klare anweisung oder einen
    Klapps mit der Gerte hab ich auch schonmal genmacht, nur ich
    hab dann immer ein schlechtes Gewissen und leider weiß ich dann nie wie ich das
    weg bekomme ;(
    LG
     
  4. Mabel

    Mabel Gesperrt

    Das Eingangspost ist etwas durcheinander gewürfelt.

    Erziehung sollte nicht mit Gewalt verbunden sein.

    Bedeutet im Umkehrschluß aber doch nicht, das man nur mit dem Pferd machen darf was es gerade möchte.

    Und Notmaßnahmen aus einer Situation herraus haben auch nichts mit Erziehung zu tun.

    Situationen in denen man sich nicht im Griff hat gehören auchnnicht entschuldigt sondern als Anregung zum Denken - Nachdenken über sich - gesehen werden.
    Auch Selbstkontrolle kann man lernen.
     
     
  5. User4711

    User4711 gelöscht

    Wenn ein Pferd sich bewusst gegen meine Entscheidung stellt, dann werde ich diese Entscheidung durchsetzen. Warum? Weil ich Chef bin. Ich trage die alleinige Verantwortung und führe die Herde. Dabei dürfen alle bis zu einem bestimmten Punkt mit führen. Die letzte Entscheidung liegt aber bei mir.
    Wenn mein Jungstute dies anzweifelt, weil sie pupatiert, dann wird sie klar zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Da wird aber nicht ohne Sinn und Verstand geprügelt, sondern die Kommunikation verdeutlicht. Wenn ein scharfes Nein, ein Ruck etc. nicht funktioniert, dann wird eben deutlicher kommuniziert. Da wird dann auch schonmal die Gerte ausgepackt. Tippen funktioniert nicht, dann wird eben mal etwas Krach gemacht.
    Pferde sind genau wie alle anderen Lebewesen nicht doof. Die wissen genau, wie weit sie nachfragen können. Manchmal ist es ja auch so, dass der Mensch dann sagt, na dann eben nicht. Aber wenn eben muss, dann muss. Dann muss jedes meiner Pferde gehorchen und das wissen die. Wenn sie sich dann zusammen gerissen haben zB. TA gibt Augentropfen, dann dürfen sie nach einem kurzen Moment ruhig stehen auch laufen.
     
  6. Steady

    Steady Nur echt mit dem Q!

    Ein tolles Thema, finde ich.

    Ich muss dazu eine Trainerin zitieren, da ich mit ihrer Sichtweise sehr konform gehe und es nicht besser umschreiben könnte:

    "Im Grunde ist es doch eigentlich ganz einfach: Wir alle haben doch überwiegend aus einem Grund Tiere. Ob es nun z. B. Hunde sind, die unseren Weg als treue Begleiter teilen oder Katzen, die uns durch ihre Intelligenz und ihre Anmut jeden Tag aufs Neue beeindrucken oder eben Pferde, deren Sanftmut und Feingefühl uns immer wieder dazu veranlassen, einen tiefen Zug aus ihrem Fell zu nehmen und sich wie ‚zu Hause’ zu fühlen. Da gibt es doch nur diesen einen Grund: Liebe; die Liebe zu unseren Tieren.
    Ich glaube, nein ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Tiere jeden Tag alles für uns geben. Sie versuchen zu verstehen, was wir von ihnen wollen, immer bemüht und meist optimistisch. Aber sollte es nicht genau anders herum laufen? Wir müssten versuchen, sie zu verstehen. Lernen, besser zu zuhören, sie beobachten, uns mit Ihnen beschäftigen, uns Zeit nehmen und ihnen auch die Zeit geben, gerade bei der Ausbildung. Dann gäbe es auch sicher oftmals weniger Schwierigkeiten.
    Auch ich habe meine Fehler gemacht. Das Positive daran ist, dass ich daraus lernen konnte. Es ist anmassend zu glauben, dass man ein 500-Kg-Pferd mit Gewalt dorthin drillen kann, wo man es gern sehen möchte oder so lange an dem Strick zieht, bis es vielleicht mal auf den Hänger geht. Dazu sind wir zu intelligent! Anstatt alles mit Zwang und Dominanz regeln zu wollen, sollte man über den Tellerrand hinwegsehen und es auf einem anderen Weg versuchen. Das heisst natürlich nicht, dass man sich ‚auf der Nase’ herumtanzen lassen sollte und mit sich machen lässt, was man will. Ich möchte damit nur sagen, dass, wenn man mal vor einem Problem steht, vielleicht einmal eine andere Lösungsmöglichkeit in Betracht ziehen sollte."

    (Quelle:Danny Voss - WesternClassic)

    Ich habe es, wie wahrscheinlich 98 bis 99% der Reiter so gelernt, dem Pferd mal "eine mit der Gerte zu geben", wenn es in der Reitstunde nicht spurt.
    Hinterfragt habe ich das zunächst nie, warum auch, machen doch alle anderen auch so und es zeigte ja auch "Erfolg".

    Ich bin sehr froh, nach diesem Reitschuldesaster an sehr tolle Menschen und Pferde geraten zu sein, die mich eines besseren belehrt haben.
    Pferd 1, ein Tinker, war stoisch und ruhig, ein schwerer Typ, der sich kaputt gelacht hat, wenn jemand ihm "mit Kraft" kam.
    Unmöglich, ihn durch ziehen oder zerren von A nach B zu bringen, der ignorierte es völlig, wenn da da wer am Strick hing, er aber nun Lust auf Grasen hatte.
    Pferd 2 und 3 gehörten einer Person.
    Pferd 2, ebenfalls ein Tinker, war ein ganz anderes Kaliber, so lernt man auch gleich, dass Tinker nicht gleich Tinker ist.
    Reagierte sehr stark auf Reize, nichts mit "stoischer Ruhe", er konnte sich gut hoch pushen und wenn er dem Menschen nicht traute oder der schlichtweg ritt wie "Harry", schmiss er sich auch mal auf der Hinterhand rum, legte sich vehement auf's Gebiss und ließ einen im Sattel verhungern.
    Wenn er irgendwo nicht hin wollte, rammte er die Füße in den Boden und blieb hartnäckig stehen, auch hier mit Kraft nichts zu rütteln, das Stichwort bei ihm war "Geduld".
    Pferd 3, ein Isländer, war sehr zutraulich, ein positives Pferd, extrem intelligent und gelehrig, immer eifrig dabei.
    Er war aber durch die Vorbesitzer "verritten", rollte sich auch am hingegebenen Zügel ein und hatte noch Schwierigkeiten, seine Gänge zu sortieren.
    Reagierte bei der BA sehr feinfühlig auf Körpersprache, sodass er auch die Richtung wechselte oder stehen blieb, wenn ich nur mein Becken leicht verkehrt zu ihm gedreht hatte.
    Das lehrte mich, besser auf mich zu achten und was ich da tue, einfach nochmal bewusster zu werden.
    Nun bin ich bei Pferd 4, ein sehr starker Charakter, damals wohl ein richtiger "Haudegen", der den Menschen gezeigt hat, wo der Hammer hängt.
    Mit Schreien oder Aggressivität brauchst du ihm nicht kommen, davor rennt er nämlich einfach weg und er weiß genau, dass er so dem Druck entkommt und kein Mensch auf Erden ihn halten kann, wenn er ab durch die Mitte macht.
    Er zeigt mir klar und deutlich, was ihm missfällt, bei ihm überdenke ich vieles, bin aber auch mutiger geworden, ich dachte ja lange, ich würde nie mit so einem Kaliber klar kommen (und es gibt ja noch deutlich schlimmere ;)), nun vertraue ich ihm voll und ganz und habe gelernt, Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren.

    Jedes Pferd formt mich und gibt mir die Chance, an mir zu arbeiten.
    Pferde verzeihen Fehler und haben keine Vorurteile.
    Für das alles bin ich sehr dankbar.
     
    ShikaChan gefällt das.
  7. Kigali

    Kigali Sternchenreiter

    Im Prinzip ist mein ganzes Post auf dieses NIEMALS bezogen.

    NIEMALS heißt, es gibt keine Ausnahmesituationen.
    Und das ist meiner Meinung nach nicht umsetzbar.

    Natürlich kann man Selbstkontrolle lernen, ich spreche auch nicht davon, cholerisch das Pferd anzubrüllen oder kopflos darauf einzuschlagen.

    Ich hatte gestern so eine Situation. Ich stand in der Box, hatte das Heubag dabei, um das Heunetz aufzufüllen. Die Boxentür stand auf, Chacco kam wie immer gucken, damit habe ich kein Problem, darf er. Meine Hündin saß von außen vor der offenen Boxentür. Plötzlich schlug Chacco nach vorn, in Richtung meiner Hündin aus.
    Zum Glück traf er sie nicht! Dafür reagierte ich, blitzschnell flog das Heubag in seine Richtung und ich schickte ihn laut auf sein Paddock.

    Natürlich hätte man die Situation vermeiden können,
    ich hätte den Hund anleinen können
    ich hätte den Hund zuhause lassen können
    ich hätte mir nie einen Hund anschaffen können
    ich hätte das Pferd anbinden können
    ich hätte das Pferd erst raus schicken können
    ich hätte das Heunetz früher füllen können
    ich hätte das Heu auf den Boden schmeißen können
    etc...etc...

    Die Situation war aber so und darauf musste ich reagieren.
    Trotz Strafe (geflogenes Heubag) und Zwang (raus schicken) hat Chacco das ohne Schaden überlebt und sich danach mir gegenüber ganz normal verhalten.
    Ich denke, meine Reaktion war richtig, ich habe instinktiv gehandelt, (Zeit um nachzudenken hatte ich nicht) Chacco hat verstanden, das ich dieses Verhalten nicht dulde und damit war das Thema erledigt.
     
  8. isi love

    isi love Inserent

    Hat er genau auf deine Hündin gezielt?
    Der bzw diejenige, die in diesem Moment einen Fehler gemacht hat, bist du. Aber besser läuft das Pferd kurz raus, als ein toter Hund.
    Außerdem gehe ich davon aus, dass dein Pferd keine Schmerzen empfunden hat, allenfalls der Heuballen;)
    Deine richtige Konsequenz aus dieser Situation wäre, dass du diese nie wieder entstehen lassen wirst.
     
  9. PinkPony

    PinkPony Ich bin nix für schwache Nerven

    Ich denke mal, bisher sind wir uns alle in dem Punkt einig, dass man erst gar nicht so eine Situation aufkommen lassen sollte, aber in dem Moment Nowehr okay ist...
     
  10. Steady

    Steady Nur echt mit dem Q!

    Solche Reflex- oder Instinktreaktionen finde ich auch nicht falsch, immerhin will unser Körper sich somit automatisch schützen oder wir wollen andere schützen, die uns nahe stehen (ob nun Mensch oder Tier).

    Aber falsch finde ich, wenn jemand z.B. das Pferd zum Misten in der Box stehen lässt und dann dem Pferd eine knallt, weil es die ganze Zeit im Weg steht.
    Ja, sowas habe ich auch schon gesehen...
    Also, da könnte man sich schon mal aufraffen und das Pferd einfach vor der Box irgendwo anbinden, dann erspart man sich die "Diskussion".
    Ich sollte auch mal in einer Reitschule ein Pony trensen, das dann regelrecht um sich gebissen hat, gezielt Richtung Gesicht und Oberkörper, da stand ich dann auch nicht daneben und hab' "Ei, du Armes, ja, dutzi dutzi, mach doch bitte das Mäulchen auf" gesagt, sondern bin laut geworden und hab' ihm, als das nix half, mal eine gescheuert, aber da weiß ich doch dann auch als Reiter, dass da was ganz schön im Argen liegt, woran man arbeiten muss und dass diese Strafe nicht die Lösung des Problems ist, es war nur eine Momentreaktion, damit sich keine Pferdezähne in meiner Haut vergraben.
     
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